Der antimarxistische Ostblog, für Patrioten die denken. Keine sozialistische Diktatur mehr auf deutschen Boden.

Dienstag, 28. Mai 2019

Unterdessen in RuSSland: "Aufrufe zur Bekämpfung der Sklaverei bedrohen das staatliche System."

Die Zahl der Freisprüche in Russland erreichte einen historischen Tiefstand - im Jahr 2018 waren es nur noch 0,2%. Eines der gehorsamen Instrumente des Totalitarismus war die Prüfung durch Experten/Sachverständige, die laut Gesetz hätten unabhängig und kompetent sein müssen, aber de facto zu einer Vergewaltigung der Bürgerrechte wurden, die Massenurteile rechtfertigt. Linksfaschisten.co erklärt hier, wie und warum die "Experten" der russischen Staatsanwaltschaft Slogans mit 3 Ausrufezeichen (!!!) verbieten, warum Jesus Christus die "territoriale Integrität der Russischen Föderation" gefährdet, warum mangelndes Vertrauen in die ReGIERung "politischer Extremismus" ist, und auch die Bekämpfung der Sklaverei als Extremismus verurteilt der "das System" gefährdet und warum Faschist kein Schimpfwort ist.

Die Polizei, dein Freund und Helfer


Bis Ende der 2000er Jahre war in der Expertise ein bestimmter Algorithmus erarbeitet worden, der zunächst Misserfolge aufwies, aber nach und nach bevorzugtes Werkzeug der Unterdrückung von totalitären Staatskultlern, Machtsekteriern und Repressionsorganen wurde. Polizisten richten eine Frage über Personen, die sie in Verdacht haben nicht genügend Untertaneneifer für den Kreml zu zeigen, an die Staatsanwaltschaft, und diese beauftragen Staatswissenschaftler, die sich lediglich darin mühen den Verdacht der Polizei gegen ungebührliche Untertanen zu bestätigen. Das kann in RuSSland mittlerweile zu grotesken faschistoiden Anklagen führen, doch ich rate Ihnen die Entwicklungen in Deutschland gut zu beobachten und sich nicht allzu sicher zu fühlen! Dies gilt insbesondere bezüglich aller Wladiwostok bis Lissabon Freunde, Krimverschenker, Gazpromhuren, den Russland-ist-unser-Nachbar-Hausierern, "Putin ist ein waschechter Demokrat" Kollaborateuren, und allen sonstigen Mitgliedern der Kolchose Russische Prostituierte sind die Besten.

Im Jahr 2015 untersagte das Gericht in Jaroslawl auf Ersuchen des Bundesdienstes für Drogenkontrolle die Verbreitung von Informationen, die auf der Website der Krovostok-Rap-Band veröffentlicht wurden. Die Jaroslawler Drogenkontrolle scheint keine philologische Fakultät zu sein, aber bereits im April 2015 analysierte sie die Texte und Illustrationen auf der Website der Gruppe und fand darin „Elemente der Propaganda illegaler Handlungen, Gewalt gegen eine Person, Heroisierung der Persönlichkeit von Drogenabhängigen“.

Danach wandte sich die Staatsanwaltschaft an die Philologin und Dekanin der Fakultät für russische Philologie und Kultur des Jaroslawler Pädagogischen Institut, Swetlana Rodionowa, die in der Webseite „Krovostoka“ gefundene Aussagen stellen „eine Wiederholung des Verhaltens des Täters für die Zukunft“ dar. 🤔 Auch nicht schlecht! Die Songtexte fördern: „Bewunderung des Inhalts von pornografischen Filmen (...) und fordert ihre Hörerschaft auf positive Erfahrungen aus dem Einsatz von Medikamenten zu beschreiben‚ kritisiert die anerkannten Werte der Gesellschaft (Liebe, Pflichtgefühl), und die fördert einen falschen Begriff der Freiheit (das zu tun, was sie wollen)." Oder: „Direkter Aufruf zur Gewalt.“

Nikolai Voronin, Direktor des Instituts für Philologie und Kultur, derselben pädagogischen Einrichtung, fügte hinzu: "Ein niedriges Niveau an Kultur, Moral und Mangel an Talent"; "Der Inhalt der Materialien verletzt die Würde des Menschen, die moralischen und ethischen Normen der Gesellschaft", die Lieder bilden "Zynismus, Toleranz, kann als Grundlage für aggressives Verhalten dienen". Woher hat 
Nikolai Voronin seine Qualifikationen als Experte für Rap-Musik? Vor seinem Wechsel zum philologischen Dienst war Voronin Vizegouverneur der Region Jaroslawl und vor 30 Jahren Sekretär, zuständig für Ideologie, des Jaroslawl-Regionalkomitees der KPdSU.

Die Staatsanwälte wendeten sich an sogenannte Experten und formulieren Suggestivfragen, auf die sie eine Antwort geben sollten. Bezüglich der Band Krovostok handelte es sich um Fragen zum „Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Aufrufen zu körperlicher oder geistiger Gewalt, Grausamkeit gegenüber Menschen, ... Popularisierung des nicht medizinischen Konsums von psychoaktiven Substanzen und Betäubungsmitteln, Aufstachelung zu promiskuitiven sexuellen Beziehungen, Begehung rechtswidriger Handlungen." Die Frage ist genauso formuliert, dass es keinen Zweifel daran gibt, welche Antwort die Staatsanwaltschaft hören möchte. Eigentlich hat sich ihre Meinung schon gebildet, nur Bestätigung fehlt. RAP-Musik hören gilt in RuSSland grundsätzlich als mindestens verdächtig und ist ein Symbol des degenerierten Westen, und gemäß dieser Ideologie werden RAP-Musiker grundsätzlich verfolgt. Und die Experten konkurrieren darum, wer den Forderungen der Behörden maximal nachkommt. Denn für den gefälligsten "Sachverständigen" gibt es dann Geld und mehr Aufträge.

Ganz abgesehen von der Qualität der Sachverständigen, ist das staatliche regionale pädagogische Institut per Statut vom Staat abhängig und daher nicht unabhängig. Wenn Wissenschaftler beginnen, systematisch falsche Dinge zu schreiben, nur weil es die ReGIERung hören will, ist das Arsenal der faschistoiden Auswirkungen grenzenlos - von Entlassungen bis hin zu Finanzierungskürzungen. Also ein repressives System der Gefügigmachung.

Anscheinend gab es irgendwo auf Regierungsebene den Entschluss, dass die RAP-Band wegmuss und nutzte dazu die Drogenkontrolle. Zum einen darf die Zensur nicht wie Zensur aussehen und zum anderen wird die staatlich verordnete Ideologie bestätigt. So läuft das in RuSSland (und Deutschland). Was auch ziemlich schnell erkennbar wurde, denn die Drogenbehörde wurde aufgelöst und die Anklage brach damit in sich zusammen. Doch so was ist RuSSland kein Problem, dass dann neu geschaffene orwellsche "Wahrheitsministerium" 
Roskomnadzor bedurfte der Umwege von Gerichten und Berufungen nicht mehr und machte die Webseite der RAP-Band dicht, mit der simplen wie eindeutigen Begründung "Propaganda falscher Werte", also nicht die der ReGIERung.


Extremistische Menschenrechte


Bereits 2009 schloss die Staatsanwaltschaft das Novorossiysk-Komitee für Menschenrechte. In diesem Akt wurde sogar der Geheimdienst FSB eingeschaltet. Sowohl Staatsanwaltschaft, als auch FSB, befanden das Motto des Menschenrechtskomitees sehr gefährlich: "Freiheit wird nicht erlaubt, sie wird genommen!"

Der Slogan wurde gewählt, im Zusammenhang des Protestes gegen die Ausgangssperre für Kinder und Jugendliche. Die russische Staatsanwaltschaft bemühte dafür sowohl einen Historiker, Wladimir Rybnikow, als auch einen Philosophen, Gelendschik Zweig, promoviert an der kubanischen Staatsuniversität. Diese Experten gaben an, dass hinter dem Slogan,"Freiheit wird nicht erlaubt, sie wird genommen", ein teuflischer Plan der CIA steckt. Der Plan, der "den Interessen derer dient, die die soziale und politische Struktur des modernen Russland untergraben möchten"stamme von niemand geringerem als Allan Dulles selbst. Die Experten stellten fest, sehr zur Freude der Staatsanwaltschaft von Novorossiysk (vertreten durch Alexander Kazimirow), dass der Slogan beabsichtigt "die moralischen Grundlagen der Gesellschaft zu untergraben". Daraufhin wurde das Menschenrechtskomitee zur extremistischen Organisation erklärt.

Und bei der Untersuchung durch die Leiterin des psychologisch-pädagogisch-medizinisch-sozialen Zentrums „Dialog“, Swetlana Guzewa, in Noworossijsk hieß es: 


„Die Aufforderung, sich die Freiheit selbst zu nehmen, kann als Aufforderung der Organisatoren des Komitees interpretiert werden, Maßnahmen gegen die bestehende Gesetzgebung zu ergreifen.“ 

Damit hat sie zwar in gewisser Weise Recht, denn in Diktaturen kam so etwas hin und wieder vor, dass die Bürger sich die Freiheit nehmen müssen, denn Freiheit und Demokratie wird einem niemals geschenkt. Und warum man in diesem Fall RuSSlands berechtigterweise von einer Diktatur sprechen kann, ist leicht daran zu erkennen, dass die Gutachter vor Gericht auf wenn, dann kann man Formulierungen zurückgreifen und interpretieren, was die Beschuldigten eventuell meinen. So etwas kann man im Privatleben machen, allerdings nicht vor dem Gericht, wo nur Tatsachen und keine Eventualitäten berücksichtigt werden, daran erkennt man nämlich, wo Gesinnungsjustiz betrieben wird. 

Fazit der Experten


Viele Experten sind bereit, das differenzierteste Argument für die Analyse eines kriminellen Gesetzes zu finden, indem sie die Taten oder Aussagen einer Person interpretieren oder als im Bereich der Möglichkeit liegend charakterisieren.

So führten Mitarbeiter des Landesverbandes "Zentrale Werkstätten für Wissenschafts- und Restaurierungsdesign" eine "kulturwissenschaftliche Untersuchung der Tür" des von Peter Pawlensky in Brand gesetzten FSB-Gebäudes, in Lubjanka, durch. (Ja in dem alten Terrorbunker des KGB hat jetzt der FSB sein Hauptquartier.) Es wurde schnell klar, dass dies 2008 eine neue Tür war. Trotzdem wurde Pavlensky "der Zerstörung eines Kulturguts" beschuldigt. Da staunt man, was in Russland alles ein Kulturerbe ist, ich wette, die sind auf den Folterkeller echt stolz. Die Expertise bewies den kulturellen Wert der neuen Tür durch die Tatsache, dass in den Jahren der kommunistischen Diktatur hier prominente Regierungs- und öffentliche Persönlichkeiten, Militärführer, Vertreter von Wissenschaft und Kultur gefoltert und ermordet wurden.

Im Fall der Murmansker NGO Meschenrechtsbewegung der Jugend argumentierte ein Experte, dass die Organisation, die den Text veröffentlichte, politische Aktivitäten betreibe, da der Text einen politischen Schwerpunkt habe, zumal er öffentlich verfasst sei und Beinamen und Metaphern enthalte. Eine andere Expertin, die Philologin Larisa Gortany, setzte Kritik an Putins Partei Einiges Russland mit Agitation gegen die russische Staatlichkeit und Kritik an Polizeigewalt gleich und sei eine Aufforderung, die rechtmäßigen Aktivitäten von Strafverfolgungsbehörden zu behindern. Wenn die Erfordernisse der Freiheit und der Rechte mit drei Ausrufezeichen einhergehen, dann ist dies ein Aufruf zu einer gewaltsamen Änderung der Verfassungsordnung und einer Verletzung der Integrität der Russischen Föderation - diese Idee verherrlichte diese Sachkenntnis als "Prüfung von Ausrufezeichen".


Für einen 2015 auf vk.com gemachten Witz, des St. Petersburger Aktivisten Eduard Nikitin, wurde etwa ein Jahr darauf Ermittlungen gegen ihn aufgenommen. Seine Bemerkung war:
Der Sohn fragt seinen Vater, ob sich nach der Wahl etwas im Land ändern wird (der Name des Landes ist nicht angegeben). Vater antwortet, dass zwei Kirschen auf einem Haufen Scheiße keinen Kuchen daraus machen werden.
Das ganze wurde von einem Bild begleitet, auf dem eine Jacke vorkommt, genauer eine Steppjacke, die zum Aufhänger der Experten wurde:


"Bei der Analyse des Bildes mit dem Wort 'Steppjacke' kommen die Experten zu einer eindeutigen Schlussfolgerung: Die Worte darauf sollten als 'Todeswunsch des russischen Volkes' verstanden werden."

Es handelt sich um die erste Anekdotenverfolgung im postsowjetischen Russland (in der Sowjetunion kam das häufig vor) - Experten der Hauptuntersuchungsabteilung der St. Petersburger Staatsanwaltschaft entschieden, dass eine simple Jacke eine soziale Gruppe ist, und Ausdruck von Misstrauen gegenüber den Abgeordneten ausdrückt und "Unglauben an die positiven Veränderungen im Land nach einer Wahl" beinhaltet, und das heißt in Russland Extremismus. 2018 wurde er angeklagt auf der Basis von Artikel 282 des Strafgesetzbuchs der Russischen Föderation einleiteten (Anstiftung zu ethnischem Hass). Verneinung des Staatskultes = politischer Extremist. In Putins RuSSland hat offenbar die zaristische Angst vor Anarchisten überlebt, jedenfalls wurden Abgeordnete einfach zu einer eigenen Ethnie erklärt. Man könnte es auch mit der Position des Adels in feudalistischen Gesellschaften vergleichen.

Die Experten verweisen unter anderem auf die Definitionen der Wörter „Haufen“, „Kuchen“, „Wahl“ und des Verbs „austauschen“ aus dem von S. A. Kuznetsow herausgegebenen Erklärungswörterbuch der russischen Sprache. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass "die Inschrift ... in verschleierter Form ein Misstrauen gegen alle Gewählten enthält, indem sie die Möglichkeit einer positiven Veränderung im Land (...) verneint." Unterdessen stellt der unabhängige Experte Dmitri Dubrowsky (der von Nikitins Verteidigung angesprochen wurde) fest, dass "die Wissenschaft eine solche Methode der wissenschaftlichen Analyse nicht kennt, wie die Analyse anhand eines russischen Wörterbuches.

Nachdem die Experten den Namen „Watnikow“ mit „Russisches Volk“ gleichgesetzt hatten, gelangten sie sie zur Ansicht, dass der Aufruf, etwas gegen Vatniki zu unternehmen, ein Hatespeechs sei, so sagte es Dmitri Dubrowsky, der im Auftrag der Verteidigung die Experten der Staatsanwaltschaft infrage stellte. Der Fall wurde später allerdings abgewiesen.

Das Fazit der Experten ist als Modell des Genres bemerkenswert: Sie führten eine "qualitative Analyse durch, die alle Arten von mentalen Operationen einschließt"(hauptsächlich basierend auf einem Wörterbuch). 

Wie man die Ablehnung des Nationalismus zum Schutz seines eigenen Interpretation von Nationalismus  einsetzt


Einer der Experten, der diese Schlussfolgerung verfasste, sah keine Erregung zu Hass und Feindseligkeit vor einem Jahrzehnt, in den Worten „Töte Hacha, bepisse Hacha! Russland ist nur für Russen!“, die das Prügeln eines Schulkindes, Tagir Kerimow aus Dagestan, begleiteten (er verbrachte anschließend mehrere Monate im Koma). 

Ein sehr schönes Beispiel für den deutschen Michel, wie ein Anti-Nationalismus dafür genutzt wird, um einen fremden Nationalismus zu unterstützen, erhalten wir, als ein Experte, im Fall des erwähnten Schulkindes, feststellte, dass Sätze wie "Russland den Russen" keine ethnische Unterdrückung darstellen. Scheint erst mal auch einleuchtend. Dumm jedoch, wenn besagtes Russland ein Kolonialreich ist, das andere Völkerschaften eroberte und unterwarf, um sie in dieses Russland, dass nur den Russen gehört hineinzwang. 

In Deutschland wird dieser Mechanismus der Manipulation andersherum angewendet, zeigt aber, dass die entsprechenden Protagonisten, die sich sogar als Anti-Putin präsentieren, genauso denken wie im Kreml. Der deutsche Michel ist nämlich in der Situation des Kindes aus Dagestan, dem man einen Invasor aufzwingt und ihn selbst als Nazi beschimpft, weil er sich gegen den Eroberer wehrt. Selbst wenn der Invasor zur Tötung von Deutschen aufruft oder der Invasor wortwörtlich von der Eroberung Deutschlands spricht, sind dies keine Hinweise auf völkischen Chauvinismus des Invasors, sondern eine kulturelle Bereicherung. Diese Ansichten kann man so abgeändert zur Situation aus jedem russischen Gericht ableiten. Wo ein Dagestane umgehend als Nationalist, Faschist oder dergleichen abgeurteilt wird, wenn er gegen die russische Fremdherrschaft protestiert, nicht aber den Russen, der sich in Dagestan als Kolonialherr präsentiert. Und nun hoffe ich, dass dem einen oder anderem klar wird, dass er es bei dieser rot-grünen Agenda nicht einfach nur mit Blöden zu tun hat, sondern Gemeingefährlichen, die eine extrem machiavellistische Diabolik entfalten.

Die Experten des russischen Gerichtes erklärten, dass die Sätze, die auf die Tötung des Schulkindes sich beziehen, "zielen in diesem Zusammenhang nicht darauf ab, ethnischen Hass und Feindseligkeit anzuregen oder die Würde einer Person oder einer Gruppe von Personen aufgrund ihrer Nationalität zu demütigen".

Ein Sonderfall des modernen RuSSlands sind psychiatrische Zwangsuntersuchung und das ist eben etwas, dass auch Heiko Maas kopieren will, die rechtlichen Grundlagen wurden kurz vor der letzten Bundestagswahl durchgesetzt. In der UdSSR gab es noch eine tatsächliche Strafpsychiatrie. Unter Chruschtschow, anstelle der Gulags präferiert. Damit wollte man sich im Westen einen humaneren Anblick verschaffen, obwohl das Gulagsystem nie wirklich abgeschafft wurde, gab es in der Sowjetunion statt politischer Gefangener nur noch hilfebedürftige psychisch Kranke. Und dieser Maas zielt nämlich darauf ab, Kritiker ähnlich zu entsorgen. 


Im putinistischen Russland wird auf die Psychiatrie nur noch in Ausnahmen zurückgegriffen, aber es wurden beispielsweise psychiatrische Massenuntersuchungen von Krimtataren aufgezeichnet, um sie als Kollektiv für geisteskrank zu deklarieren, weil sie sich gegen die russische Fremdherrschaft wehren. Sie wurden unter anderem einen Monat lang unter demütigenden Bedingungen im Krankenhaus gefangen gehalten. Eine obligatorische psychiatrische Untersuchung wurde auch im Fall Andrei Shasherin in Barnaul durchgeführt.

Es lohnt sich Experte zu sein


Und es ist rentabel. Sie können viel mehr als Sachverständiger bei Gericht verdienen als mit dem Unterrichten an regionalen Universitäten. Die ungefähren Preise ergeben sich aus der Preisliste des forensischen Labors von Wologda, die die Untersuchung in einfache (8–22 Tausend Rubel), durchschnittliche (25–44 Tausend) und komplexe (52–89 Tausend) unterteilt. 

Im Jahr 2018 gab das Ministerium für territoriale Sicherheit der Region Perm bekannt, einen Experten für "sprachliche, psychologische und sprachliche Forschung und Expertise zur Identifizierung von Aussagen extremistischer und terroristischer Natur" zu suchen. Das regionale Budget machte dafür 2 Millionen Rubel locker - in Höhe eines Stundenlohnes von 1883 Rubel. Dies ist ein sehr guter Tarif, nahezu astronomisch für einen Arbeiter in Russland und  vier- bis fünfmal höher als die Tarife an regionalen Universitäten. Es ist nicht verwunderlich, dass regionale Wissenschaftler eine Vielzahl von „theoretischen“ Arbeiten verfassen, um ihre Eignung für die Teilnahme an solchen Ausschreibungen zu beweisen.

Einige schreiben ganze wissenschaftliche Werke, in denen Extremismus richtig definiert ist, um für ihre Dienste bei Strafverfolgungsbehörden zu werben. Hier haben zum Beispiel Philosophen und Psychologen der staatlichen Haushaltshochschule Nischnewartowsk eine Sammlung von Arbeiten „Gegen die Ideen von Extremismus und Terrorismus im Internet: Interdisziplinäre Analyse“ veröffentlicht. Beim Stöbern darin kommt einem das Grausen und macht die Totalitären, nebst ihrer Gefährlichkeit, deutlich. Auf S. 121 dieser Veröffentlichung enthalten extremistische Aktionen „Aufrufe zur Revolution, Rebellion, Ungehorsam gegenüber der rechtmäßig gewählten Regierung“ und sogar „Aufrufe zur Änderung des Umfangs der Bürgerrechte und -pflichten einer Person“ usw.

Humanitäre Gelehrte


Nachfrage schafft eben Angebot. Doch wenn totalitäre Regime beginnen zu definieren, was Extremismus oder Beleidigung religiöser Gefühle ist, dann werden demokratisch denkende Staatsrechtler eher zum Hindernis und man konzentriert sich auf "humanitäre Gelehrte", also Soziologen und Philosophen oder sonstige nutzlose Quasseldiziplinen von Klugscheißern.


Einige humanitäre Experten haben echte Meisterschaft erreicht - und haben in Dutzenden von Fällen aufmüpfige  Untertanen in die Verliese des Moskalzaren gebracht. Die russische Staatsanwaltschaft ist an der Untersuchung "politischer" Fälle interessiert, in denen sie ihr eigenes, ideologisch unbedenkliches Personal benötigen, das in ihrer Einstellungen zum Staatskult kompatibel ist.

Auf der Krim ist Andrey Nikiforov, außerordentlicher Professor an der Föderalen Universität der Krim, zu einem sehr beliebten Experten geworden, der in Fällen, die vom Zentrum "E" des Zentralrats der Krim initiiert wurden, zahlreiche Expertenprüfungen hat er durchgeführt
. Nach seinen Schlussfolgerungen wurden bereits 9 Aktivisten der Krimtataren verurteilt. Nikiforov selbst, ein Aktivist des sogenannten „russischen Frühlings“ (ein identischer Betrug, wie der arabische Frühling) und ein Agitator für die Annexion der Krim, beschäftigt sich seit Langem mit dem Thema der „russischen Welt“. 

Professor Andrey Nikiforov
Die Ermittler kannten seine faschistoiden Ansichten und zogen ihn zum Beispiel zum Fall gegen den lokalen Anwalt Emil Kurbedinow hinzu, der die Krimtataren verteidigte. Grundsätzlich handelt es sich um die in RuSSland verbotene Organisation Hizb ut-Tahrir. Nikiforov, kein Experte für Heraldik und Embleme, mag Journalisten zwar an der "Tiefe" seiner Expertenanalyse beeindrucken: 

"Mir ist ein wenig bewusst, was Hizb ut-Tahrir ist. Ich habe eine bestimmte Literatur darüber gelesen und mir ihre Emblematik angesehen. Etwas sah nach der Symbolik des Islam aus, also unterscheide ich eins vom anderen. Daher scheine ich qualifiziert genug zu sein, um diese Definition zu treffen. Ich denke, dass jeder, der weiß - weiß und schwarz - schwarz sehen kann, die Embleme auf der Facebook-Seite und auf Websites im Zusammenhang mit den Aktivitäten von Hizb ut-Tahrir sieht, leicht erkennt, dass diese Dinge völlig identisch sind. Alle anderen Fragen betreffen nicht mich, sondern die russische Gesetzgebung.“

So einfach wird man Experte an einem Gericht, aufgrund der Angeklagte Emil Kurbedinow in Haft kam. Es muss einem nur ein wenig bewusst sein, worüber man redet. Schon mal davon gelesen haben und schwarz und weiß erkennen, das ist alles!

Symbolik


In vielen bekannten Fällen beteiligte sich der Psychologe Victor Slobodchikov. Er absolvierte eine Ausbildung als Psychologe an der Korrespondenzabteilung der Staatlichen Universität Leningrad. Bereits 2003 führte er zusammen mit der Psychologin Vera Abramenkowa eine „wissenschaftliche Untersuchung von Halloween“ durch, nach der das Moskauer Bildungsministerium den Schulen empfahl, an diesem Tag keinen Spaß zu haben. Dafür hatte die Volksrepublik China zwei Expertenaufträge an ihn vergeben. Dieser Feiertag führt zu Kinderängsten, Neurosen, psychischen Störungen, Albträumen, dämonischer Obsession, die dann damit abschließt durch den "Psychologen", dass dieser Feiertag das Bewusstsein der Kinder angeblich verwestlicht, dämonisiert und tanatisiert (Huldigung des Totenkults), was mit pathologischen Veränderungen in der Persönlichkeit behaftet sei.

Danach lief es wie am Schnürchen. Slobodchikov entdeckte immer mehr beleidigende Phänomene der Kunst, die orthodoxe Christen beleidigt. 2007 waren religiöse und nationalistische Organisationen empört, über die Ausstellung Verbotene Kunst 2006 im Sacharow-Zentrum. Gegen die Organisatoren Andrei Yerofeyev und Yuri Samodurov wurde ein Strafverfahren eröffnet. Die Untersuchung befahl, dass eine der Sachverständigen Slobodchikov war. Das Bild von Alexander Kosolapov "Werbung von McDonalds", wo Jesus auf dem Hintergrund des Logos "McDonalds" abgebildet ist: 


„Führt zu starken Verschiebungen in der Persönlichkeit psychotraumatischen Betrachtungen bei Gläubigen, die Gefühle der Beeinträchtigung der persönlichen Würde erfahren, verursacht psychische Leiden durch gewaltsames Eindringen der von Exponate ausgeübten Einflusses in den innersten Schichten des individuellen Bewusstseins des Betrachters und aggressiver Manipulation von sehr persönlichen Gefühlen des Publikums“, so entzündet Slobodchikov die Zuhörer. 

"Die Ausstellung ... über die Rechte, legitimen Interessen und die Menschenwürde von Bürgern, die sich zum orthodoxen Christentum bekennen", schrieb er über einen anderes Werk von Kosolapov.

Im Jahr 2015 findet Slobodchikov mit dem Anwalts-Theologen Igor Ponkin in den Werken von Vadim Sidur eine "abfällige Verhöhnung der gläubigen Christen, die Erniedrigung ihrer Menschenwürde und Beleidigung ihrer religiösen Gefühle“

Ein Jahr später entdeckt er Pornografie und Pädophilie in Fotografien von Jock Sturges und der Schwärzung Russlands in einem deutschen Film über den Dopingskandal im heimischen Sport. Dieselben Experten (Slobodchikov, Ponkin, der Kulturwissenschaftler Alexander Evdokimov und der Philologe Yevgeny Nikolsky) nahmen an dem "Prozess gegen die Lästerer" teil, die angeblich die  Tannhäuser-Oper im Nowosibirsker Theater in offensiver Weise für Christen pervertierten. 

Und im Jahr 2017 spielte Slobodchikov (zusammen mit Ponkin, Evdokimov und dem Philologen Vsevolod Troitsky) eine große Rolle im Skandal um den Film „Matilda“. Kaiser Nikolaus II. und seine Frau wurden von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen, was sie zum Gegenstand einer "besonderen religiösen Verehrung" macht, zumal der Kaiser "Beschützer und Hüter der Grundsätze des Glaubens, Hüter der Schönheit und des Anstands" ist. Und im Film wird er als eine Person mit geringen geistigen Fähigkeiten und moralischem Charakter dargestellt. Schlimmer noch, die "leidenschaftliche sinnliche Umarmung" des Kaisers mit Kshesinskaya, "dynamische sexuelle Handlungen" die in einer "akzentuierten erotischen Form"  dargestellt werden.


Diese Expertise ist eine glasklare Probe der sowjetischen Tradition. Es erinnert an die "kritische Analyse" von Stalins Zeiten, nach der der NKWD (später in KGB umbenannt) Schriftsteller und Regisseure einsetzte. Sogar die Beteiligung des Schauspielers Lars Eidinger an der Rolle des „königlichen Passionsträgers“ wird als „raffinierter Spott“ gegen die Gläubigen angesehen. Die Logik hier ist einfach: Schauspieler und die interpretierte Rolle können von den Experten nicht auseinandergehalten werden.

Aus demselben Expertenkreis (Ponkin, Troitsky und Abramenkov) ging die berühmte Pussy-Riot- Prüfung hervor, in der sie sich auf Gesetze des 7. und 14. Jahrhundert bezogen. Eine von Slobodchikovas neuesten Arbeiten auf dem Gebiet der Expertise waren die Entdeckung in einer Komödie, wo er folgendes erkennt: „psychologische Sabotage an der Zerstörung der kulturellen Bedeutungen und traditioneller russischer Werte“, „versteckte Rehabilitierung des Faschismus“, „aggressive Einführung der russischen Jugend in unmoralischen Prinzipien der Interaktion und unmoralischen Lebensstils“. Der Druck der Experten wird stärker und Teil einer Verschwörung zur psychologischen Kriegsführung gegen Russland.

Das Ausmaß der Absurdität bei den Experten ist nicht mehr messbar. Dies hindert die Justiz jedoch nicht daran, sich von Zeit zu Zeit an Experten zu wenden, die mit dem gesunden Menschenverstand auf Kriegsfuß stehen. Unter dem Deckmantel des Fachwissens schreiben diese Leute ideologische Denunziationen, und „Extremismus“ wird zum Vorwurf bei jeder Aussage, die nicht der Regierung gefällt: Eben genau das macht eine Diktatur aus!

Ukrainer säen "Feindseligkeit" und "ein Faschist ist keine Beleidigung"


Die Mobilisierung des sowjetischen Teils, der humanitären Expertengemeinschaft, hilft Strafverfolgungsbeamten, „extremistische“ Fälle zu verfolgen. Yevgeny Tarasov, Leiter der Abteilung für Psycholinguistik am Institut für Linguistik der Russischen Akademie der Wissenschaften, arbeitet ebenfalls aktiv für Strafverfolgungsbehörden und ist der Chefredakteur von Fragen der Psycholinguistik (jetzt 84 Jahre). Es war sein Fachwissen, das im Fall gegen die Moskauer Bibliothek für Ukrainische Literatur auftauchte, die wegen "Anstiftung zu nationalem Hass und Feindschaft" geschlossen wurde. Die meisten wurden zur Untersuchung zu ihm geschickt, um die Bücher in der Form „Hass und Feindseligkeit gegenüber den Russen" zu identifizieren, sowie die Autoren als „Feinde Russlands“ zu klassifizieren, Tarasov erfüllte die Erwartungen, der mehr als 50 Expertisen  ausgegeben hat, für das Innenministerium und dem FSB.

2016 veröffentlichte Putin-Berater und Israelhasser Maxim Shevchenko einen Artikel über das „Echo von Moskau“. „Warum fürchten die Faschisten Molotow?“ Der Vorsitzende des russisch-jüdischen Kongresses, Juri Kanner, war dadurch beleidigt und kritisierte den Text als "religiöse und ethnische Trennung" gegenüber den Juden. Bei der Prüfung dieser Zeilen für Shevchenko schrieb Tarasov, dass die Bezeichnung Kanners durch Shevchenko, als 
„faschistisch“ keine Beleidigung ist, sondern als neutraler Begriff verwendet wird. Shevchenko war der Kremlexperte, mit Hang zum Okkultismus, der im Kaukasus den Einsatz von Musel-Migranten als Waffe testete.

Ein weiterer Fall von Tarasov ist die Anschuldigung von Alexei Kasyan, einem leitenden Forscher am Institut für Linguistik, nationalen Hass und Feindseligkeit anzuregen. Vielleicht könnte der Grund dafür sein, dass Kasyan Publikationen macht, in dem er pseudo-wissenschaftliche Publikationen von gewissen Experten demaskiert. Tarasov fand auch zweifelhafte Anleihen.

Wie Jesus die territoriale Integrität der Russischen Föderation verletzt


Das Zentrum für soziale und kulturelle Fachkenntnisse wurde berühmt für seinen "Sachverstand". Es waren nämlich seine Experten, die Pornografie auf den Fotografien der Tochter des karelischen Historikers Juri Dmitrijew diagnostizierte, nachdem dieser eine scharfe Abrechnung der Gulagpolitik der UdSSR und die Vernichtung der karelischen Urbevölkerung publizierte. Nicht die UdSSR, sondern der Historiker wurden 2011 als extremistisch eingestuft. Insbesondere missfiel der russischen Justiz der Slogan „Töte den Sklaven in dir!“ (Übrigens fast ein Zitat von Tschechow.) Man legte ihm die Verwendung von Material der Nationalbolschewisten zur Last, und empörte sich über die Verwendung des russischen Wappens im Doppeladler mit Bügeln, das zum Rospil-Projekt von Alexey Navalny wurde. (Die nationalbolschewistische Partei wurde in Russland zwar verboten, allerdings muss das auf eine Art Schizophrenie beruhen, der größte Teil der Mitglieder der verbotenen Partei trat in Putins Einiges Russland ein und der Parteigründer Alexander Dugin wurd Kreml-Stratege.) Es stellt sich heraus, dass der Ausdruck über den Sklaven in dir, deshalb Extremismus darstellt, weil es zur Selbstverstümmelung aufruft und das sein Slogan die Öffentlichkeit glauben lässt, dass es in Russland Sklaverei gibt, um im selben Moment darauf hinzuweisen das der Aufruf, die Sklaverei zu bekämpfen, bedeutet, die staatliche Ordnung zu bekämpfen.

Die Experten dieses Zentrums wurden in dem Prozess gegen Pussy Riot eingesetzt, bei der Prüfung der Festnahme der „Torfyanka“ Aktivisten in einem Moskauer Park und schrieben mehr als 50 Expertisen gegen die Zeugen Jehovas, die diese zu Extremisten erklären. Nicht allerdings im Sinne von religiösen Fanatismus, sondern als gefährliche politische Umstürzler. Über die Art dieser Expertise können Sie sich in den Zitaten und aus dem Abschlussbericht, selber informieren. Kurzgefasst, den Zeugen Jehovas wird vorgeworfen, die Verfassung der Russischen Föderation als vom Menschen gemacht und somit fehlerhaft zu betrachten. Da sie glauben, dass am Ende der Welt Jesus Christus erscheint, um sein Reich zu errichten, wird dadurch die territoriale Integrität Russlands bedroht. 

Wie war es möglich, eine solche Absurdität zu erreichen? Dies ist eine rhetorische Frage, da der gesunde Menschenverstand an russischen Gerichten nicht mehr existiert. 

Manchmal geraten Experten in Interessenkonflikte. 2016 wurde in Jekaterinburg Ruslan Sokolovsky vor Gericht gestellt, der Pokemon in einer Kirche spielte und ein Video online stellte, wie er es tat. Er wurde angeklagt wegen Aufstachelung zum Hass gegen Christentum und Islam. Expertin hierbei war Julia Tagiltsewa: 
„Die präsentierten Videos zu studieren schaffen ein Gefühl der Erniedrigung unter den Gläubigen an die sie gerichtet sind...“ 
Sokolovsky Verteidiger (Alex Bushmakow) warf der Expertin einen Interessenkonflikt vor. Denn sie ist einen Philologin, die sich religiösen Studien beschäftigt. Ein Hinweis auf einen Interessenkonflikt half jedoch nicht - in der Folge wurde Sokolovsky in das Register der Extremisten eingetragen, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und seine Bankkonten geplündert.


Die Aufgabe eines Experten


Eigentlich sollten Experten keine rechtlichen Fragen beantworten. Also zum Beispiel, ob jemand andere zur Gewalt aufruft oder Extremismus vorliegt - diese Fragen sollten vom Gericht beantwortet werden. In Wirklichkeit verlagern Richter und Ermittler die Verantwortung auf Experten, um die Expertenmeinung als Entschuldigung für das von ihnen gefällte verbrecherische Urteil zu benutzen. 

Eine Expertise wird auch keine besondere Wertigkeit zugeordnet, die sogar andere Formen von Beweisen annulliert. Das sind nur die bizarren Vorstellungen von Bolschewisten, die krampfhaft versuchen sich als westliche Liberale zu tarnen, ohne jemals Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit verstanden zu haben. (Nicht das sie das überhaupt wollen.)

Es würde festgestellt, dass die russischen Richter sehr oft zugunsten des Gutachters urteilen, der von der Staatsanwaltschaft gerufen wird, und die Expertisen der Verteidigung werden nicht berücksichtigt. Die Richter gestatten der Verteidigung nicht, die Experten der Anklage  zu befragen, um die Expertise infrage zu stellen.

Die Richter sind selten anderer Meinung als die Anklage, und dies geschieht hauptsächlich in Fällen der Beleidigung des Staatskultes. Zum Beispiel wurde der Lipezker Regionalrat von seinem Stellvertreter Oleg Khomutinnikow beleidigt, der in einer lokalen Ausgabe mit scharfer Kritik am lokalen Parlament sprach. Ein Sachverständiger, der im Auftrag des Regionalrates tätig war, stimmte ihm zu. Der Leiter der Abteilung für russische Sprache und Literatur der örtlichen pädagogischen Universität, E. Popova, schrieb, der Abgeordnete habe das Regionalparlament diffamiert und seine Ehre und Würde gedemütigt.


Die Richterin Lyudmila Goncharowa reagierte unerwartet: Unter Verweis auf mehrere Präzedenzfälle und die Europäische Erklärung zur Freiheit der politischen Diskussion in den Medien, wies sie darauf hin, dass der Umfang akzeptabler Kritik für Beamte breiter sei als für Einzelpersonen. Beamte sollten nicht mit strafrechtlicher Verfolgung auf Kritik reagieren, sondern können mit Khomutinnikow in den Medien streiten. Khomutinnikow erläuterte seine persönliche Meinung und Einschätzung, aber die Expertin bemerkte dies nicht, entschied Goncharowa, und so lehnte sie eine Klage beim Regionalrat ab. Wenn aber das neue Gesetz zum Respekt für Abgeordnete und Beamte zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits in Kraft getreten, dann hätte die Richterin völlig anders entscheiden müssen.

Oft tauchen Experten auf, wenn bereits administrative Maßnahmen gegen den Angeklagten ergriffen wurden, die Situation also nicht mehr neutral ist. Beispielsweise wurde die sprachliche Prüfung der Texte von Rapper Husky noch nicht durchgeführt, da lagen ihm bereits 3 Verwaltungsklagen, eine Verhaftung für 4 Tage und ein Verbot von Konzerten vor. In einer ähnlichen Situation sind die Gruppen IC3PEAK und Frendzon.

Experten in Uniform


Unabhängig davon, wie exakt die von Experten durchgeführte Expertise für die Gerichtsverhandlung ist, ist die Expertise der eigenen Bediensteten noch bequemer. Daher legte Wladimir Putin im März 2019 der Staatsduma einen Gesetzesentwurf vor, der es dem Untersuchungsausschuss ermöglichte, Prüfungen (einschließlich sprachlicher) unabhängig durchzuführen.

Warum Wissenschaftler in Gerichtsverfahren einbeziehen, wenn alles innerhalb der „Vertikalen der Macht“ getan werden kann? Staatliche Experten sind per Definition an Überzeugungen interessiert, mit denen es definitiv keine Probleme mit der Regierung geben wird. Tatsächlich kann in diesem Fall auf die Prüfung insgesamt verzichtet werden: Was der Prüfer benötigt, schreibt dann der Sachverständige vor. Nun, nach neuem Standard fallen die Urteile nur noch in 0,2 % zugunsten des Beklagten aus, so funktioniert Justiz auf russisch.

Prüfungen an staatlichen Stellen sind in Russland keine Seltenheit. "Warum sind wir schlechter als das Justizministerium?" - so argumentierten sie wahrscheinlich. 


Das Justizministerium verfügt über regionale forensische Laboratorien (FEL). Hierbei handelt es sich um staatlich finanzierte Bundeshaushaltsinstitutionen, die vom Gericht, den Ermittlungsbehörden und Einzelpersonen in Auftrag gegebene Sachverständigenprüfungen durchführen (für staatliche Stellen kostenfrei). Kann staatliches Fachwissen bei Streitigkeiten, bei denen der Staat eine der Parteien ist, objektiv sein? Dies ist eine rhetorische Frage. 

Mittlerweile ist das FEL-System des Justizministeriums regelmäßig in solche Auseinandersetzungen verwickelt. Beispielsweise entschied das Bezirksgericht Pervorechenskiy, in Wladiwostok, im September 2018 im Sinne der Staatsanwaltschaft des Primorsky Territory bezüglich extremistischer Lieder der Band "BASH'ka". Ihre psychologische und sprachliche Expertise wurde vom Maritime FEL des Justizministeriums erbracht. Sie entschied, dass die Lieder die Menschenwürde angreifen und Feindseligkeit gegenüber den Völkern des Kaukasus und Zentralasiens sowie den Polizeibeamten erregen.

Und doch ist die Prüfung im Justizministerium besser als die Prüfung durch außenstehende Experten. Im Allgemeinen verbietet die russische Strafprozessordnung die Prüfung der Eignung von Sachverständigen durch andere Sachverständige, die von einer der Parteien des Falls abhängig sind.

Vielleicht liegt der Wunsch des Justizministeriums, sein Fachwissen zu erweitern, an der Zahl der Fälle gegen Ärzte, die in letzter Zeit zugenommen haben. Im medienwirksamsten Fall, Elena Misyurina, gab es große Probleme mit der Sachkenntnis (die detaillierteste Darstellung der Ergebnisse einer forensischen Untersuchung finden Sie hier). Aber die Öffentlichkeit hat nicht die Möglichkeit, für jeden Arzt unter einer Strafverfolgungsbehörde so energisch einzugreifen, wie für Misyurinu. Eine forensische ärztliche Untersuchung wird von Personen durchgeführt, die im Gesundheitswesen arbeiten, und sie sind laut Gesetz solidarisch mit ihren Kollegen. Um den Fall von Fehlern der Ärzte in den Hintergrund zu rücken, benötigt der Überwachungsausschuss daher eigenes Fachwissen.

Wenn ein Experte dem System widerspricht


Es gibt Experten, die den Mut haben, mit der Staatsanwaltschaft nicht einverstanden zu sein. Der Staat wendet gegen einige von ihnen repressive Maßnahmen an.

Im Januar 2016 erkannte das Oktjabrski-Bezirksgericht von Nowosibirsk das extremistische Bild von Wassili Loschkin „Das große schöne Russland“ als extremistisch an. Der Besitzer des Gemäldes legte gegen diese Entscheidung Berufung ein, der Sachverständige trat für das Bild ein. Die Prüfung wurde von einem Gericht angeordnet, durchgeführt  von einem Lehrer der Nowosibirsker Staatlichen Pädagogischen Universität. Sie hatten die Intention des Künstlers hinreichend verstanden: Das Bild repräsentiert ein verallgemeinertes und übertriebenes Bild der Welt, unter dem Gesichtspunkt eines stereotypen Bewusstseins, das mit Fremdenfeindlichkeit infiziert ist; es soll nicht zum Hass anregen.


Experten ließen sich auch die Grundlagen der Theorie der Kunst von den Anwälten lehren, ein Produkt funktioniert nicht als Aufruf zum Handeln, sondern ist das Ergebnis der Wahrnehmung. Tragischen Ereignisse im Zusammenhang mit einem Produkt, wie zum Beispiel, die Ermordung eines Wucherers durch einen Studenten, nach der Lektüre von Dostojewskis Roman, belegen die absolute Unfähigkeit des Subjekts, kulturelle Phänomene zu verstehen. Und das ist die Regel um all diese Zensur vernarrten und dauerempörten Politiker und Beamte, mit ihrem Geltungsdrang und einfordernden Respekt richtig einzuordnen. Respekt kann man eben nicht verlangen, sondern muss ihn sich verdienen!

Die Staatsanwaltschaft beharrte in dieser Angelegenheit, dass es sich dennoch um Extremismus handelt und versuchte, neue Sachverständige als Zeugen aufzuführen, verlangte eine erneute Überprüfung, verlor jedoch. 

Das FSB provozierte auch einen Widerspruch in der Untersuchung, zu der Untersuchung im Fall der "Neuen Größe", der auf dem Zeugnis des Klägers beruht. Die erste sprachliche Kompetenz, die in Kaluga Untersuchungszentrums für Expertise und Kriminalistik auf Auftrag von „E“ Zentrum, gemacht wurde gab es demzufolge: „Zeichen der Propaganda und Ideologie der Gewalt“.

Die zweite Expertise wurde vom Moskauer Forschungszentrum durchgeführt. Die Psychologin Maria Gengen und die Sprachwissenschaftlerin Maria Kuznetsovskaya hatten die Wünsche des FSB nicht befriedigt, diese wiesen daraufhin, es gäbe eine negative Bewertung bezüglich Putin und Medwedew, in der Charta der Gruppe, sie enthält Kritik an den Behörden und keine Aufrufe zu Gewalt oder Diskriminierung - nein; die Charta der Neuen Größe schließt gewalttätige Handlungen zwar nicht aus, fordert sie aber auch nicht. Das Gericht verheimlichte dieses Dokument bis Dezember 2018, da es unmöglich war, darauf einen Vorwurf zu erheben. Das Gericht beantragte eine dritte Prüfung - bei der FBU "Bundeszentrale für forensische Untersuchungen" im Justizministerium. Sein Fazit entsprach fast dem der MIC-Untersuchung: Es gibt eine negative Haltung gegenüber den Behörden, Gewalt ist nicht ausgeschlossen, aber es gibt keine Forderungen nach Gewalt und Diskriminierung.

Je stärker die Gesellschaft und das Gericht 
ideologisiert ist, desto unerträglicher wird die Regierung jene Sachverständige empfinden, die Positionen vertreten, die für das Strafverfolgungssystem unpraktisch sind. Um unerwünschte Experten zu beeinflussen, verfügt der Staat über das breiteste Arsenal an Einflussmethoden. Im Jahr 2018 verlor ein bemerkenswerter Anthropologe Alexander Panchenko seinen Job an der St. Petersburg Staatlichen Universität. Dies war ein Echo der sich verschärfenden Verfolgung religiöser Minderheiten in Russland: Panchenko untersucht Pfingstler, und in einem der Fälle führte er eine Untersuchung durch, um die Schlussfolgerungen der Anklage zu verwerfen. Es besteht kein Zweifel, dass es in den kommenden Jahren mehr solche Geschichten geben wird.

Die Geheimdienste zielen darauf ab, Menschen zu finden und zu identifizieren, die "nicht die richtige Meinung" haben - was bedeutet, dass sie bei bedarf umgehend ausgeschaltet werden können. Egal auf welche Weise, dass Töten wird weitgehend vermieden, das ist das neue Verständnis der alten sowjetischen Apparatschiks vom Demokratisierungsprozess oder Liberal sein. Zuerst wird man die Möglichkeiten des lächerlich machen wählen und das Einschüchtern durch Polizei und Justiz, oder privaten Schlägern, wie es die SPD in Deutschland mit der Antifa tut, bzw. die bolschewistischen "Sondertruppen" der SPD-Nord, deren Existenz zwar mit Sicherheit dem Staatsschutz bekannt sein dürften, aber ignoriert werden und sich aus der bolschewistischen Jugend rekrutieren und für Einsätze in Polen und Deutschland genutzt werden. In Polen als Terrorgruppe (speziell zum Korridor Danzig-Königsberg), in Deutschland vor allem um Kritiker zum Schweigen zubringen. 
Was nicht bedeutet, dass man Leute mit der falschen Meinung nicht wirklich verschwinden lassen würde, wenn es unbedingt nötig ist.

Die Industrie des Kampfes gegen Extremismus (oder gegen Rechts) ist in erster Linie der Kampfbegriff der Salonmarxisten im Kampf gegen freies Denken und gewinnt an Dynamik, je mehr sie die Reaktion spüren. Versuche der Geisteswissenschaften, insbesondere die Zunft der Quasselwissenschaften, hat ein offenbar immenses Interesse der Macht zu dienen, statt Prinzipien und Überzeugungen. Selbstverständlich geht es dabei vor allem um Geld und Karriereförderung, was freilich gegen moralische Werte und Charakter eingetauscht wird.

Einmal hört man, wie sie den Extremismus im Khanty-Mansiysk-Okrug bekämpfen, und dann, wie in Tuva. Es ist wie ein Rausch bei denen, hauptsächlich zur Selbstbeweihräucherung. Konferenzen finden dazu statt, an denen Dutzende Wissenschaftler beteiligt sind. Daran beteiligen sich neben Anwälten, Linguisten und Psychologen auch Richter, Vertreter des Justizministeriums, des Innenministeriums und des FSB-Geheimdienstes. Es werden Thesen zu "anti-extremistischen" Themen verteidigt, "wissenschaftliche Artikel" und sogar Diplome verfasst. 

Die teilweise Entschärfung von Artikel 282 des Strafgesetzbuchs verhindert nicht alle dies, sondern lenkt ihre Tätigkeit nur in eine neue Richtung: Es gibt immer noch viele Artikel (einschließlich „Anstiftung zu Hass oder Feindseligkeit“), nach denen Personen für das verurteilt werden können, was sie gesagt oder geschrieben haben. Die Geheimdienste haben möglicherweise eine Armee von Wissenschaftlern mobilisiert, die bei der Fälschung von Strafsachen helfen werden, sobald die Genehmigung erteilt wird. Schließlich ist es einfach und bequem, den Staat beim Bürger mobben zu fördern - er wird dafür gut bezahlt, und bei Prüfungen kann man jeden Unsinn schreiben, ohne Angst davor zu haben, für eine Lüge überführt zu werden, denn sie wissen, dass dies nicht geschehen wird.




Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!

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