Samstag, 25. Mai 2019

RuSSland bringt Militärexperten in den Kongo, trotz Problemen in der Rüstungsindustrie

Der Kreml hat die Absicht Militärspezialisten in die Republik Kongo zu entsenden, um die Wartung und Ausbildung im Umgang mit russischer Ausrüstung, einschließlich Hubschraubern, Raketenartillerie und gepanzerten Fahrzeugen, durchzuführen. Wieder mit dabei auch Söldner der Wagner-Group.

Die Entscheidung Moskaus ist die jüngste in einer Reihe russischer Militäreinsätze auf dem afrikanischen Kontinent, da die militärische Zusammenarbeit unter anderem mit der Zentralafrikanischen Republik, Südafrika, dem Sudan und Simbabwe bereits ausgeweitet wurde. Russland unternimmt Anstrengungen, um die Sicherheitsbeziehungen zu antiwestlichen Regimen oder klassischen roten Diktaturen zu stärken, um seine Rüstungsgüter zu verhökern und so an Devisen zu gelangen, und seine Hebelwirkung gegenüber den Vereinigten Staaten zu verstärken.

Russland hat seit der Annexion der Krim Anfang 2014 über 20 militärische Kooperationsabkommen mit afrikanischen Nationen unterzeichnet. Es ist bekannt, dass die sudanesische Regierung IS-Ausbildungslager unterstützte und sich gegenwärtig der Islamische Staat in Afrika reorganisiert, nachdem er in seinem Ursprungsgebiet weitgehend vernichtet ist. Man sollte deswegen aufmerksam vor allem auf Zentralafrikanische Republik und Nigeria (Boko Haram) achten, wie werden auch dort auf agierende Kremtrolle treffen.


Zusammenbruch der Rüstungsexporte


Der Kreml hat sich in den vergangenen Jahren bemüht, alle Bereiche des russischen Militärs zu modernisieren, wobei man die hilfe westliche Regierungen hatte. In erster Linie ist da natürlich Deutschland seit Gerhard Schröder und Joschka Fischer, Frankreichs Nicolas Sarkozy, sowie die Clinton und Obama Regierungen zu nennen. Die modernen Waffen der russischen Armee sind oftmals nur Variationen westlicher Systeme.


Aber die Verteidigungsindustrie des Landes leidet unter sinkenden Auftragsvolumen, was vor allem an der schlechten Qualität liegt, da Militärspionage eben nicht alles ist, man braucht auch hochqualifizierter Fachkräfte, denen ist Russland allerdings zu unattraktiv. Das andere Problem Russlands sind die Einschränkungen seiner technologischen Fähigkeiten. Jüngsten Zahlen zufolge ist die Leistung des russischen Luft- und Raumfahrtsektors stark rückläufig. So produzierten die russischen Flugzeug- und Raumfahrzeughersteller 2018 13,5 Prozent weniger als 2017. Auch 2019 gab es einen Rückgang: In den ersten beiden Monaten des Jahres sank die Luft- und Raumfahrtproduktion gegenüber dem Vorjahr um 48 Prozent. Innerhalb von zwei Jahren ein Einbruch um 61,5 %.

Der Rückgang der russischen Verteidigungsproduktion wirft Bedenken hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der russischen Verteidigungsindustrie im Allgemeinen auf, deren Gesundheit als Devisenbringer von entscheidender Bedeutung ist, und wenn das Land nicht nur das Placebo einer Weltmacht sein will. Der stellvertretende russische Ministerpräsident Juri Borissow führte den Rückgang der Produktion auf eine Verlangsamung der Bestellungen für militärische Systeme zurück, doch ist das lediglich eine niedliche Umschreibung für rückläufige Auftragszahlen. 
Es wird sogar erwartet, dass es in Zukunft noch schlimmer wird. Der Ölpreisverfall hat Russlands Gewinn gebremst und die Militärausgaben unter Druck gesetzt - zu einer Zeit, in der die Waffenhersteller des Landes ihren Wettbewerbsvorteil auf dem globalen Waffenmarkt eingebüßt haben. Zusammen sorgen diese Faktoren dafür, dass die russische Rüstungsindustrie Probleme haben wird, aus ihrem Loch herauszukommen. 

Es fehlt an Geld


Dieses für den Kreml entsetzliche Bild steht in krassem Gegensatz zu Russlands häufiger Präsentation sensationeller neuer Waffensysteme, die ohnehin meist nur als Zeichentrickfilme existieren, aber der Welt vorhandene Darth Vader Kapazitäten vortäuschen sollen. 
In der Realität finden sich nur einige wenige Waffensysteme - wie der T-14-Kampfpanzer oder das Kampfflugzeug Su-57 - tatsächlich Abnehmer, während der Rest eben gar nicht verkauft werden kann, weil es nicht existiert. Russland hat aufgrund seiner strategischen Relevanz für die militärische Gesamthaltung einige Geräte wie die Interkontinentalrakete Sarmat priorisiert, aber Moskau hat andere Programme nicht vollständig entwickelt oder nur in begrenztem Umfang eingeführt.


Unter dem Druck eines begrenzten Staatshaushalts hat der Kreml 2017 sogar begonnen, seine Militärausgaben zu senken - ein starker Indikator dafür, dass die finanziellen Herausforderungen Russlands trotz des Modernisierungsschubs die Ambitionen des Landes in Mitleidenschaft ziehen. In wirtschaftlicher Hinsicht wirkte sich der Ölpreisverfall Ende 2014 nachteilig auf das Ergebnis Russlands aus, da dem Land wesentliche Einnahmen entzogen wurden und es gezwungen war, in seine Reserven zu greifen, um die Lücke zu schließen. Heute, mehr als vier Jahre später, steigen die russischen Öleinnahmen, doch das Land ist weiterhin mit den Folgen der mageren Jahre konfrontiert. Darüber hinaus haben zurückgehende Steuereinnahmen (was in der Verarmung der Bevölkerung begründet ist) und eine flächendeckende Beamten-Korruption, die Russland zu Steuererhöhungen und zum Anhebung des Rentenalters gezwungen haben (sprich: steigende Ausbeutung), sowie westliche Sanktionen gegen Moskaus Aktivitäten in der Ukraine und anderswo den Finanzpool für Militärplaner verkleinert.

Aber die Probleme des Kremls enden nicht dort. Russland hat in der Vergangenheit von seiner Position als weltweit führender Waffenexporteur profitiert, um die weitere militärische Entwicklung voranzutreiben. In den neunziger Jahren beispielsweise waren solche Verkäufe für das Land von entscheidender Bedeutung, da es mit schweren wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert war. Während Russland auf den zweiten Platz zurückfiel (nur die USA verkaufen mehr), ist der tatsächliche Wert dieser Exporte erheblich gesunken. Ihr Gesamtwert ist zwischen 2014 und 2018 sogar um 17 Prozent eingebrochen. In der Vergangenheit nutzte Russland Waffenexporte häufig als politisches Instrument und bot Waffen mit einem hohen Preisnachlass an, wenn nicht sogar völlig kostenlos. Da Russland aber kaum nennenswerte andere Industrie hat, schon gar keine Innovativen Industrien, liegt es auf der Hand, dass das Verschenken von Waffen Kosten beim Kreml verursacht, die dann vom russischen Volk als Steuerzahler bezahlt werden müssen und dies eigentlich nur, weil Wladimir Putin nichts von Ökonomie versteht.

Und Russlands Rüstungsindustrie steht in den kommenden Jahren vor einem noch größeren Problem: der verringerten Wettbewerbsfähigkeit. Russland hat lange Zeit einen Teil des Marktes dominiert, indem es erschwingliche militärische Ausrüstung anbot, ohne sich um die Menschenrechte zu kümmern, aber der Aufstieg der chinesischen Militärindustrie sowie mehrerer kleinerer Hersteller auf der ganzen Welt hat es viel schwieriger gemacht, um Verträge zu bekommen.

Letztendlich verkompliziert der Verlust von Exportmöglichkeiten nicht nur die Bemühungen Russlands, seine Verteidigungsindustrie zu finanzieren, sondern verringert auch den Umfang, in dem die Verteidigungsindustrie produziert, was wiederum die skalenabhängigen Einsparungen verringert, die mit höheren Produktionsmengen einhergehen. Tatsächlich bedeutet dies, dass Russland umso mehr mit höheren relativen Kosten pro Einheit belastet wird, je mehr es versucht, seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, je weniger ausländische Kunden für bestimmte Waffensysteme gefunden werden. Das Rätsel wiederum wird die Fähigkeit Russlands, Waffensysteme für den Export wettbewerbsfähig zu machen, weiter einschränken und den Effekt aufrechterhalten. 

➽ Zur Vertiefung des Themas russische Rüstungsindustrie, siehe auch: Jenseits von Radio Eriwan - Der Fluch des russischen Militärs: Bankrott und Versagen

So hat beispielsweise der Rückzug Indiens aus der gemeinsamen Entwicklung und Produktion des Kampfflugzeugs Su-57 im vergangenen Jahr die Fähigkeit Russlands in Frage gestellt, das Programm sinnvoll oder zu vertretbaren Kosten aufrechtzuerhalten. Lieferungen von russischen Kampfflugzeugen die zu 100 % versagen, haben die Entscheidung Indiens sicherlich gefördert. Russische Raketen und Flugzeuge haben ein wachsendes Problem damit von der Erde abzuheben. Was man auch in Venezuela bereits feststellte.

Infolgedessen hat Russland - wenn auch bislang erfolglos - versucht, die Su-57 in größerem Umfang zu exportieren, um eine Partnerschaft zu finden, die das Flugzeug rentabel machen würde. 

Die Suche nach Lösungen


Russland hat dementsprechend andere Lösungen erwogen, um seinen Verteidigungssektor zu schützen und seine industrielle Gesamtleistung zu verbessern. Eine mögliche Abhilfe betrifft die sektorübergreifende Lastenteilung. Dabei will das Land die Stärken der Verteidigungsindustrie für die zivile Produktion nutzen, ähnlich wie westliche Unternehmen wie Boeing oder Airbus. Durch die Herstellung von nichtmilitärischen Produkten für inländische und ausländische zivile Märkte könnten sich russische Verteidigungshersteller selbst dann behaupten, wenn ihre militärischen Güter weniger Einnahmen erzielen.

Die Chancen dafür, dass solch ein Schachzug gelingt, stehen allerdings (glücklicherweise) gering. Obwohl Moskau im Zuge der US-Sanktionen ein Importsubstitutionsprogramm forciert hat, bevorzugen russische Firmen weiterhin ausländische anstelle einheimischer Komponenten. Was auch daran liegt, dass die Komponenten (wenn überhaupt) lange Wartezeiten erfordern. Im Jahr 2018 kauften 38 Prozent der russischen Industrieunternehmen Geräte aus dem Ausland. Zwei Jahre zuvor waren es nur 6 Prozent. Wenn russische Rüstungsproduzenten zu Hause keinen Absatz für Verteidigungszwecke finden (was nur das russische Militär sein kann), ist es letztendlich unwahrscheinlich, dass sie für ihre Waren einen zivilen Binnenmarkt finden. 

Russland Politik entwickelt große Ambitionen. Budgetbeschränkungen, mehr Wettbewerb von außen und andere Probleme bedeuten jedoch, dass viele der auffälligsten Projekte der Armee niemals den Ausstellungsraum verlassen. Und in Zukunft wird sich die Lage der russischen Verteidigungsindustrie wahrscheinlich nicht verbessern, da sie sich einem Teufelskreis gegenübersieht, der alles nur schlimmer macht.



Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!

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