Dienstag, 12. März 2019

Leserbrief: Warum hielten die Sozialrevolutionäre zu den Monarchisten?

"Ist es nicht widersprüchlich, wenn die eigentlich linken Sozialrevolutionäre sich lieber mit den Monarchisten gegen die Bolschewisten verbündeten, obwohl sie die Monarchisten früher bekämpften?"

Eigentlich nicht. Von allen diesen Linksradikalen waren/sind Sozialrevolutionäre und Anarcho-Kommunisten die ehrlichsten bezüglich ihrer Überzeugung. Allerdings eben auch die intelligenteren linken Intellektuellen. Bei der Beurteilung heutiger Gesellen muss man immer vorsichtig sein, insbesondere in Deutschland, wenn sich hier jemand selbst als Sozialrevolutionär bezeichnet, denn Deutschland ist ein Land in dem Politiker klar definierten Marxismus schwatzen und dennoch als Konservative bezeichnet werden.

Tatsächlich waren die Sozialrevolutionäre mit die größte Bedrohung für das Zarenreich, indem Marxisten keine Rolle spielten. Bzw. nicht die die sie als Systemalternative behaupten. Die Bewegung hatte ein Konzept bezüglich des Vaterlandes und strebte nicht die gesellschaftliche Umwandlung an, sondern Beseitigung der Totalitären. Wobei sie auch eine konstitutionelle Monarchie akzeptierten.

Anfang des 20. Jahrhunderts konnte man bereits merken, dass die Ursprünge von marxistischen Keimzellen sich immer in von der Gesellschaft geächteten Randgruppen sexuell Pervertierter formieren, meist Pädophile und Nekrophile. Auch wieder etwas, das sie mit den Nazi gemein haben. So was widerte die Sozialrevolutionäre an, die sich aus verschiedenen Gruppen der Narodniki (Volksfreunde) gebildet hatten.

Die Sozialrevolutionäre hatten eine völlig andere Mentalität als Marxisten. Erster großer Widerspruch: An der Spitze ihrer Bewegung standen Intellektuelle, die ihre akademische Ausbildung tatsächlich zum Abschluss brachten. Dahingegen verwiesen die Marxisten-Leninisten auf Marx und Lenin, die beide mit ihrem Jurastudium scheiterten. Während Marx dann an der Universität Jena seinen Titel als Doktor der Philosophie kaufte, nannte sich Lenin ohne Abschluss einfach Rechtsanwalt. Noch besonderer war, dass Marxisten-Leninisten einfach nur Dummschwätzer sind. Sowohl Marx als auch Lenin führten ein parasitäres Leben und versuchten das Proletariat lediglich dahingehend zu bereden, es ihnen zu finanzieren. Die Intellektuellen der Sozialrevolutionäre hingegen legten ihr akademisches Leben ab und zogen in die Fabriken oder auf das Land, um dort wie Arbeiter und Bauern zu leben.

Doch die Sozialrevolutionäre durchschauten sehr schnell, dass die Marxisten widersprüchlich sind. Man schaue sich nur einmal an, wie viele marxistische Ikonen als Philosoph bezeichnet werden. Allen voran Karl Marx, beim Philosophiestudium spielt Marx in Wahrheit gar keine Rolle. Lenin wird wegen seiner Schreiberei als Philosoph bezeichnet, dabei hat der nichts anderes getan als Karl Marx zu verarbeiten und der hatte wie gesagt seinen Titel als Doktor der Philosophie gekauft und nicht studiert. Aber Voltaires Spruch: "Ein Philosoph zwei Pädophile", passt dennoch. Tatsächlich hat die marxistische Intellektualität nie einen Beitrag zur Entwicklung des Marxismus geleistet, sie haben nie was anderes getan als Marx zu übersetzen und Teilaspekte zu erklären. Dort, wo der Marxismus dann einmal zur Staatsideologie erhoben wurde, ist es ein typisches Merkmal, dass die Entwicklung marxistischer Theorie oder Philosophie stagnierte.

Doch der Marxismus spricht eben auch von der Revolution, andererseits heißt es bei Marx, dass die Zustände zum Niedergang des Kapitalismus und Übernahme des Kommunismus von allein eintreten. Wozu dann aber die Revolution?

Marxisten sprechen wie die Sozialrevolutionäre vom  Syndikalismus doch meinen die Revolutionäre damit, dass ein Arbeiter einen Anteil an der Fabrik hat, im Sinne eines Miteigentümers, dahingegen meint der Marxist damit Staatsbesitz. Hier sprechen wir dann von Privatbesitz versus Staatsbesitz. Dies bringt uns zu einem anderen Widerspruch, der Marxismus warnt vor dem Monopole bildenden Kapitalismus, die dann die Ausbeutung des Proletariats zementieren. Um das Proletariat davor zu retten will der Marxist jedoch ein einziges und alles kontrollierendes Staatsmonopol erschaffen. Abgesehen davon kann nur ein Staat die sozialen Bedingungen gleich machen, wenn er totalitäre Macht hat.

Die Szene der revolutionären Linken in Europa wurden sehr von einem französischen Sozialisten beeinflusst, der heute recht unbekannt ist, obwohl wir mit seiner Ideologie nahezu tagtäglich zutun haben: George Sorel. Die Hauptzeit seines schriftstellerischen Wirkens lag zwischen 1890 bis 1910 und beeinflusste Lenin und Mussolini. Allerdings auch die französischen Monarchisten: Action Française. Alfred Rosenberg behauptet in seinem Buch Der Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts, dass Sorel auch Hitler beeinflusste. Sorel lehnte die westliche Demokratie und Liberalismus ab, die Sozialrevolutionäre hingegen nicht. Sorel stoßen wir dann wieder auf die bei diesen sozialistischen "Alternativen" so typische hegelanische Metaphysik, wie eben auch Martin Heidegger (Naziphilosoph/Frankfurter Schule). Nur war Hegel eben ein ultra Monarchist gewesen. Der frühe Sorel lehnt den Staatskult ab, was um die Jahrhundertwende dann etwas änderte. Georges Sorel in Über die Gewalt:
„Die Erfahrung hat uns bis heute noch immer bewiesen, dass unsere Revolutionäre, sobald sie nur zur Macht gelangt sind, sich auf die Staatsräson berufen, dass sie dann Polizeimethoden gebrauchen und die Gerichtsbarkeit als eine Waffe ansehen, die sie gegen ihre Feinde missbrauchen können. Die parlamentarischen Sozialisten entziehen sich dieser allgemeinen Regel durchaus nicht; sie halten an dem alten Staatskultus fest; sie sind daher wohlvorbereitet, alle Missetaten des Ancien Régime zu begehen.“

Durch die Gründung der marxistischen Schule École Normale Supérieure in Paris, stark beeinflusst durch den Vater des französischen Marxismus, Lucien Herr, kam es zu einem Synkretismus zwischen Marxismus und Sorel. Die Schule inspirierte zur Gründung anderer Schulen in Frankreich, die sich alle am Pariser Vorbild orientierten und das Modell gelangte nach Großbritannien durch die Fabiane (London School of Economics), die später die Labour Partei und zusammen mit Moskau die Frankfurter Schule gründeten. Dieser französische Marxismus wurde schließlich zum Einfluss von Monarchismus, Linksfaschismus, als auch Rechtsfaschismus selbst, wenn man den Namen Karl Marx vermeiden konnte. Auch viele der nationalsozialistischen Intellektuellen studierten an solchen Schulen.

Heutzutage wird konsequent ignoriert, dass bereits im Zarenreich an den Universitäten die Marxisten unterrichteten und der Staat das so duldete. Diese Systemmarxisten bezeichnete man als legale Marxisten und arbeiteten für die zaristische Geheimpolizei, die Ochrana. Das lag am mit der Monarchie kompatiblen absolutistischen Denken der marxistischen Lehre. Und dürfte wohl erklären, warum so viele Adlige sich in marxistischen Bewegungen organisieren, bzw., warum sozialistische Diktaturen einen Monarchie ähnlichen Charakter annehmen.

Die Sozialrevolutionäre hingegen wollten keine absolutistische Monarchie, wohingegen die Ochrana ihre Marxisten ganz gut unter Kontrolle hatte. Der Ochrana gelang es, die Partei der Sozialrevolutionäre zu spalten und zu schwächen. Man vergleiche das diese 1906 nur noch 42 000 Mitglieder hatte und damit lediglich halb so stark war, wie die Marxisten der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), bei der Lenin nur eine Randerscheinung und ansonsten durch legale Marxisten infiltriert war, sodass die Ochrana mehr Aufmerksamkeit auf die Sozialrevolutionäre legte. Doch auch die konnten sich vor der Ochrana nicht sicher sein, wie sich 1908 zeigte, als der Leiter ihrer eigenen Kampforganisation, Jewno Asef als Spitzel der Geheimpolizei entlarvt wurde. Immerhin zeigte sich, dass die Ochrana von mehreren Attentaten (Innenminister Sipjagin und von Plehwe, Großfürsten Sergei Romanow) gewusst hatte und diese nicht verhinderte.

Warum die Sozialrevolutionäre dann mit den Monarchisten gemeinsam die Bolschewisten bekämpfte, liegt an ihrem Bezug zum Vaterland. Die Anhänger Lenins waren zwar keine legalen Marxisten (Systemmarxisten), doch die nicht legalen Marxisten waren entweder nützliche Idioten oder arbeiteten für ausländische Geheimdienste. Lenin war vom Oberkommando des deutschen Heeres angeheuert und im Kaukasus wurden die Kommunisten vom britischen Agenten David Urquhart aufgebaut, der auch schon Karl Marx in dessen Londoner Exil anstellte. Da die Sozialrevolutionäre nun sich als Patrioten verstanden, sahen sie in den Anhänger Lenins ganz einfach Agenten einer ausländischen Macht. Abgesehen davon lehnten sie die Diktatur des Proletariats ab.


Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!

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