Eine kleine Hilfe zum Erkennen und Ausstieg aus der sozialistischen Matrix.

Donnerstag, 7. März 2019

Leserbrief: Billy Six und die Ausweisung des deutschen Botschafters aus Venezuela

"Ich habe vergeblich versucht, hier im Blog etwas über Billy Six zu finden, aber nichts. Dabei steht hier viel zum Thema Venezuela. Auch zur Ausweisung des deutschen Botschafters habe ich nichts gefunden. Ist das nicht eine deutliche Ansage der Bundesregierung?"
Über beide Themen wird sehr viel geschrieben, warum soll ich es dann noch tun? 


1. Was ist los?


Billy Six, was soll ich Ihnen dazu noch erzählen? Da kommt ein energiegeladener Typ, offenbar ohne oder geringen Spanischkenntnissen, um die Wahrheit über das sozialistische Arbeiter- und Bauernparadies Venezuela zu berichten und wird verhaftet. Ich meine, was hat er erwartet? Das er den ursprünglich humanistischen Ansatz des Sozialismus findet?

Die ersten Infos zur Festnahme von Six stammen von Thamara Caleño (Thamy Holt), Ehefrau von Joshua Holt, der auch eine Zeit lang inhaftiert wurde.
Sie informierte den Bruder von Billy Six über das Geschehen und warnte ihn davor nach Venezuela zu reisen.

1.1 Igor Setschin ist die graue Eminenz von Maduro


Aber an diesem Fall ist vieles äußerst merkwürdig. Venezuela und sein Sozialismus des 21. Jahrhunderts sind ein russisches Projekt, unter dem Kommando von Igor Iwanowitsch Setschin, das ist der Obermaker hinter Nicolas Maduro und einer der prinzipalen Anführer der russischen Nationalbolschewisten. Früher war er mal ganz dicke mit Wladimir Putin, doch wurde es zwischen den Tawarisch etwas kühler, weil Setschin findet, dass Putin nicht genug Erfolge aufweist. Genauso wie Schirinowski, würde Setschin gern einen Krieg gegen den Westen führen. 

Freilich sollte man wissen, Setschin ist der Vorstandschef der russischen Ölgesellschaft ROSNEFT, die de facto das venezolanische Ölgeschäft kontrolliert. Rosneft ist noch wichtiger als Gazprom, und der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder arbeitet mit Setschin im ROSNEFT-Vorstand.

Er erhielt eine spezielle Ausbildung in Französisch und Portugiesisch, und wurde zwei Jahre lang, an einer Spezialschule des KGB gedrillt. 1991 ist er Wladimir Putins Sekretär in Leningrad und zusammen mit diesem in dem Leningrader Netzwerk verstrickt, dass für die notleidende Stadtbevölkerung gedachte Hilfssendungen (und russische High Class Produkte) klaut und verscherbelt, zum größten Teil nach Deutschland. Als Wladimir Putin 1996 in die Präsidialverwaltung von Boris Jelzin wechselt, nimmt der Setschin mit.

Setchin spielt eine zentrale Rolle beim fingierten Prozess gegen den Ölkonzern Jukos, ab dem Jahr 2003, also von Anfang an. Er arbeitet immer eng mit den Silowiki zusammen, ein typisch russisches Netzwerk von Leuten aus den russischen Geheimdiensten, die sich als Geschäftsleute tarnen und auf jede erdenkliche krumme Tour Geld beschaffen. Er spielt eine zentrale Rolle im Korruptionsprozess gegen Uljukajew, war gleichzeitig die Person, die ihn aus dem Weg räumte mit seiner Aussage gegen ihn.


1.2 Billy Six


Ein sehr interessantes Detail ist, dass Billy Six eigentlich mit Marionettenstaaten des Kreml vertraut sein sollte. Dezember 2012/Anfang 2013 wird er von den Syrern wegen illegalem Grenzübertritt inhaftiert. Auf betreiben der Botschaft wird er freigelassen und ausgeflogen. Moment, die hier interagierende Botschaft war nicht etwa die deutsche Botschaft, sondern die russische. Komisch!

Am 1.3. berichtet "Tagesshow", das Billy Six vor ein Zivilgericht kommt, dabei war es ein Militärgericht. Das letzte was ich hörte, war am 5. März, dass er extrem krank (Dengue) sei und dringend medizinische Hilfe braucht, was ihm jedoch verweigert wird (wie Tausenden anderer Venezolaner). Vermutlich ist er bereits tot.

Der später festgenommene US-Journalist Cody Weddle, sowie dessen Assistent Camacho, wurden hingegen lediglich 12 Stunden nach der Festnahme abgeschoben. In der Zeit, in der Six in Haft sass, klagte das Maduro Regime 26 ausländische Journalisten an, lediglich wegen arbeiten ohne Arbeitsvisum. Alles keine große Sache, sie wurden einfach des Landes verwiesen. Da fragt man sich schon, warum ist Billy Six so besonders. Anklage wegen Eindringens in eine gesperrte Zone (weil Maduro da einen öffentlichen Auftritt absolviert), Rebellion und Spionage. Der militärische Geheimdienst DGCIM sendete zur Festnahme eines Journalisten, der mit einer hochgefährlichen Kamera bewaffnet ist, die dann als Beweis der Anklage dient, am 17. November in Paraguana, Falcón, sage und schreibe 15 Agenten ihrer Mordbande zur Verhaftung. Später wird Billy Six SEBIN übergeben, für Uneingeweihte: die venezolanische Tscheka.

Die vorgelegten Beweise gegen Six, sparen wir uns mal da drauf einzugehen, alles gequirlte Kinderkacke. Warum wird um Six so ein Aufstand gemacht? Irgendetwas ist in der Geschichte, was wir nicht wissen. 

SEBIN verdächtigt Six der Rebellion und Spionage. Warum jetzt der Rebellion, weil Six ist doch gar nicht venezolanischer Staatsbürger. Das berichtet Espacio Publico. Egal, wir wissen ja schon, dass hier eine Show gespielt wird. Von den ganzen möglichen Gefängnissen bringt ihn SEBIN nach El Helicoide, wer es noch nicht weiß, das ist deren Version vom Lubjanka. Dort trat er in einen Hungerstreik, wonach offenbar eine Kontaktaufnahme mit der deutschen Botschaft erfolgte. 

Verwunderlich ist, dass Billy Six bisher durch Kremltrolligkeit sich auszeichnete. Man erinnere sich an seine Berichte über den Abschuss des Fluges Malaysian Airlines MH17 im Jahr 2014. Da wurde sogar BBC auf ihn aufmerksam. Darum wohl die Privilegien in Syrien? Doch so einfach ist es nicht, denn nicht alle Putinfans bekommen derartige Privilegien. 


1.3. El Helicoide


Gefängnisse in Venezuela sind nahezu Konzentrationslager und ich wünsche Billy Six nicht dort zu sein. Auch wenn es sich blöd anhört und grausam für die Familie, aber es ist besser tot zu sein. 

Doch Helicoide, das ist die Creme de la Creme der venezolanischen KZ's. Hier her werden nur die wichtigsten politischen Gefangenen gebracht. Die Agenten der SEBIN wurden von den Kubanern und Russen geschult, hier wird gefoltert und gemordet aus Spaß.


1.4. Graham William Phillips


Billy Six arbeitet eng zusammen mit dem Briten Graham William Phillips. Der Brite ist angestellt bei Russia Today und Stern, allerdings nicht der deutsche Stern, sondern der russische Fernsehkanal Zwezda

Phillips war ursprünglich Beamter der COI, die im Dezember 2011 geschlossen wurde. Er verließ COI allerdings bereits 2010 und begann in der Ukraine als freier Journalist Und Englischlehrer zu arbeiten, er arbeitete unter anderem für Newsweek und Politico Magazine. Ende 2013 kommt er zu Russia Today, zu dieser Zeit lebt er ständig im russifizierten Odessa. 

Während der pro-russischen Unruhen in Odessa, die von russischen Geheimdiensten angezettelt wurden, ist Phillips natürlich vor Ort, er wohnt ja da. Während Euromaiden ist Phillips eindeutig als Kremltroll zu erkennen. Auch noch nachvollziehbar, dass er in Kiew auftaucht. Doch dann wird es immer auffälliger, dass er über all da auftaucht, wo der Kreml eine geheime Aktion startet. 2014 berichtet er auf der Krim. Als er zurückkommt, bricht er seine Lager in Odessa ab und geht in die Ostukraine. Plötzlich geht dort die Rebellion los. 

Am 16. März 2016 wird er in Riga verhaftet und bereits am nächsten Tag nach Russland deportiert. Er hatte versucht, Ausschreitungen während einer Gedenkfeier für Legionäre der lettischen SS-Freiwilligenlegion zu organisieren und dann Berichte über das faschistische Lettland zu publizieren. Im Dienst des Kremls arbeitet er viel mit Patrick Lancaster zusammen, der mag dem einen oder anderen von Russia Insider bekannt sein, das vom Deutsch-Russen Charles Bausman gegründet wurde. Dieser wiederum tritt bei RT als "westlicher Experte" auf, wofür auch immer.

Am 20. Mai 2014 nahmen ihn die ukrainischen Behörden wegen Spionage für die Russen fest. Tatsächlich hat er enge Kontakte zu ANNA News, eine Nachrichtenagentur, die vom russischen FSB gegründet wurde. Im Juli wurde er deportiert und kurz darauf alle seine Social Medien Konten gehackt.

Phillips ging nun nach Rostow. Februar 2015 taucht er bei der Operation Debaltsew auf. 2015 fabriziert er im Auftrag des FSB den Propagandafilm Aramis - Der Musketier vom Donbass. Der russische Verteidigungsminister Sergey Shoigu erklärte Ende März öffentlich, die russischen Medien seien "ein weiterer Teil des russischen Militärs" und könnten als Waffe eingesetzt werden. Im selben Monat (20. März) erscheint ein Bericht von KHPG mit dem Titel Europäische Faschisten und Neonazis treffen sich, um russische Interessen zu verteidigen, darin heißt es, im Vorfeld des 70. Jahrestages des Sieges über Hitler-Deutschland, "Russland hat beharrlich die Hilfe von Faschisten und Neo Nazi Gruppen und Parteien  in Anspruch genommen, die unterstützen ihre Aggression gegen die Ukraine und behaupten, dass es ein faschistisches Regime ist, dass sie in der Ukraine bekämpft."

Zwei Tage später taucht Phillips zusammen mit den Neonazis von Golden Dawn in St Petersburg, bei einem Treffen auf, das von der Partei Rodina organisiert wurde. Die Leitung der Partei obliegt dem stellvertretenden russischen Premierminister Dmitri Rogosin (Nationalbolschewist). 

Die russische Grenzwache in der Stadt Tschechow bei Moskau zeichnete Phillips Mitte 2015 mit einer Medaille für seine Arbeit im Donbass aus. Es ist in Russland ein offenes Geheimnis, dass diese Grenzwache von Tschechow eine Außenstelle des FSB ist. Übergeben wurde der Preis von Pavel Hlyupin, Ex-KGB-Grenzschutz und Afghanistan Veteran.

Phillips unterhält ein beeindruckendes Netzwerk zu vermuteten oder bekannten Mitarbeitern russischer Geheimdienste. Und es ist auffällig, dass die Kremlautoritäten ihn enorm zu schätzen scheinen. Ab Mai 2015 wird er ständig von einer Leibwache bei seinen Dreharbeiten begleitet, es sind Elite Soldaten der Spetsnaz, die vom militärischen Geheimdienst GRU befehligt werden.

Zum Beispiel hier: 



Phillips ist seit einiger Zeit unerwartet aktiv in Kolumbien. Er stand in Kontakt mit Billy Six, als der 2017 begann aus Venezuela zu berichten. Beide hatten sich in Bogota getroffen, wahrscheinlich hatte Phillips ihn nach Venezuela begleitet. 

Aber was war passiert? 



Soll eventuell eine Show gespielt werden und irgendwann wird Six von der Gunst Russlands gerettet, und als Held nach Deutschland gebracht? Das dürfen wir wohl infrage stellen, andernfalls hätte die Bundesregierung längst ein Fass aufgemacht, wie damals bei der Show um Deniz Yücel (dieser selbst hatte hingegen das Thema Billy Six sehr früh angesprochen). 

Bei Six treffen wir auf Schweigen, klar nun ändert es sich, doch nur weil andere Leute auf das Thema aufmerksam machen. Von der Bundesregierung kommt nichts, was in Relation steht. Heiko Mass findet das alles lediglich "unverständlich".

Es wäre wohl einigen lieb, wenn die Person Billy Six verschwindet. Doch da geht es wohl alleinig um Interessen in Venezuela. Insbesondere auffällig war, dass die renommierte Reporter ohne Grenzen den Fall sofort aufgriff, aber die deutschen Medien schwiegen (natürlich nicht Junge Freiheit), wohingegen in Venezuela und Kolumbien dazu ausführlich berichtet wurde.

Das könnte darauf hinweisen, das Six auf etwas gestoßen ist, was er nicht hätte wissen dürfen. Möglich das irgendwas ihm die Augen öffnete. Vorstellbar, dass er seinen Freund Phillips informierte, ganz als nützlicher Idiot nicht wissend was er tat, und der die Alarmglocken klingeln ließ. Doch wir wissen es nicht.


2. Ausweisung des deutschen Botschafters


Die Ausweisung des deutschen Botschafters ist in der Tat eine deutliche Ansage, allerdings nicht vonseiten der Bundesregierung. 

Bereits 2014 verglich der damalige deutsche Botschafter,  Walter Lindner, die venezolanische Diktatur mit den Nazis. Außenminister für besondere Kremlangelegenheiten, damals noch Sigmar Gabriel, der den Botschafter deswegen umgehend abberief. Und zwei Jahre darauf die Beziehungen zwischen BRD und dem Nazi Regime intensivierte.

Also sollte man nicht aufgrund einer individuellen Stellungnahme, von Walter Lindner, auf eine Reaktion eines Kollektives schließen, was dann dazu dient ein aufrechtes Individuum als Maske für einen Haufen rückgratloser Analraupen zu nehmen.

Auch wenn 2016 die Beziehungen intensiviert wurden, hat das wenig zu bedeuten, der Handel zwischen beiden Staaten ist vernachlässigbar und außerdem würde es beim Verstoß gegen die US-Sanktionen ernstere Probleme geben, sodass man sich besser daran hält und Venezuela fallen lässt.

Ähnliches gilt nun auch bezüglich der Ausweisung von Daniel Kriener zu sagen, der aus persönlicher Motivierung die Stimme gegen die Diktatur erhob, und nicht für ein Kollektiv spricht. 

Auf der anderen Seite sind die für die Bundesregierung bedeutenden Staaten im Karibikraum Mexiko und Kuba, Venezuela ist vernachlässigbar, da sind Russland, Gulag China und Kuba die Global Player. Juan Guaido nahm die Ausweisung des deutschen Botschafters zum Anlass, Europa zu schärferen Sanktionen aufzurufen

Doch halte man sich vor Augen, dass viele der Familienangehörigen jener Apparatschiks, die für die venezolanische Diktatur verantwortlich sind, hier in Europa sind und sich La Dolce Vita gönnen, mit dem Geld, dass sie aus dem Volk rauspressen und sozialistische Propaganda betreiben. Und nicht nur das, die venezolanischen Botschaften sind Operationsbasen für die FARC. Ein Staat mit echten Sicherheitsbedürfnissen hätte hier vor Jahren aktiv werden müssen.

Der Betreiber der venezolanischen Tankerflotte ist übrigens eine deutsche Firma, doch da der Rubel nun nicht mehr so rollt wie früher, wird das Geschäft uninteressant. So einfach ist es: Ohne Moos nix los!


Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!

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