Donnerstag, 14. Februar 2019

Das wird das russische Jahrhundert!

Das Modell Putin


Wladislaw Surkow, der Berater des Moskalzaren Wowa I., veröffentlichte einen Artikel über das "Putin-Modell", zu bestaunen ist diese Gülle bei der Nezavisimaya Gazeta, in dem der derzeitige Staatschef mit Peter dem Großen und dem "Sammler Russlands" (das heißt: Zar Ivan III), verglichen wurde. Das politische Modell in Russland fördert laut Surkow für die nächsten 100 Jahre ein wirksames Mittel zum Überleben und zur Auferstehung der russischen Nation. Nur kommt aus dem Inhalt des Textes deutlich heraus, dass Surkow Überleben und zur Auferstehung so interpretiert, dass es auf ein russisches Supremat und Unterjochung anderer Völker hinausläuft.

Laut Surkow ist das russische Modell nicht nur ein Staat, sondern entwickelte das Staatswesen sozusagen weiter, zu einem neuen Staatstyp! Lass mich raten, es wird doch nicht etwa der totale Staat sein?


Der totale Staat


Da er sich bis zur Stunde Null gebildet hat, meint Surkow, "ist er noch nicht viel untersucht worden, aber seine Originalität und Lebensfähigkeit liegen auf der Hand", berichtet Lenta.ru. Doch, doch Genossen! Diesen Staatstyp gab es eigentlich schon mehrmals in der Geschichte, ihr wechselt nur immer die Kleider und präsentiert die sozialistische Diktatur als etwas ganz Neues, das noch nie jemand zuvor probiert habe. 

"Ein solches organisch geformtes Modell der politischen Struktur wird nicht nur in den nächsten Jahren, sondern auch in den nächsten Jahrzehnten und höchstwahrscheinlich für das gesamte kommende Jahrhundert ein wirksames Mittel zum Überleben und zur Erhebung der russischen Nation sein", meint Surkow. Sprich: Eurasisches Reich!

"Die russische Geschichte ist für vier Hauptmodelle des Staates bekannt, die bedingt durch die Namen ihrer Schöpfer benannt werden können: der Staat Iwan der Dritte (Großherzogtum / Königreich Moskau und ganz Russland, XV. XVII. Jahrhundert), der Staat Peter der Große (Russisches Reich, XVIII. - XIX. Jahrhundert); der Staat Lenin ( Sowjetunion , zwanzigstes Jahrhundert), der Staat Putin (Russische Föderation, XXI Jahrhundert)."

Da fällt jetzt sofort auf, dass sich der Etat à la Putin ausschließlich auf absolutistische Modelle aufbaut. Mit keinem Wort etwa wird die kurze liberale Republik erwähnt, die sich nach der Februarrevolution 1917 etablierte und im Oktober dann von den Kommunisten, im Verbund mit den deutschen Monarchisten, beseitigt wurde. Und dies ausdrücklich durch Lenin, der wiederum als Putin Vorläufermodell im Gespräch ist.


Der Zauber der Ideologen


"Es ist notwendig, Putins Regierungssystem und den gesamten Ideenkomplex und die Dimensionen des Putinismus als Ideologie der Zukunft zu verstehen, zu verstehen und zu beschreiben. Es ist die Zukunft, denn der wirkliche Putin ist kaum ein Putinist, genau wie Marx kein Marxist war. Und dem nicht zugestimmt hätten, wenn sie die Bedeutung gekannt hätten", schreibt Surkow.

Eine sehr überaus wichtige Passage, die uns viel verrät. Zum einen weiß der Stammleser, was ich über Ideologie sage: Ideologie = Zu verhindern, dass die Öffentlichkeit realisiert, was die Herrschenden ihnen antun wollen. Darum wird sich die Öffentlichkeit auch noch nicht über die "Dimension des Putinismus" im Klaren sein. Es ist ein Ideenkomplex! Was bedeutet, eine Weltanschauung auf Putin zugeschnitten. Die Menschen denken alle wie Putin, sie leben unter einer Matrix, die die Welt nach Putinsvorgaben erklärt. Und natürlich ist interessant, dass Surkow ausgerechnet hier Putin und Karl Marx in einen Zusammenhang setzt. Der Putinismus ist nämlich gar keine neue Ideologie, sondern wir kennen sie zur Genüge, wenn wir uns etwas mit der Geschichte auseinandersetzen. 


Was ist der Staat?


Seiner Meinung nach basiert das moderne Modell des russischen Staates auf Vertrauen. Wie jetzt? Der Bürger soll doch wohl nicht etwa darauf Verzichten die Politik seiner Regierung zu hinterfragen und darauf Vertrauen, dass die besser wissen was gut für einen Bürger (Individuum) ist. Was ist denn eigentlich ein Staat? Naja, eigentlich die Gesamtheit aller Personen, die Gesellschaft, innerhalb einer Kultur und Jurisdiktion. Manche sprechen da auch vom Kollektiv, je nachdem wie man das Kollektiv definiert. Was bei einem Anarcho-Kommunisten natürlich etwas vollkommen anderes bedeutet, als bei einem Marxisten. G*tt sei Dank hat uns Surkow diesbezüglich nicht im Unklaren gelassen, indem er Putin und Marx in Verbindung setzte. 




Kampf gegen Rechts


Wie jetzt? Also sagt uns hier doch nicht etwa dieser kleine dreckige Faschist Surkow, dass sich das Individuum dem Kollektiv unterzuordnen habe und die Regierung bestimmt, was innerhalb des Kollektives gedacht wird? Doch, genau das sagt er uns hier! Der Totalitarismus ist wieder da!

Herrschaften, es geht im Kampf gegen Rechts nicht um die Bekämpfung von Faschisten. Das ist nur die Legitimierung zum Aufbau einer Diktatur. 

Natürlich ist es möglich das sich verschiedene Ausformungen des Totalitarismus im Totalen Staat bekämpfen, allerdings ist das wie bei den Köpfen der Hydra, die alle zum selben Leib führen. Der Köpfe haben sich nicht gegenseitig angegriffen, weil der eine Kopf gut und der andere böse gewesen wäre. Denn Böse waren sie alle. Sie griffen sich aus Futterneid oder mangels eines anderes Feindes an.

Traditionell geht es im Kampf des Menschen nicht um Faschisten gegen Antifaschisten, sondern Grundsätzlich jenen der Totalstaatler (im Kampf gegen Rechts meint das institutionalisierte Linke) und Minimalstaatler (Libertär, Förderalismus, Basisdemokratisch, Anti-Zentralstaat). Beziehungsweise in ihren Extremen Totalitarismus gegen Anarchie, beziehungsweise Anomie in seiner negativen Form. Oder die Unterordnung im Kollektiv gegen Individualrecht.


Kritisches Denken unerwünscht



"Dies ist der grundlegende Unterschied zum westlichen Modell, das Misstrauen und Kritik fördert. Und das ist seine Stärke", sagte der Kreml-Beamte. Obwohl es da einige böse Zungen gibt, die diese Aussage Misstrauen und Kritik auch als selbstständiges und kritisches Denken verstehen könnten. Im Klartext: Der Bürger soll sein Gehirn abgeben. Okay, bei Die Linke, AfD und großen Teilen anderer Parteien haben das eh schon viele getan. Denen wird diese schöne neue Welt des Putinismus auch wahnsinnig gut gefallen.

Und sinnigerweise merkt Wladimir Putlers Assistent genau das an, dass im modernen Russland ein politisches System aufgebaut wurde, dessen Erfahrungen im Ausland übernommen werden. Da spenden Die Linke und AfD Standing Ovations.


Westen und der Ostblock


Surkow argumentiert außerdem, Russland habe nach den 1990er Jahren "angefangen, Ideen zu produzieren, und ging in den Gegenangriff auf den Westen" über, weil europäische und amerikanische Experten seiner Meinung nach "in Prognosen zunehmend falsch geworden sind". Nun, das gilt es wohl etwas differenzierter zu betrachten. In den 1990er Jahren gab es auch in Deutschland Personen, die vor dem Aufstieg von Putler warnten. Diese wurden dann als Kalte Krieger abgetan, und zwar ziemlich genau von dieser Clique und Seilschaften, die sich gegenwärtig als Putins größte Kritiker von den Medien inszenieren lassen und Deutschland/Europa der Energiewaffe des Kreml ausliefern, kurzum Gazprom. Zufall? Wohl kaum. Der Westen wurde ganz gezielt und bewusst getäuscht von Politikern "die westliche Werte" zu repräsentieren vorgaben, die diese falschen Prognosen abgaben und tatsächlich zur 5. Kolonne des Kreml gehörten. Ist diese Langzeitstrategie nicht kompliziert? Natürlich, aber was soll die sonst tun, denn wirtschaftlich und militärisch konnten die es mit dem Westen (als er sich vor dem Ostblock in Acht nahm) nicht aufnehmen. 


Änderung der Wahrnehmung durch Propaganda


Weiter im Text spricht Surkow von "Souveränität und nationale Interessen", dies wiederum wird gern mit Nationalismus fehlinterpretiert. Genauso wie man von Patrioten und Patriotismus in Verbindung zu diesem abartigen Gesindel des deutschen Hilfsrussentums spricht. Bei denen ist Patriotismus keine Liebe zu Deutschland, sondern eine Anbiederung an eine ausländische Macht, und hat nichts mit deutschen Patriotismus zu tun. Hier benutzt der Feind positiv klingende Begriffe, die in der Öffentlichkeit einen positiven Klang haben und verändert, die damit verbundenen Bedeutung. Das ist die Macht von Propaganda und eben Ideologie, die zu einer verzehrten Realitätswahrnehmung und "alternativen Patriotismus" führt. Natürlich fallen Millionen Menschen auf die russische Propaganda rein, was natürlich nicht sonderlich schwer ist, wenn man neben dem Kartoffelsack Merkel einen auf einem bärenreitenden Naturburschen präsentiert bekommt.


Die Werte des 19. Jahrhundert und was Surkow nicht versteht


Surkow schreibt, dass sich die Werte des 19. Jahrhundert nicht halten konnten. Durch was aber war das 19. Jahrhundert mehr gekennzeichnet, als sich die gegen die absolutistischen Despotien in Europa auflehnenden Wutbürger die keine Steuern mehr abführen wollten, damit sich Staatsdiener gleich dem parasitären Adel sahen und sich an der Frucht anderer Arbeit gütlich tun. Laut Surkow geht es dabei um Internationalismus und Globalismus gegen den Nationalstaat. Das ist Schwachsinn, den Wutbürgern auf den Hambacher Fest ging es keineswegs um Internationalismus und geeintes Europa oder Nationalstaat, außer in der Hinsicht die Monarchien der Nachbarn zustürzen, wie die eigene, und das Volk zu befreien. Doch noch viel eindeutiger ging es auf dem Hambacher Fest neben dem deutschen Patriotismus und einen deutschen Nationalstaat vor allem um die Frage, wie verhindere ich es, dass parasitäre Totalstaatler mir Steuern und Gebühren abverlangen.


Putins Staat


"Die Fähigkeit, Menschen zu hören und zu verstehen, durchschauen zu können und entsprechend zu handeln - ist der einzigartige und Hauptvorteil von Putins Staat. Er ist den Menschen auf dem Weg angemessen und daher nicht destruktiven Überlastungen durch die entgegenkommenden Strömungen der Geschichte ausgesetzt. Daher ist sie effektiv und dauerhaft " - sagte Surkow, der diesen Mist garantiert nicht den Leuten sagt, die sich in Russland um ihre Rente betrogen fühlen und auf die Anhäufung von Putins Reichtum hinweisen.

Nein Surkow! Den Gelben Westen in Russland geht es darum die Steuerlast zu drücken.

"Im Wesentlichen vertraut die Gesellschaft nur der ersten Person" im Staat, stellt Surkow fest. Nichts Neues, kennen wir schon und nennt sich Führerkult.

Reaktionen aus Russland


Laut Putins Pressesprecher Dimitri Peskow las Putler den Artikel von Surkow persönlich und bezeichnete ihn als ziemlich komplex, was Nachdenken erfordert. Gleichzeitig gibt es laut Pressesekretär des Präsidenten Positionen, die besprochen werden können. 

Laut regierungskritischen russischen Politikwissenschaftlern wurde der Artikel über "Putinismus" von Surkow für einen ganz besonderen seiner Leser geschrieben, nämlich für Wladimir Putin. Der Begriff Putinismus stammt von westlichen Anti-Kommunisten, nämlich besagten "Kalten Kritikern" die lange bevor "Europas schärfste Putinkritikern" Russland die Tore nach Europa weit öffnete und den Schlussverkauf Deutschlands für Gazprom sicherte, vor der Rückkehr des Reichs des Bösen warnte. Man erinnere sich an Boris Nemzow, der den Kommunismus und Gulag für die Europäische Union prophezeite. Hier wird genau dasselbe getan, wie mit anderen im Westen gebräuchlichen Begriffen. Sie werden nicht bekämpft, was nicht funktioniert, sondern angenommen doch der ursprüngliche negative Sinn umgekehrt in etwas für den Kreml angenehmes. 

BBC- Politologe Andrei Kolyadin sagte: "Surkow tut nie etwas umsonst." Er hält es für möglich, dass hier ein Narrativ etabliert werden soll, welches zu einer erneuten Präsidentschaftskandidatur von Putler für das Jahr 2024 führt. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass Surkow als Putin Berater ausgerechnet der leitende Kopf für Innenpolitik ist.

"Surkow ist daran interessiert, den Status quo von Putin aufrechtzuerhalten", sagte Kolyadin. Ihm zufolge wird die Frage, wie Putin an der Macht bleiben kann, falls die Verfassung keine weitere Amtszeit zulässt, in diesem Jahr entschieden. Die Option der Machtübertragung hält er für das Land schädlich. "Der Nachfolger wird nicht den gleichen Einfluss haben. Der Fall des Einflusses wird den Kampf um Eigentum und die Macht beginnen lassen. Die russische Realität hat bewiesen, dass jeder nachfolgende Führer schlechter ist als der vorherige." 

Der politische Analytiker Abbas Gallyamow stimmt dem zu, dass die Behörden "das Problem von 2024" lösen müssen. "Das tut jetzt niemand. Jeder ist von Routine abgelenkt ... Der Text ist nur an eine Person gerichtet - Putin", sagte Gallyamow. "Es ist nicht unmöglich, dass sich Surkow auf diese raffinierte Weise als Retter anbietet." Es gibt eine prosaischere Version von Putins Assistenten, der eine Kolumne über Putins lange Regierungszeit schrieb. Im Januar nahm man Surkow in die Liste der 100 Weltdenker der Zeitschrift American Foreign Policy auf. "Westliche Journalisten fingen an, sich für ihn zu interessieren", stellt Kolyadin fest. "Die Aufmerksamkeit des Westens ist für jeden Beamten in Russland unsicher, jede solche Aufmerksamkeit kann nach hinten losgehen."


Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!

Kommentare:

  1. Warum kann man nicht als Kollektiv, sondern nur als Individuum Rechte haben?

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    1. Weil sich das Individuum dann seinem jeweiligen Kollektiv unterordnen muss, ansonsten wird er aus dem Kollektiv entfernt, weil er den Anforderungen nicht entspricht und ist was? Rechtlos! Handelt es sich jedoch um individuelle Rechte, dann ist das zugerhörig sein zu einem Kollektiv unwichtig.

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