Dienstag, 20. November 2018

Vom russischen Erstschlag und Deeskalationsangriffen



Bei der jährlichen Sitzung des Valdai Diskussion Club, in Sotschi, erklärte der russische Präsident Wladimir Putin, dass die Russen im Falle eines Atomkrieges "als Märtyrer in den Himmel kommen", während der Angreifer einfach "tot umfallen" würde. Im Endeffekt sollen demzufolge beide Seiten sterben, was sich ziemlich irre nach einem Gaza Selbstmordattentäter anhört.

Das mit dem irre anhören fand offenbar auch der Pressesprecher von Wlad Putler, der Dimitri Peskow, und begann zu beschwichtigen, wie die Nachrichtenagentur Tass verlauten ließ.

Peskow:
"Er [Wladimir Putin] sprach nicht über den Himmel oder wohin wir oder sie gehen werden, sagte er, und dies ist das Wichtigste, was von Vielen übersehen wurde. Soweit Russlands (Militär-) Doktrin besagen, behält sich Russland kein Recht auf Prävention vor. Mit anderen Worten: Unsere Doktrin sieht kein Recht auf einen Präventivschlag vor."
Putin sagte (siehe Video):

„Nur wenn wir genau wissen, dass Russland angegriffen wird, und das dauert ein paar Sekunden, um zu verstehen, dass Russland angegriffen wird, werden wir einen Gegenschlag ausführen. Dies wäre ein gegenseitiger Gegenschlag. Warum sage ich 'Gegen-'? Weil wir Raketen entgegen fliegen werden, indem wir eine Rakete in Richtung eines Angreifers schicken. Natürlich stellt dies eine globale Katastrophe dar. Ich möchte jedoch wiederholen, dass wir nicht die Initiatoren einer solchen Katastrophe sein können, weil wir keine Vorkehrungen (zum Erstschlag) getroffen haben. Ja, es sieht so aus, als würden wir auf unseren Händen sitzen und warten, bis jemand Atomwaffen gegen uns einsetzt. Nun ja, so ist es. Aber jeder Angreifer sollte wissen, dass Vergeltungsmaßnahmen unvermeidlich sind, und sie werden vernichtet. Und wir als Opfer einer Aggression, wir als Märtyrer gelangen ins Paradies. Sie (die Angreifer) hingegen werden einfach verschwinden ehe sie Zeit haben ihre Sünden zu bereuen." 


Dmitri Peskow versuchte die Ecken und Kanten dieser Aussage zu polieren. Putin habe nicht buchstäblich vom Leben nach dem Tod gesprochen und fügte hinzu: "Soweit es die russische Doktrin betrifft, behält sich Russland kein Recht auf Präventivschlag vor." 

"Das bedeutet, dass wir niemals die Ersten sein werden, die jemanden angreifen. Dies ist es, was der Präsident gesagt hat. Wenn wir jedoch angegriffen werden, wird jeder dorthin gehen, wo er oder sie hinsollte - entweder in den Himmel oder in die Hölle oder anderswo. Dies ist was er meinte, der Rest war Allegorie ", sagte er.

Peskow drückte sich jedoch auffällig seltsam aus. Es gehe nicht nur um einen Atomangriff, sagte er, sondern um einen Angriff, der "die bloße Existenz des Staates gefährdet" und einen Atomangriff auslösen könnte.

Russlands Truppenstruktur ist jedoch für eine Erstschlagpolitik optimiert, und seine strategische Doktrin zeigen sehr wohl, dass Russland alles Notwendige tun würde, um territoriale Integrität und Sicherheit zu gewährleisten. Was im Wesentlichen eine Erstschlaglehre ist, zumindest Spielraum lässt, diese, in diesem Sinne, zu interpretieren. Demzufolge ist es falsch, dass sich Russland kein Recht auf einen Erstschlag Vorbehalte, weil es nicht explizit ausgeschlossen wurde. Der Kreml sagt es zwar in den Medien, aber in der Militärdoktrin steht es nicht drin und genau darauf kommt es an.

„Ich möchte, dass alle hier anwesend sind und alle, die jedes Wort, das ich hier sage, analysieren und in der eigenen Art und Weise in ihrem eigenen Geschichtenerzählen verwenden werden, um zu bedenken: Unser Konzept des Einsatzes von Atomwaffen lässt einen präventiven Schlag nicht zu", sagte Putin. "Unser Konzept ist reaktionsschnell und wechselseitig."


In diesem Video, das das russische Fernsehen von RU-RTR am 1. März 2018 über AP-Fernsehen zur Verfügung gestellt hat, wird Russlands neue interkontinentale ballistische Rakete Sarmat während eines Teststarts von einem unbekannten Ort in Russland abgefeuert.
Ist die russische Atomwaffenpolitik nun ein LUW - (Lunch Under Warning) oder eine LUA- (Lunch Under Attack) Strategie?

Da Putin von Märtyrern nach einem Gegenschlag spricht, scheint LUA (Raketenstarts nach Feindangriff) nahe liegend. 

Die Übersetzungen des Kremls zu Putins Rede, sind in anderen Sprachen deutlich geschönt. Der russische Wortlaut hingegen klingt deutlich aggressiver. Der Feind solle "verderben" und käme bestenfalls zum "Krächzen". Nun gut, immerhin spricht er von einem nicht klar genannten Feind, der einen Angriffskrieg führt, da scheint es verständlich, dass das Opfer des Angriffs so spricht. Doch unverständlich ist es, warum Pressesprecher und Nachrichtenagenturen sicherstellen müssen, wie das Gesagte ihres Präsidenten zu verstehen ist.

Doch das Interessanteste ist, das Putin die russische Militärdoktrin falsch erklärt. Es kann wohl kaum sein, dass er es nicht besser wissen kann. Russland hat im Dezember 2014 die Sprache seiner Militärdoktrin umformuliert. Die Doktrin enthalten einen Teil, den der Kreml bis heute nicht der Öffentlichkeit präsentieren will. Doch auch in jenem Teil, der öffentlich gemacht wurde finden sich recht aufschlussreiche Informationen. So wird der Feind, den Putin nur neutral erwähnt, dort ganz eindeutig als NATO benannt. 

Es heißt dort, die NATO bedrohe die Sicherheit Russlands. Nun bedenke man, dass diese Formulierung aufgenommen wurde, nachdem Russland eine Aggression gegen die Ukraine ausübte und die NATO sich auf die Seite des Angegriffenen stellte. So bekommt "wer Russland bedroht" nämlich die Bedeutung von "wer sich dem russischen Imperialismus entgegenstellt".

Doch das Dokument spricht auch explizit von der Situation eines Nuklearkrieges: 
„Die Russische Föderation behält sich das Recht vor, Atomwaffen als Reaktion auf einen Angriff auf Russland und / oder seine Verbündeten einzusetzen, bei dem auch Atomwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen zum Einsatz kommen. Wie im Fall einer Aggression gegen die Russische Föderation mit dem Einsatz konventioneller Waffen, wenn die Existenz des Staates selbst bedroht ist. Entscheidungen über den Einsatz von Atomwaffen werden vom Präsidenten der Russischen Föderation getroffen.“
Wie bitte schön ist das aber zu verstehen, bei einer Regierung, die sich bedroht fühlt, durch den Versuch der Verteidigung eines Staates, wie die Ukraine, gegen eine russische Aggression?

Mit anderen Worten, der Kreml behält sich das Recht vor, mit Nuklearwaffen alles zu beantworten, was einzig und allein der Präsident der Russischen Föderation als Bedrohung definiert. 

Warum sollte Putin über die eigene Atomdoktrin lügen? Weil man sich nicht als Fuchs verkleiden sollte, wenn man beabsichtigt Hühner zu erlegen. Da der größte Teil der westlichen Öffentlichkeit viel zu liberal dumm ist, um sich die Mühe zu machen, die russische Militärdoktrin zu studieren, und mehr Gewicht auf die Publicityauftritte des Moskal-Psychopathen legt, als irgendein verschwörungstheoretischen Unsinn zu glauben, der mit Quellen des Kremls belegbar ist, entsteht im Westen der Eindruck, dass Moskau seine einst imperialistische Strategie aufgegeben habe und die NATO überflüssig sei. Glauben Sie nicht? Na dann hören sie sich mal die Wladiwostok bis Lissabon Fraktion an, und zwar beginnend bei Zonenwachtel Merkel, über Gysi und Wagenknecht, bis zu Elsässer. In dem die Russen als Märtyrer in den Himmel kommen, während die Nato krächzt, sehen die nämlich ein ganz tolles Friedensangebot aus dem Kreml: Unterwerft Euch von Wladiwostok bis Lissabon!

Die Erklärung ist eigentlich sehr einfache: Putin lügt, weil es seine Gewohnheit ist. Er lügt, weil er keinen Grund hat, es nicht zu tun. Niemand wird ihn zur Rechenschaft ziehen. Seine Rede ist immer (genauso wie bei Merkel) eine Demonstration der Leere der Worte - der eigenen und der anderer. Das Einzige, was zählt, ist die Macht - in diesem Fall sowohl die Macht des Präsidenten als auch die militärische Macht Russlands. Er hat nur eine besonders farbenfrohe Methode gewählt, um die Welt daran zu erinnern, dass wir immer unter dem russischen Damoklesschwert leben.

Und die Gefahr ist größer, als man denkt. Jeder russische Konflikt könnte sehr schnell zum Nuklearangriff ausarten, denn die russischen Strategen sind auf ganz lustige Konzepte gestoßen, wie einen Deeskalationsangriff! Wow! Was soll man sich bitte schön unter einem deeskalierenden Angriff vorstellen? Ganz einfach, man greift zuerst an, damit der Feind gehindert wird zu viel Gewaltbereitschaft Wehrbereitschaft aufzubauen. Früher nannte man so was einfach Angriffskrieg, Erstschlag, Einmarschieren, Überfall ... Doch in Zeiten von politisch korrekt der Doofen und Bescheuerten hört sich das einfach zu sehr nach Hate Speech an. 

Die Doktrin des Deeskalationsangriffs ist relativ neu, taucht in der Nuclear Posture Review (NPR) der Vereinigten Staaten vom Februar 2018 auf. Dort heißt es:


„Russlands Überzeugung, dass der erstmalige Einsatz von Atomwaffen, einschließlich möglicherweise Waffen mit geringen Ausbeute (hoc est: taktische Atomwaffen), einen solchen Vorteil bieten kann, beruht zum Teil auf Moskaus Ansicht, dass seine größere Anzahl und Vielfalt nicht-strategischer Nuklearsysteme (hoc est: taktische Systeme) in Krisen und Konflikten niederer Bedeutung einen zwingenden Vorteil bietet.“

Laienhaft ausgedrückt heißt das: Wozu Truppen hinschicken, wenn man das mit einer taktischen Nuklearwaffe wegrotzen kann. Taktische Nuklearwaffen sind es auch, was Russland unentwegt (und zwar ab Beginn der Perestroika und daher von Anfang an geplant) in den letzten Jahren produzierte, während Bill Clinton und Barack Obama die USA konsequent die taktischen A-Waffen abbauten. 

In der NPR heißt es auch: 
"Russische Erklärungen zu dieser sich entwickelnden Atomwaffendoktrin scheinen die Schwelle für den erstmaligen Einsatz von Atomwaffen in Moskau zu senken."

Als Reaktion darauf erwog die Trump-Administration die Entwicklung neuer taktischer Nuklearwaffen. Daraufhin geiferte Radio Eriwan umgehend los, die USA bereiten eine Aggression gegen Russland vor. Voilà, schon hat der Kreml einen Grund für einen atomaren Erstschlag! So einfach ist das, wenn man halt ein Moskalzar ist und ansonsten keinen Anteil an der menschlichen Zivilisation hat.

Während die westliche Öffentlichkeit das Dummvolk im Kanon mit Radio Eriwan NPR als aggressiv und Irrsinn klassifizieren. So tat es auch Igor Korotchenko. Und wer hat diesen Skandal angestoßen? Das war die Huffington Post, um vor sich hin zu gutmenscheln, von einer Welt ohne Atomwaffen. "Frieden schaffen ohne Waffen", heißt es bei Die Linke SED. Richtig, das sind diese Leitmedien aus dem Merkel-Kollektiv, die sich einbilden tatsächlich "Putinkritiker" zu sein und das man das Kreml-Problem mit Genderoffizieren und U-Booten die nicht tauchen können unter Kontrolle bekäme. Da wird erst mal Obama gelobt dafür, dass er den Westen entwaffnete, während Putin rüstete und daraufhin gewiesen, wie gefährlich doch dieser olle Trump sei, weil der doch tatsächlich dem US-Militär wieder Waffen geben will. Es gab Zeiten, als die Europäer noch keine Warmduscher waren, da hätte man solche Politiker wie Obama, als Kollaborateur, umgehend dem Standgericht übergeben. Natürlich besteht da die geringe Wahrscheinlichkeit, dass die Medienfurunkeln das gar nicht mit Absicht machen, sondern einfach bloß saublöd sind. Ändert jedoch auch nichts daran, dass man in diesem Fall ihre politischen Erklärungen und Belehrungen konsumieren müsste. Denn wer ist der größere Narr? Der Narr oder der Narr, der den Narren folgt?

Da trifft es sich doch gut, das Macron sich so stark für eine europäische Armee einsetzt, gell? Nur achte man darauf, dass Macron moralische Unterstützung von Wladimir Putin bekommt. Und nun raten sie mal, was es mit dieser Europaarmee auf sich hat. 

Eigentlich ist es dem Kreml nämlich schnurzpiepegal, ob die SLBMs der USA (U-Boot-gesteuerte ballistische Raketen) taktische oder strategische Sprengköpfe verwenden. Weil deren Strategie grundsätzlich voraussetzt, dass jede feindliche Rakete MIRV-fähig ist, also mehrere unabhängige und verschiedene Ziele anvisierende Sprengköpfen mitführt.

In den letzten Jahren sammelte sich eine Fülle von Beweisen an, dass Russland gegen jeden Atomwaffensperrvertrag  verstieß, den es je unterschrieben hat. Clinton und Obama taten daraufhin nichts als abnicken, während Angela Merkel stets mit der Partnerschaft zwischen Russland und Deutschland hausieren geht. Für alle liberalen Schnarchnasen da draußen, die meinen, das liege darin, dass die Zonenwachtel noch nicht mitbekam, dass die deutsch-sowjetische Freundschaft nicht aktuell sei, möchte ich versichern, dass Ihr Euch irrt, es geht darum die Amis loszuwerden und ihr Eurasisches Reich aufzubauen. 

Haben Sie es mitbekommen? Gerhard Schröder hatte dieser Tage gewettert, die USA behandeln Deutschland wie ein besetztes Land und Deutschland solle die Nähe zu China suchen. Also eine Diktatur mit einem landesweiten Gulagsystem, mit Hammer und Sichel über jedem Lagertor. Nee, schon klar Schrödi!

Als die US-Politikerin Kay Bailey Hutchison (NATO-Botschafterin der USA) von den russischen SSC-8 und Novator 9M729 Missiles sprach, als Verletzung der Atomwaffensperrverträge, trommelte Radio Eriwan los, Hutchison habe mit dem Abschuss russischer Raketen gedroht. Die Politikerin bestritt dies. Doch der Kreml-Funk schlachtete es aus und sprach von der US Bedrohung. Voilà da haben wir es wieder. Nicht die Atomwaffen, die auf Ziele in ganz Europa zielen sind eine Bedrohung, sondern diejenigen, die vorhaben, sich gegen die russischen Missiles zu verteidigen. Also wie gehabt, wer sich gegen den russischen Imperialismus wehrt, ist ein Aggressor und bedroht die russische Föderation.

Und auch die seriöse deutsche Presse bellt bereits, dass der US-Präsident, wie ein Alleinherrscher, plant sich aus dem INF-Vertrag zurückzuziehen (gegen den der Kreml von Anfang an verstieß), und er fragte noch nicht einmal Russland oder China (übrigens: Peking hat mit dem INF-Vertrag gar nichts zu tun), ja noch nicht einmal Pentagon, US-Kongress und noch nicht einmal sein eigenes Kabinett. Nee, nee, nee dieser Trump muss ja wirklich ein ganz schlimmer Mensch sein! Apropos, es gibt keine Vorschrift, die den US-Präsident dazu verpflichtet, besagte Erlaubnis von besagten Fraktionen einzuholen. Es ist nur vorgesehen, dass ein US-Präsident die Erlaubnis der Exekutive bekommen muss, was bedeutet, er muss es sich selbst erlauben, was wohl nicht sonderlich schwer werden sollte.

(Bis jetzt gibt es übrigens keinen tatsächlichen Plan des Weißen Hauses INF zu verlassen, sondern im Rahmen dieses Vertrages maximalen Druck auf Moskau auszuüben. Es könnte sein, dass Washington damit erreichen will, dass der Kreml den Schwarzen Peter akzeptiert und seinerseits der INF aufkündigt.)

Es ist auch nicht so, dass der Kreml sonderlich böse ist, wenn die USA aus INF austreten. Dann müssen sie ihre Aufrüstungen nämlich nicht mehr heimlich betreiben. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Kreml-Heinis gerade den Moralischen raushängen lassen und vor den Folgen eines Austritts der USA aus dem INF warnen. Das ist nämlich wieder mal so eine Publicityaktion für die europäischen Warmduscher, denn die liberalen Dummschwätzer sind gerade unser Hauptproblem, weil die noch nicht einmal den Durchblick erhalten, selbst wenn Wladimir Putin mit dem Zaunpfahl winkt.

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!


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