Mittwoch, 15. August 2018

Türkei in Problemen. Kapital Kontrollen befürchtet.

Erdogan bestreitet, dass er sie benutzen wird, aber Investoren haben Grund zur Sorge. Das erste Werkzeug, das den meisten einfällt, ist den Kapitalfluss zu kontrollieren und zu hoffen, jetzt wird alles gut. Besonders, wenn man dann den Umtausch in Devisen verbietet.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Recep Tayyip Erdogan daran denkt. Insbesondere da er den Leitzins nicht erhöhen will, was den Absturz der Lira - der sich heute fortsetzte - stoppen würde. Dies könnte funktionieren, wäre die Türkei ein isoliertes, Rohstoffreiches Land und daher unabhängig von Importen und die Wirtschaft müsste geschützt werden. Allerdings trifft dies nicht auf die Türkei zu.

Freilich hatten derartige Methoden der Finanzminister Berat Albayrak, zufälligerweise mit der Tochter von Erdogan verheiratet, kategorisch ausgeschlossen, doch war das, als er nach Petrodollars möglicher Investoren in den Golfstaaten suchte.

Um Erdogan gibt es keine weisen Ökonomen mehr, zumindest keine, auf die er höhren würde. Seine Idee Strafzölle auf US-Produkte zu erheben, um einen Gegendruck auf die US-Ökonomie zu schaffen, muss als schlechter Witz angesehen werden. Die Exporte der USA in die Türkei belaufen sich auf schlappe eine Milliarde. Mit etwas Glück wird Washington auf eine Art und Weise antworten, die tatsächlich wehtut.

Emerging-Markets-Investoren und Analysten, wie Mark Mobius und AllianceBernstein, vermuten, dass die Option der Kapitalkontrolle nun immer mehr ins Blickfeld von Erdogan gerät. Allerdings würden die nicht den Effekt haben, den Erdogan erhofft, und die türkische Wirtschaft zerstört.

Das Wirtschaftswunder der Türkei war ein Betrug der Regierungspartei AKP und das Leistungsbilanzdefizit beträgt 6,3 Prozent. Die Fremdwährungsverbindlichkeiten türkischer Nichtfinanzunternehmen beliefen sich Ende Mai auf 337 Milliarden US-Dollar und wurden nur teilweise durch Vermögenswerte in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar ausgeglichen. Diese Währungsinkongruenz von 220 Milliarden Dollar ist kein Problem, solange ausländische Kreditgeber bereit sind, sie weiter zu finanzieren. Doch das dies geschieht, ist sehr fraglich.

Außerdem hat die Türkei nicht ausreichend Devisenreserven. Lediglich 80 Milliarden, die weniger als 10 % des jährlichen BIP ausmachen. Die Regierung muss noch dieses Jahr eine Schuldentilgung von 4 Milliarden und weiteren 16 Milliarden im nächsten leisten. So schnell schmelzen die Reserven auf 60 Milliarden dahin. 

Die Zahlungsunfähigkeit von Banken und Unternehmen könnte bereits sehr bald eintreten. Da der beinahe gesamte Devisenfluss der Staatsschulden ins Ausland geht, ist es sehr gut möglich, das Ankara den Abfluss von Devisen verhindern will. Dann wird es zur Panik unter nicht nur ausländischen Anlegern und Investoren kommen.

Die türkischen Banken verwalten ein Einlagenvolumen von 159 Milliarden Dollar. Doch Erdogan rief bereits die Bürger auf Devisen und Gold in Lira umzutauschen. Dies ist normalerweise ein drastischer Schritt in Kriegszeiten. Wenn Erdogan dies nun schon jetzt fordert, was will er tun, wenn die Lage ernst wird?

Kapitalkontrollen bedeuten zwar den Abbau von Staatsschulden in Devisen, aber die Folgen sind gewaltig. Die Türkei könnte ihre Absatzmärkte verlieren, das türkische Bankensystem zusammenbrechen, da es auf Devisen und Swaps angewiesen ist, Letztere wurden bereits unter Regulierungen durch die Regierung gestellt. 

Direktinvestitionen aus dem Ausland sind bedeutungslos. Doch statt die Wirtschaft zu beleben, wird die Zukunft einer Generation zerstört.

Die türkische Ökonomie ist auf Import und Export angewiesen. Bei Währungskontrollen wird dies nicht mehr möglich sein. Griechenland ist das beste Beispiel für diese Maßnahme. Malaysia tat dasselbe in den 1990ern getan und erholt sich immer noch davon.

Wenn Erdogan nicht der Zentralbank freie Entscheidungsgewalt zurückgibt und zu einer orthodoxen Finanzpolitik zurückkehrt, dann haben die Türken nur noch die Chance Erdogan zu entfernen. Andernfalls steht ihnen eine Katastrophe bevor.

Die Türkei braucht keine Kapitalkontrollen in der Art, wie sie Malaysia oder Griechenland getan haben und wenn man sie anschlägt, wäre das ein Fall von Selbstzerstörung. Die Krise, von der die Wirtschaft heimgesucht wird, könnte mit ein paar kleinen Änderungen in der Politik abgewendet werden. 

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!


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