Mittwoch, 29. August 2018

Russische Regierung verbreitet Fake News über Islamischer Staat

Särge der Opfer des IS-Selbstmordbombers von Suwayda, Syrien. Anlässlich eines Massenbegräbnis vom 26. Juli 2018. Herausgegeben von der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA.


Am 17. August brüskierte sich die Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, auf Facebook, über eine angekündigte Syrien-Hilfe aus Washington und versuchte, dies als Fake News der US-Regierung darzustellen:


"MEDIEN: "DER REGIERUNGSGESANDTE BESTÄTIGT, DASS WIR 230 MILLIONEN VON MILLIARDEN SENDEN WERDEN, ZUR STABILISIERUNG VON SYRIEN"
Richtig: ISIL ist nicht mehr da, die unversöhnlichen Kämpfer sind weg, die Weissen Helme sind auch evakuiert. Wer braucht Geld in Syrien? Nun, das Außenministerium wird kein friedliches Leben sponsern.


Ich habe hier schon einige Male darauf verwiesen, dass die Sacharowa in pietätloser Weise in unpassenden Momenten zu lügen beginnt, wie die Prawda persönlich. Die Einmischung von Donald Trump in die russische Hegemonialbestrebungen, zu ihrem Imperialismus eines eurasischen Reiches, stießen in Moskau von Anfang an übel auf. Der Vorgänger Barack Obama hat den Moskalzaren auch stets gewähren lassen, bzw. dem Putin noch als Steigbügelhalter gedient. 

Doch diese Unverschämtheit, nachdem schon oft die Nachricht durchsickerte, dass die russischen Truppen erstaunlich geringes Interesse am Islamischer Staat zeigten und vielmehr die anti Assad-Aufständischen bombardierten, nun die Existenz des IS zu leugnen, passt freilich zur Leugnung einer Krimbesetzung.

Das seltsame Gebärden der sibirischen Hunnen, um die Weltöffentlichkeit aus Syrien draußen zu lassen ist höchst merkwürdig, und geht so weit, dass der Kreml umfangreiche Vetorechten in der UNO einsetzte, um sein Monopol auf Syrien zu wahren. Einschließlich der Sabotage internationaler Untersuchungskommissionen, zu den Giftgasanschlägen, an denen russische Gesandte sich schließlich hätten beteiligen können. Was wollen sie dort verbergen? Etwa das Assad lediglich eine Marionette ist, um den Eindruck eines souveränen Syriens aufrecht zu erhalten? Das ist außerhalb der Lager von Hilfsrussen kaum noch möglich. 

Die Sacharowa geht hier sogar so weit, anzudeuten, dass das Geld aus Washington dafür bestimmt ist neue Unruhen anzustiften, bzw. einen Ersatz für den Islamischer Staat zu schaffen. Immerhin spricht sie als Sprecherin des Außenministeriums und repräsentiert damit die russische Regierung. Aber Sacharowa lügt eben, wenn sie behauptet, der IS sei nicht mehr existent. Ein Bericht des Verteidigungsministeriums schätzt, dass der Islamische Staat derzeit fünf Prozent des syrischen Territoriums kontrollieren könnte.

Gut möglich, dass tatsächlich bald wieder der IS aktiv wird, und Radio Eriwan bereits frühzeitig diverse Gerüchte in Umlauf bringt, die Washington dafür die Schuld geben. Aber wir können sicher sein, dass man letztlich doch wieder auf russische Pässe und Verweise zur Wagner Group stoßen wird, wie es beim IS bereits der Fall war.

Dass Sacharowa kein verwirrter Einzelfall ist, sondern einer vorgegebenen Politik folgt, zeigt, dass der Moskalzar, Wladimir Putin, höchst persönlich im vergangenen Dezember behauptete, dass der Islamische Staat nicht mehr in Syrien existiert. Doch Ende Juli gab es dann einen blutigen Angriff des IS auf die Stadt Suwayda. Die Russen taten jedenfalls nichts, als die ca. 56 IS-Kämpfer von Haus zu Haus gingen, um Menschen zu erschießen, bis ihnen die Munition ausging, dann töteten sie weiter mit ihren Sprengsätzen. 246 Tote und 180 Verletzte waren das Resultat. 46 Drusen wurden verschleppt, ihr Schicksal ist im Moment unbekannt. Lediglich eine Geisel wurde tot aufgefunden.  Und die russische Regierung hat dazu nichts anderes zu sagen, als die Existenz des IS zu leugnen. Da kommen Fragen auf, in wiefern hat Russland die Lage überhaupt im Griff in Syrien, oder Packtieren sie mit einander. Was geschah wirklich in Suwayda, als die Russen wegsahen?

Verwunderlich ist, dass sich die russische Regierung beim Leugnen der Existenz von IS selbst widerspricht. Erst am 9. August berichtete das russische Verteidigungsministerium, dass die Kämpfe von IS in einigen Gebieten Syriens "eskalieren". Wie kommt Sacharowa darauf, dass es den IS gar nicht mehr gibt? Immerhin liegen zwischen der Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums und jener der Sprecherin des russischen Außenministeriums lediglich eine Woche. Noch dazu wo selbst RT über das Gemetzel in Suwayda als den schlimmsten IS-Terror seit sieben Jahren berichtete:


Das merkwürdige an Suwayda ist, dass es den Beinamen Kleines Venezuela trägt, da 60 % der Bevölkerung aus Venezuela einwanderten und weiterhin die Staatsbürgerschaft beider Staaten halten. Die Stadt war ein Hort der anti-Maduro Aktivitäten, die über die sozialistische Diktatur des Verbündeten Moskaus aufklärten, so wie Rhetorik gegen den russischen Imperialismus führten. Ebenso war das Lager der Hispano-Araber-Kommunisten sehr ausgeprägt. Es ist höchst erstaunlich, dass, unter allen Möglichkeiten, der IS ausgerechnet diese Stadt angegriffen hat und die Helden der russischen Armee ausgerechnet in diesem Moment anderweitig beschäftigt waren. 

Die Gelder, die Washington bereitstellt, werden mit Beiträgen anderer Verbündeter (darunter Saudi Arabien) ergänzt und dienen den seit geraumer Zeit von den USA unterstützten syrischen demokratischen Kräften, die von der Partei der Kurdischen Demokratischen Union (PYD) und ihren bewaffneten Gruppen, der YPG / YPJ (Volksschutzeinheiten / Frauenschutzeinheiten). Genau dies sind übrigens die Kräfte, gegenüber denen Moskau die Marionetten Regierung von Assad zwingt einen Genozid vorzubereiten. Die US-Truppen unterstützten diese Gruppen 2017 bei der Befreiung von Raqqa, der damaligen Hauptstadt des IS, mit Artilleriefeuer und Luftwaffe. Doch Moskau war darüber nie glücklich und das ist verwunderlich für die Regierung der Moskals, die doch vorgeben aus humanitären Gründen den IS zu bekämpfen und sich diesbezüglich dem Westen als Partner anbieten. Der Chef des Bundesamt für Verfassungschutz reiste deswegen extra nach Moskau, um sich bei der Terrorbekämpfung abzusprechen. Nachdem Hans-Georg Maaßen die deutschen Strategien in Moskau groß und breit erläuterte, kam es übrigens auch in Deutschland zu einer Eskalation des IS-Terrors. Ich will damit nicht andeuten, dass Maaßen sich diesbezüglich mit Moskau verschworen hätte, sondern das er auf den Posten als Leiter des BfV gesetzt wurde, weil seine Vorgesetzten genau von seiner Blauäugigkeit wussten, mit denen dieser einer aggressiven und uns feindlich gesinnten Spezies gegenüber tritt. RuSSland ist der Feind und es gibt gar keinen Zweifel daran, dass Moskau Einfluss auf den IS ausübt und sich dem bedient.

Das zynische Kommentar von Sacharowa war die russische Antwort, auf die Erklärung aus Washington, das Geld diene als Beitrag dafür, sicherzustellen, dass der IS sowohl in Syrien, als auch Irak "ausgerottet" werden wird. Offenbar hat die russische Regierung damit ein Problem.

Auch Sacharowa weiß natürlich, dass niemand so effektiv gegen den IS operierte, wie die USA unter der Trump-Adminsitration. Wohingegen Russland und Iran das Chaos des IS erstaunlich erfolgreich nutzen, um sich dick und fett in Syrien und Irak einzunisten, und zwar im Zuge ihrer imperialistischen Politik. Der IS war doch nur das Alibi, um einzumarschieren, so wie damals die Rote Armee Europa erobern wollte unter dem Alibi den Kontinent von den Nazis befreien zu wollen. Befreien wohl gemerkt, nachdem sie jahrelang bei der Aufrüstung der Nazis halfen. Sie hatten also das Problem selbst erzeugt. Des Weiteren leistet die USA nicht nur militärische Hilfe, sondern ist auch der Hauptsponsor für Hilfsgüter. 7,4 Milliarden Dollar hat Washington zum Wiederaufbau Syriens bereitgestellt. Dahingegen hört man bei russischen Nachrichten, abseits von AgitProp nichts anderes als, russische Truppen haben von US-Missilkreuzern schon wieder eins auf das Maul bekommen oder russische Söldner greifen, gegen IS kämpfende US-Truppen an und enden in einem Gemetzel. Dem von der US-Wirtschaft kontrollierten Weltfinanzsymstems war es gelungen, die Bargeldbestände des IS stark zu reduzieren. Ausgerechnet dieses System kritisierte vergangene Woche Heiko Maas und verlangte ein unabhängiges europäisches System, um explizit den US-Sanktionen die Wirkung zu nehmen. Und Sacharowa war es damals gewesen, die behauptete es seien die USA, Saudi Arabien und Israel, die den IS finanzieren, dabei waren deren Banker die russischen Alliierten in Katar.

Von Anfang an hatte ich hier gesagt, dass Russland und Iran den IS benutzen, um ihre Macht ans Mittelmeer auszudehnen. Es ist ja erstaunlich, wie der IS durch den Nahen Osten raste und sich konsequent beide Staaten dann als Nutznießer festsetzen. Und eines ihrer wichtigsten Ziele war es dem Kreml, seine Truppen an die Grenze Israels zu bewegen. Zuerst die Hisbollah vom Iran und als dies zu viel Wirbel erzeugte, wurden die gegen Russen ausgetauscht. Und wer das mit zu verantworten hat, ist Barack Obama und Hillary Clinton. Obama ließ die Truppen im Irak reduzieren und schuf damit ein Machtvakuum, dass den Islamischen Staat erstarken liess und ermöglichte, dass Russen und Iran sich im Norden festsetzten, wo der Moskau hörige Barzani Clan das Sagen hat. Und Obama verhinderte, dass das US-Militär in Syrien eingriff, sodass der Kreml bei seinen Expansionsplänen nicht gestört wurde. Warum schützen russische Truppen und Terroristen des Islamischer Staat im Iran die Grenzen des "souveränen" Staates Syrien, statt des syrischen Militärs?

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!


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