Dienstag, 14. August 2018

Ist der Kreml etwa Erdogans Puppenspieler?

Die Beziehungen zwischen den USA und der Türkei verschlechtern sich fast so schnell wie die türkische Lira. Der türkische Sultan Recep Tayyip Erdogan hat am Samstag in einer Rede an der Schwarzmeerküste den ultimativen Schritt gegen einen Verbündeten gemacht: Er drohte mit einem Wechsel des Teams. Also von nun an wird man in der Türkei Russisch sprechen.

"Bevor es zu spät ist, muss Washington die fehlgeleitete Vorstellung aufgeben, dass unsere Beziehung asymmetrisch sein und sich damit abfinden kann, dass die Türkei Alternativen hat", sagte er der versammelten Meute. Wenn die "Respektlosigkeit" weitergeht gegen Groß-Dönerstan, wird Erdogans Sultanat "neue Freunde und Verbündete" suchen. Heute legte er noch einen drauf und forderte einen Boykott des iPhone. Bildet der sich wirklich ein, dass ihn jemand vermissen wird? Ich meine außer den Grauen Wölfen, aber okay, die sind in Deutschland.

Mit neuen Freunden meint Erdogan Russland und in geringerem Maße Iran. Wie die Türkei werden auch die von egozentrischen Narzissten angeführt, sehen sich den Sanktionen der USA gegenüber. Sie kooperieren bereits bei der Besetzung Syriens, während sie gleichzeitig die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen stärken.

Kein Wunder, dass die Lira, trotz der bescheidenen Erholung am Dienstag, am abkacken mit. Auch die Währungen von Russland und dem Iran leiden darunter.


Russland und die Türkei haben eine Geschichte der Zusammenarbeit als auch des Konflikts. Die beiden haben sich in mindestens einem halben Dutzend Kriegen gegenseitig bekämpft, hauptsächlich angefangen von Russland. Aber es war die bolschewistische Regierung nach 1917 in Moskau, die die post-osmanischen Nationalisten gegen die Republik der Türkei unterstützte. Lenin hat sogar begeistert, dass die neuen asiatischen Führer schnelle Studien vollziehen könnten, "in das sowjetische System übergehen und in bestimmten Phasen der Entwicklung zum Kommunismus." Die Stahl- und Aluminiumindustrien, die Gegenstand der neuen Sanktionen von Donald Trump sind, wurden gebaut mit sowjetischer Hilfe in den 1960er Jahren.

Mit dem NATO Beitritt galten diese Beziehungen eigentlich als unbedeutend. Doch achte man dabei, wie in Deutschland, die von Moskau geführte Die Linke konsequent mit selbigen türkischen Nationalisten, Graue Wölfe, buhlte, oder mit der NSU die Morde des türkischen Geheimdienstes an PKK Mitglieder deckte.

In Syrien, wo sich die Türkei seit Langem gegen Bashar al-Assad gestellt hat, waren die Beziehungen an einen Tiefpunkt "offiziell" angelangt, nachdem die Türkei 2015 ein russisches Kampfflugzeug abschoss. Erdogan entschuldigte sich 2016 bei Putin und beide sind seitdem ein Herz und eine Seele.

Eine Kombination von Dingen hat den Wandel ausgelöst. Nach der türkisch-sowjetischen russischen Freundschaft beschränkte sich Erdogan, darauf seine Sympathie für die Kurden in Syrien zu demonstrieren: ritsch ratsch Rübe ab.

Die Veränderungen vor Ort in Syrien und ein wachsendes Misstrauen zwischen der Türkei und den USA, das in dem Streit um die türkische Verhaftung eines amerikanischen Pastors gipfelte, ebneten den Weg für eine weitere amoröse Despoten-Beziehungen zu Moskau. Die Entscheidung der Türkei, russische S-400-Boden-Luft-Raketen zu kaufen, eine beispiellose Entscheidung für ein NATO-Mitglied.

Und doch ist es seltsam, dass eine gemütliche Beziehung zu Russland das gleiche Machtungleichgewicht aufweist, das Erdogan in seinen Beziehungen zu westlichen Ländern so übel nimmt. In der Tat scheint Russland alle Fäden zu ziehen. Ist der Kreml etwa Erdogans Puppenspieler?

Russland liefert mehr als die Hälfte der türkischen Gasressourcen, und die neue TurkStream-Pipeline, die Gazprom im nächsten Jahr fertigstellen will, wird diese Abhängigkeit verstärken. Erdogan übergab dem russischen Atomkraftwerk Rosatom auch die Rechte für den Bau des Kernkraftwerks Akkuyu in der Türkei - ein 20-Milliarden-Dollar-Objekt der russisch-türkischen Zusammenarbeit. Rosatom stellte die Finanzierung zur Verfügung und bekam 51 Prozent der Anteile. Akkuyu wird Berichten zufolge 10 Prozent des türkischen Energiebedarfs decken.

Der Handel der Türkei mit Russland wächst, aber es ist nichts, entgegen seiner wirtschaftlichen Interessen in Europa. Mehr als 80 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in der Türkei zwischen 2002 und 2016 kamen aus dem Westen. Nur 6 Prozent kommen aus Russland. Die Exporte nach Russland sind 2017 stark gestiegen, liegen aber immer noch unter 2 Prozent, deutlich hinter Deutschland, den USA und sogar dem Irak.

Es ist schwer zu sehen, wie Erdogan angesichts der wirtschaftlichen Misere Russlands viel mehr vom Moskauer Handel erwarten kann. Er hat davon gesprochen, beim Handel der Türkei mit Russland und anderen Ländern lieber nationale Währungen als den Dollar zu verwenden, eine Idee, die von Russland stammt.

Russlands sowjetischer Vorgänger musste auf Tauschhandel, Gegenhandel und verschiedene bilaterale Clearingverträge zurückgreifen, um die Tatsache zu ignorieren, dass den Rubel keine Sau will. Rubel war die Leitwährung innerhalb des Ostblocks, doch hätten alle lieber gerne Begrüßungsgeld gehabt, hätten sie nicht sonst von der Roten Armee einen Gewehrkolben in die Fresse bekommen. Die jetzigen Handelsabkommen zwischen Türkei und Russland erinnern sehr an die damaligen Methoden von Comecon.

Kann es sein, dass Erdogan das wirtschaftliche Defizit nicht realisiert? Wer weiß!

Erdogan hatte schon sehr lange den Wunsch geäußert, die Türkei von den USA zu trennen. Doch das Volk sah es anders, und so muss man dem Volk einfach genug Grund liefern , die sie glauben machten: Nee, das mit den USA geht so nicht! Nichts anderes versucht ja auch die Merkel.

Für Erdogan waren immer nur Machtkalkül von Bedeutung, nie wirtschaftliche Bedenken, weil, was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht. Doch bipolar wie er ist, könnte er seine Meinung ständig ändern.


Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!


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