Montag, 25. Mai 2015

Stalin unterstützte Hitler

Beide haben sich nie getroffen.Es besteht jedoch Veranlassung anzunehmen, dass Stalin Hitler gegenüber Achtung, Sympathie, möglicherweise sogar Freundschaft empfand. Anders jedenfalls kann man die folgende Äußerung Valentin Bereshkows auf einer round-table-Diskussion nicht verstehen. Der Dolmetscher Stalins sagte nämlich:
"Meiner Meinung nach spielte auch die Tatsache eine Rolle, dass, obwohl sich Stalin und Hitler nie trafen, zwischen ihnen eine persönliche Beziehung bestand. Als in Deutschland die Nacht der langen Messer' stattfand, fragte Stalin auf der ersten Sitzung des Politbüros: 'Haben Sie gehört, was in Deutschland passiert ist? Hitler, das ist ein toller Bursche! So muss man mit politischen Gegnern umgehen.' Darüber berichtete mir Anastas Iwanowitsch Mikojan, der an dieser Sitzung teilnahm." (zitiert in: BÜHL, Achim (Hrsg.): Der Hitler-Stalin-Pakt. Die sowjetische Debatte. Köln 1989. )

Es steht außer Frage, dass Stalin über die Vorgänge in Deutschland bestens unterrichtet war. Wahrscheinlich gab es einen regen Gedankenaustausch und einer inspirierte sich am anderen. 

Das sie zusammenarbeiteten, schon vor dem Hitler-Stalin Pakt, dass geht hervor aus dem Umstand, das Stalin Befehle gab, woraufhin Molotow die Kommunistische Partei Deutschlands anwies, sie müssen für die Sache der NSDAP stimmen, bzüglich deren Volksentscheid gegen die sozialdemokratische Regierung in Preußen. (Die Komintern und Stalin. Sowjetische Historiker zur Geschichte der Kommunistischen Internationale, Berlin 1990, S. 106.) 

Die ganze Zeit über machte die KPD der NSDAP keine Probleme, sondern befasste sich mit der SPD, ebenso wie die NSDAP. Sehr interessant!
Gemäß der Aussage des sowjetischen Historikers Daschitschew unterstützte Stalin die Machtübernahme der NSDAP 1933.
Der Nichtangriffspakt vom August 1939 war von Litwinow ausgearbeitet worden. Zum Endgültigen Abschluss kam aber Molotow. Litwinow war Jude und deshalb im Mai 1939 weggeschafft worden.
Unzweideutig dagegen ist der Toast, den Stalin anlässlich des Abschlusses des Nichtangriffspaktes im Beisein Ribbentrops (Außenminister Deutschlands) mit folgenden Worten aussprachte: 
"Da das deutsche Volk seinen Führer so sehr liebt, wollen wir auf die Gesundheit des Führers trinken." (zitiert in: BÜHL, Achim (Hrsg.): Der Hitler-Stalin-Pakt. Die sowjetische Debatte. Köln 1989. S. 9).

Stalin hatte Mein Kampf gelesen, wie sein Biograph Wolkogonow berichtet. Stalin wusste also um Hitlers Ziele. Offenbar aber faszinierten ihn sein Programm und seine Vorgehensweise. Die spontanen Äußerungen zu Mikojan und im Toast auf Hitler, 'sowie der unbedingte Versuch, sich Hitler anzunähern und später engere Kontakte zu Hitlerdeutschland herzustellen, deuten doch wohl auf ein offensichtliches Faible Stalins für Hitler hin. Diese subjektive Neigung fand dann auch in die große Politik Eingang.

Auf dem 18. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion am 10. März 1939 werden England und Frankreich als Hauptkriegstreiber dargestellt, die Deutschland bedrohen. Der Botschafter Graf Werner von der Schulenburg schrieb deshalb, verwundert in seinem Bericht, "dass sich die Ironie und Kritik Stalins erheblich schärfer gegen England, d.h. die regierende englische Reaktion wendete als etwa gegen die sogenannten Angreiferstaaten und insbesondere Deutschland." (HASS, Gerhard: 13. August 1939. Der Hitler-Stalin-Pakt. Dokumentation. Berlin 1990., S. 27).
Und der Militärattaché General Köstring schreibt am 13. März 1939 an General von Tippelskirch überrascht: "Man muss sich fragen, welchen Zweck befolgt Stalin damit dass er uns ausgesprochen milde, wenn nicht gar wohlwollend behandelt? Andererseits, England, Frankreich und die USA als Hetzer zu einem Kriege Russland Deutschland anprangert. Letztere Staaten kommen entschieden schlecht weg." (HASS, Gerhard: 13. August 1939. Der Hitler-Stalin-Pakt. Dokumentation. Berlin 1990., S. 96).

Am 28. September 1939, nach der Niederwerfung Polens, wird ein deutsch-sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag ausgehandelt, der der UdSSR die Besetzung, der nach 1918 zu Polen gekommenen Gebiete bis zur sog. Curzon-Linie erlaubte und auch ihre Interessen im Baltikum, sprich Einverleibung der seit 1918 selbständigen Staaten Estland, Lettland und Litauen, wahrzunehmen.
Hier springen Parallelen zu Hitlerdeutschland in die Augen. Hitler hatte sich mit Billigung bzw. Duldung der Westmächte Österreich und einen Teil der Tschechoslowakei einverleibt, letztere war auch erst nach 1918 selbständig geworden. Was tat eigentlich Stalin mit Hilfe Hitlers anderes als Hitler mit Hilfe der Westmächte?

Oder wie ist es zu erklären, dass es am 22. September 1939 eine gemeinsame Truppenparade deutscher und sowjetischer Truppen in Brest-Litowsk, abgenommen von Brigadegeneral Kriwoschein und General Guderian, gab? Dieser symbolische Akt ist sicher als Höhepunkt der Annäherung an Hitlerdeutschland anzusehen.
In der Folgezeit wird die Annäherung der Sowjetunion an Hitlerdeutschland auch in Stalins Innenpolitik erkennbar. Der bisherige Kurs antifaschistischer Propaganda wurde aufgegeben. Die antifaschistische Zeitung Die Deutsche Zeitung wurde verboten und ihre Leitung verhaftet. 
Hitlerreden wurden auszugsweise in der Prawda veröffentlicht, und Wolfgang Leonhard weiß zu berichten, dass in der Bibliothek für ausländische Literatur manchmal Nazizeitungen auslagen, und in der Öffentlichkeit konnte man manchmal Worte hören wie: Hitler Molodez (Prachtkerl) (LEONHARD, Wolfgang: Der Schock des Hilter-Stalin-Paktes. München 1989, S. 76-79).

Nach der Niederwerfung Polens und dem Vorrücken der Roten Armee bis zur Curzon-­Linie wurden weitere Übereinkünfte mit Hitlerdeutschland Realität. So wurden in der Folge von Stalin Hunderte von Kommunisten, die in der Sowjetunion unter falscher Anschuldigung mit und ohne Urteil in die Arbeitslager gesperrt worden waren, im Zuge der "Repatriierung" an die Gestapo ausgeliefert. Margarete Buber-Neumann möge hier als Beispiel dienen. Sie kann aus einem Gulag in Karaganda ins Frauen-KZ Ravensbrück (BUBER-NEUMANN, Margarete: Gefangene bei Hitler und Stalin. Köln 1952).

Wie konnte es dazu kommen, wenn die Sowjetunion Kommunistisch war und Deutschland das Gegenteil? Der erste finnische Staatspräsident nach 1945, Paasikivi, weist in seinen Memoiren, auf die Ähnlichkeiten der Systeme Hitler-Deutschlands und der Sowjetunion hin, die diese Zusammenarbeit erleichtert hätten. (vgl. LEONHARD, Wolfgang: Der Schock des Hilter-Stalin-Paktes. München 1989, S. 48).


Als 1945 Hitlerdeutschland bedingungslos kapitulierte, konnte Man überall Tafeln sehen, auf denen zu lesen stand:
"Die Hitler kommen und gehen, das deutsche Volk, aber der deutsche Staat bleibt. - J. Stalin."
Das war Stalins Epilog für sein Hitlerfaible, nur das hatte Millionen Menschen unsinnigerweise das Leben gekostet.

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