Eine kleine Hilfe zum Erkennen und Ausstieg aus der sozialistischen Matrix.

Freitag, 30. November 2018

Die schwulen Nazis und das rosa Dreieck

Nach der Nacht der langen Messer endete die Bewegung der Schwulen, innerhalb der NS-Strukturen keineswegs. Doch führt es uns natürlich an das Phänomen vom Rosa Dreieck heran, mit dem inhaftierte Homosexuelle in KZs markiert wurden. Warum sollten Schwule andere Schwule verfolgen?

Tatsächlich handelte es sich bei den mit dem rosa Dreieck markierten Inhaftierten ausschließlich um Personen, die nach § 175 des Strafgesetzbuches verurteilt wurden. Doch dann kommen wir bereits zum großen aber. Nicht alle Verurteilten waren tatsächlich homosexuell. Bei einigen handelte es sich auch um Kritiker des NS-Staates, insbesondere Priester wurden in gefälschten Prozessen dann daraufhin verurteilt. Auf diese Weise wollten die Nazis der Öffentlichkeit die politische Verfolgung der Priester verschleiern. Auch gab es einige Anführer von Jugendgruppen, die sich der Eingliederung in die HJ verweigerten.

Natürlich gab es auch echte Homosexuelle darunter, die aber normale Bürger waren und für die NS-Strukturen keine Bedeutung hatten. Homosexuelle, die in die NS-Strukturen integriert waren, wurden weitgehend ignoriert, wenn man von Ernst Röhm und Umfeld absieht.

In den KZs starben zwischen 6000 und 10000 aufgrund §175 Inhaftierte. Homosexuelle wurden allerdings nicht vergast, was darauf hindeutet, dass sie bessergestellt waren als Juden oder Sinti und Romas, oder auch Behinderte.

Zum Teil konnte man in Fällen nachkonstruieren, dass rosa Dreieck Inhaftierte von Wachen der SS, aber auch Kapos unter ihren schwulen Mithäftlingen getötet wurden. Es scheint zunächst verwirrend, warum Homosexuelle andere Homosexuelle töten sollten. Doch ist dieser Gedankengang vollkommen unlogisch, denn niemand wundert sich über einen heterosexuellen Mann, der einen anderen heterosexuellen Mann tötet. Oder warum sollte eine Frau eine andere Frau töten. Der Ansatz dieser Denkweise ist also vollkommen falsch. 

Die Motive hin oder her, doch tatsächlich ist der einzige Grund, warum ein Mensch einen anderen tötet, weil er es will und weil er in der Situation ist es tun zu können. Das Motiv dazu mag variieren, doch eben Macht ist ein gewiss sehr bedeutendes, insbesondere in der Situation von Wachpersonal gegenüber Inhaftierten, oder der sich stets entwickelnden Hackordnung unter den Gefangenen.

Viele Leute glauben, dass die Gefangenen eine solidarische Gemeinschaft in den Konzentrationslagern bildeten, da sie dasselbe Los teilten. Das ist unsinnig, es ist die purste sozialdarwinistische Gesellschaftsordnung, die man sich vorstellen kann. Menschliche Regungen sind die absolute Ausnahme, es geht um Macht und das Ausleben von Macht. Und dieses Verhalten wird skrupelloser und sadistischer je größer die Chance ist, das man keine Gegenwehr zu erwarten hat.

Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft hatte die Struktur der homosexuellen Szene, in der Weimarer Republik, in Butches (männlich) und Fems (weiblich) unterteilt. Die Begriffe sind bis heute üblich geblieben und schon damals untersuchte das Institut die Verachtung der Butches für die Fems. 

Gordon Westwood, ein Forscher der homosexuellen Bewegung, machte deutlich dass Butches oft die Diskriminierung durch Heterosexuelle beklagen, selbst aber entsprechendes oder schlimmeres Verhalten gegen die Fems praktizieren. Sein Kollege H. Kimball Jones berichtete, das Fems in der homosexuellen Szene großer Gewalttätigkeit ausgesetzt sind. Er meinte Begriffe wie "entartete Schwuchtel" seien sehr gebräuchlich. 

In The Gay Report, wo die Forscher Jay und Youngs die homosexuelle Bewegung in den USA, Ende der 1970er untersuchen, wird berichtet, dass viele Schwule den Fems Ablehnung entgegenbringen. Einer der von ihnen Interviewten beschrieb das Verhalten der Fems als bösartig und zerstörerisch, weil es Frauen und schwule Männer erniedrige. Ein anderer Butch begründete seine Abneigung damit, das eine Fem selbstsüchtig, kleinlich und intrigant sei.

Die gegenüber den Fems grausamste Gruppe seien jedoch ausgerechnet jene Homosexuelle, die sich betont männlich geben. C.A.Tripp schreibt in The Homosexuell Matrix, dass  "eine Reihe extrem maskuliner, manchmal supermaskuliner Homosexueller ist .... Sie sind mit allem, was männlich ist, überlastet und verzichten auf etwas Schwaches oder Verweiblichtes .... Sie stellen zweifellos die Inbegriff dessen dar, was passieren kann, wenn eine erotische Männlichkeit die volle Unterstützung eines Wertesystems erhält ...“ Die Sexologen Donald W. Cory und J. LeRoy beschrieben in ihrer ausführlichen Diskussion der homosexuellen Kultur:

"Hier streben robuste, pralle Männer in engen Latzhosen, Lederjacken oder dicken Schuhen, dunkle Wollhemden und manchmal Motorradhelme nach einem super-männlichen Ideal. In der Maske der Zähigkeit liegt manchmal eine gefährliche Persönlichkeit, die sich physisch ausdrücken kann, indem erotisches Vergnügen durch Gewalt ersetzt wird. in der Lage, sexuelles Vergnügen nur zu empfangen, indem es Schmerzen zufügt (oder empfängt). Die allgemeine Atmosphäre an solchen Orten ist unruhig und brütend, und man kann nie sicher sein, wann das Dynamit der Gewalt ausbrechen wird."
Liest man diese Szene, stellt man sich sofort die Atmosphäre im Münchener Szenetreff Bratwurstglöckl vor, wo sich SA-Größen wie Erich Röhm trafen. Dort wo sich die Braunhemden in der Anfangszeit zu treffen pflegten, waren genau solche Schwulenkneipen in München. Man muss eben nur die Bekleidung austauschen, doch die Charaktere sind dieselben. 

Bei Greenberg erfahren wir über Homosexualität unter den "Deutschen" (eigentlich: Germanen) im ersten Jahrhundert nach Christus:

"Als der Krieg für die Deutschen immer wichtiger wurde, dominierten die männlichen Krieger und ihre Kultur, und der Status der Frauen nahm ab. Effeminität und ähnliche Homosexualität wurden zunehmend verschmäht und unterdrückt ... Die (Fem) ... wurde als widerwärtiges Monster dargestellt .... Diese Stigmatisierung erstreckte sich nicht auf aktive männliche Homosexualität (Butch). [Später ging die Akzeptanz von männlich orientierter Homosexualität unter dem Christentum zurück, das] offiziell gegen alle Formen der Homosexualität war."

Keiner der erwähnten Sexologen impliziert, dass alle Homosexuellen unter das eine oder das andere dieser beiden simplen Stereotypen fallen. Die Ausdrücke "Butch" und "Fem" werden in diesen Studien lose verwendet, um zwei ideologische Extreme zu unterscheiden, die sich auf das Wesen der homosexuellen Identität beziehen. In dieser Arbeit werden die deutschen "Fems" im Allgemeinen als homosexuelle Männer definiert, die sich wie Frauen verhalten, allerdings auch wie durchschnittliche Männer ohne den Drang zum Männlichkeitskult. Sie waren Pazifisten. Ihre Ziele waren Gleichberechtigung mit Heterosexuellen und das "Recht auf Privatsphäre", und im Allgemeinen widersetzten sie sich dem Sex mit kleinen Kindern. Zu dieser Klasse gehörte eben auch Magnus Hirschfeld im Gegensatz zu Erich Röhm und seiner SA, für die es nicht Schlimmeres gab als Deutsche wie Karl Heinrich Ulrichs und Magnus Hirschfeld. 

Die Butches hingegen waren Militaristen, deren großes Vorbild die spartanischen Kommunen waren, wo die Krieger und Knaben für den Krieg eng beieinander lebten. Frauen waren bestenfalls dazu da mehr Krieger zu machen, aber nicht für das Vergnügen. Ihr Ziel war es, die pederastischen militärischen Kulte der vorchristlichen heidnischen Kulturen, insbesondere den griechischen Kriegerkult, wiederzubeleben. Ihre Idole waren in der Weimarer Zeit Adolf Brand und Ernst Röhm und wetteiferten darum, wer wem an Sadismus und Frauenfeindlichkeit übertreffe. Die ideale Gesellschaft war für sie ein Männerbund, heterosexuelle sollten nur zur Erhaltung der Art dienen, wurden ansonsten jedoch als unmenschlich ja unerträglich bewertet.

Unter den Nazi lebten zwischen 1,2 bis 2 Millionen schwule Deutsche, weniger als zwei Prozent kamen in Konflikt mit der Justiz aufgrund § 175. Dies kann man nicht einmal annähernd als gezielte Verfolgung interpretieren.

Untersuchungen zeigen das man bei fast allen der damaligen Verfahren feststellen kann, dass auf den Angeklagten die Beschreibung Fem zutreffend wäre. Kurt Hiller, ein Mitarbeiter von Hirschfeld, erklärte, dass mindestens 75% der Butches mit den Nazis sympathisieren. 

David Fernbach, Übersetzer des Buches Die Männer mit dem Rosa Dreieck, berichtete von einem Überlebenden des KZs Flossenburg, der bestätigte, dass es den Nazis nur um die Verfolgung der Femmes als abartig ging, schon allein deshalb wählte man die Farbe Rosa. Und weiter:

"Natürlich waren in der paramilitärischen Organisation der SA, der Hitler-Jugend usw., selbst in der Elite-SS, die Formen der Homosexualität, die für solche männlichen Männer charakteristisch sind, so üblich wie immer ... das war für Nazis durchaus grundlegend. Die Ideologie, dass Männer richtig 'männlich' sein sollten ... Wenn sich männliche Homosexualität als Kult der 'Männlichkeit' verkleidet, ist dies aus faschistischer Sicht weniger anstößig als die Abschwächung der geschlechtsspezifischen Spaltung, die Homosexualität unweigerlich mit sich bringt."
Und das ist der Grund. warum schwule Nazis andere Schwule verfolgten und in KZs brachten. Die Wurzel waren die beiden konkurrierenden Ansichten zwischen Karl Heinrich Ulrichs und Adolf Brand und führten zu einer überbetonten Männlichkeit in Verbindung mit Narzissmus, der sich in der NS-Bewegung in elitärer Weise integrierte.

Claudia Schoppmann hatte zum Beispiel aufgezeigt, dass Lesben in der NS-Ideologie überhaupt keine Rolle spielten und ihre Existenz ignoriert wurden. In Gegenzug dazu gab es Lesben in der NS-Bewegung, wie etwa Elsbeth Killmer, Redakteurin des damals größten Magazins für Lesben, Die Freundin, eine Aktivistin Hitlers der ersten Stunde.


Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!


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