Donnerstag, 2. August 2018

Russische Journalisten in der Zentralafrikanischen Republik getötet

Am 31. Juli wurden drei russische Journalisten, Orkhan Dzhemal, Kirill Radchenko und Alexander Rastorguev, in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) getötet, als ihr Fahrzeug von unbekannten Angreifern in der Nähe der Stadt Sibut überfallen wurde.

Die getöteten Russen Kirill Radchenko, Alexander Rastorguyew und Orkhan Dzhemal


Im Journalismus der Welt sah diese Nachricht so aus: Drei Russen in Zentralafrikanischer Republik getötet.


Maria Zakharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, berichtet dazu auf Facebook: 

"Es gibt nichts Sensationelles über die Anwesenheit von russischen Ausbildern in der Zentralafrikanischen Republik, niemand hat etwas versteckt. Bereits im März wurde eine Antwort des Sprechers des Vizeaußenministeriums auf die Arbeit der russischen militärischen und zivilen Ausbilder in der Zentralafrikanischen Republik veröffentlicht."

Aha, der Kreml hat also militärische Interessen in ZAR. Und die hängen mit den dortigen Rohstoffen zusammen.

Michail Borissowitsch Chodorkowski berichtet in einer kurzen Stellungnahme davon, dass die drei getöteten Russen, die undercover als Touristen unterwegs waren, über die Söldnerfirma Wagner Group und den russischen Bergbauunternehmen in ZAR Informationen sammelten.

Gemäß Augenzeugen wurden die drei Russen, gegen 19:00 Uhr an einer Straßensperre von etwa 10 arabisch sprechenden Männern, mit Turban, verschleppt und später tot aufgefunden. Dies berichtete Marcelin Yoyo von der Verwaltung in Sibut. Zum Zeitpunkt des Geschehens, versuchten die drei Russen, in den Norden des Landes zu reisen, um dort mit UN-Vertretern zu reden. Ziemlich eindeutig, dass der Feind davon wusste und es würde mich nicht überraschen, wenn der es von den UN-Vertretern selber erfahren hätte. 

Die drei reisten bei Nacht, was entgegen den Vorgaben ihres Arbeitgebers war und befanden sich 20 Km abseits der angekündigten Reiseroute. Warum? Weil die drei Opfer ganz eindeutig nicht ihrem Umfeld trauten. Sie wussten, dass der Feind interne Informationen über sie hatte und glaubten so ihre Überwacher loszuwerden. Offensichtlich ein Irrtum. Es waren UN-Friedenstruppen, die die drei Leichen dann mit multiplen Schusswunden fanden. 

Das russische Außenministerium präsentierte den Mord, wie einen Raubüberfall. Doch Andrei Konyakhin, der Chefeditor von Chodorkowskis Investigations Management Center zeigte sich skeptisch und vermutet einen Zusammenhang zu den Untersuchungen.

 

Einen Tag nach dem Mord an den drei Russen, am 1. August, erklärte die Sprecherin des Außenministeriums Zakharowa auf Facebook, dass sie keine Diskussion zu PMC (Private Militärunternehmen, id est: Wagner Group) führen werde. Gleichzeitig behauptete sie, ihr Ministerium sei völlig offen bezüglich Unternehmungen der russischen Regierung in der ZAR. Ihr Ministerium hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Erklärung herausgegeben, in der die russische Regierung sich bereit zeigte für zivile, allerdings auch militärische Unternehmungen im afrikanischen Staat.   

Nirgendwo wird aber von privaten Militärfirmen, wie Wagner Group, gesprochen. Nach geltendem russischen Recht sind Söldnerfirmen illegal, was bezüglich der Existenz und des bereits mehrfachen Einsatzes von Wagner einige Fragen aufwirft.

Im Facebook Posting macht Zakharowa einige geschmacklose Äußerungen über die Toten:


"Was taten sie eigentlich in der Zentralafrikanischen Republik, was waren ihre Ziele und Objektive, dies bleibt eine offene Frage."

Was aber ist mit Wagner, einer nicht dem russischen Recht nach legalen Söldnerfirma mit Kremlbeziehung, was tun die in ZAR, was sind die Ziele und Objektive? Dazu herrscht Schweigen auf dem Roten Platz.

Zakharowa antwortete auf Facebook lediglich mit einem Whataboutismus, der ein Scheinproblem zur Ablenkung schaffen sollte. Tatsächlich waren ihre Fragen längst am Tag zuvor beantwortet worden, von Kollegen und Arbeitgeber der Toten: Sie untersuchten genau das, worüber Zakharowa  sich weigert zu reden, die Anwesenheit und Aktivität von Wagner in ZAR. 

Bereits im Februar dieses Jahres geriet Wagner in den Fokus des US-Verteidigungsministeriums, als die russischen Söldner versuchten US-Truppen anzugreifen. Bereits in diesem Zusammenhang brillierte Zakharowa als windige Lügnerin.

Die russische Regierung hatte durch Außenminister Sergej Lawrow bereits während eines Treffens, im vergangenen Oktober, mit ZAR-Präsident Faustin-Archange Touadera auf ihre Ziele im afrikanischen Land hingewiesen: "praktische Zusammenarbeit" bei der "Rohstoffausbeutung".

Dies hört sich erst einmal nicht weiter schlimm an, bzw. nach simplen und normalen Geschäften, jedoch wird das ganze etwas Interessanter, wenn eine "praktische Zusammenarbeit" militärische Ausbilder und Waffenlieferungen beinhaltet, was zur Ausbeutung von Bodenschätzen nicht unbedingt ein notwendiges Requisit ist. 

Und gemäß CIT - Conflict Intelligence Team war es genau das, was auch die drei ermordeten Russen interessierte. 



Es gilt als gesichert, dass Russland zumindest 180 militärische Ausbilder, im Februar, zu Camps bei der Stadt Bangui entsendete. Dies geschah mit einem UN-Mandat. Wenn nun die drei Journalisten genau darüber mit den UN-Vertretern sprechen wollten, dann müssen sie auf etwas gestoßen sein, dass mit dem UN-Mandat nicht kompatible gewesen sein kann.

Man weiß auch, dass die drei Mordopfer kurz zuvor auf der Berengo Militärbasis waren, wobei die Journalisten spekulierten, es handle sich um einen geheimen Militärstützpunkt der russischen Regierung, unter der Leitung der Wagner Group. Doch hatte man ihnen den Eintritt verweigert. Am Tag ihrer Ermordung waren sie auf dem Weg nach Bambari, wo vorgesehen war, sich mit den Leuten von der UNO zu treffen. Auch musste es etwas mit den Goldminen von Ndassima zu tun haben, denn sie hatten Filmmaterial dabei, was sie den Leuten von der UNO zeigen wollten. Diese Aufnahmen konnten bei den Leichen nicht gefunden werden.

Es steht außer Frage, dass die Wagner Group eine Schlüsselrolle innerhalb der Anwendung des Hybridkrieges und Gerassimow Doktrin durch den Kreml einnimmt. Insbesondere des Verschleierns der Regierungsaktivitäten, auf einem vorgeblich privaten Sektor.

Da die Route, auf der die drei russischen Journalisten umkamen, bekannt ist für Überfälle, bleibt die tatsächliche Verwicklung der Wagner Group, in diesen Morden zumindest, noch unklar. Jedoch ist es eine übliche Tarnung in geheimdienstlichen Kreisen, die Morde von anderen begehen zu lassen, um Ermittler in die falsche Richtung zu führen. 

Bereits im April dieses Jahres fand man den Journalisten, Maxim Borodin, tot auf, der die Verstrickungen der Wagner Group in Syrien offengelegt hatte. Angeblich fiel er aus dem Fenster, ein bedauerlicher Unfall wohl. Die penetrante Kontinuität von bedauerlichen Einzelfällen, bei denen kritische Journalisten in Russland zum Verstummen gebracht werden, entbehrt freilich nicht eines auffälligen Musters. 

"Wir hatten Fälle, in denen es Personen möglich war aus komplett versiegelten, vergitterten Fenstern zu springen und ebenso Fälle wo Personen mehrere tödliche Wunden erlitten, beim Sturz aus dem ersten Stockwerk", sagte einmal Orkhan Dzhemal, einer der am 31. August getöteten russischen Journalisten.

Und im Übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!


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