Mittwoch, 30. November 2016

Sehr geehrter Herr Franz S.

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Sehr geehrter Herr Franz S.

Vielen Dank für ihre Zeilen. Hätte ich den Klarnamen angeben sollen? Macht man aus persönlichen Briefen ja nicht, doch kann man aus den Brief eh auf den Autor schließen. Nicht das Sie noch denken, ich schaue nie ins Postfach.

Finde ich schon drollig, dass Sie bei der Ankündigung Ihres Buches von sich selbst in der 3. Person reden. Gaius Julius Caesar hatte auch diesen Splin in De bello Gallico.

Ich finde es immer wieder toll, wenn Leute sich auf Philosophen beziehen, das klingt intellektuell und sorgt für Niveau. Der Ottonormalverbraucher, hat eh nur die großen Namen gehört und erinnert sich, dass ihm immer wieder als Erklärung mitgegeben wurde: "Das ist ein ganz wichtiger Typ." Und da selbst denken in der Bunten Republik Absurdistan eh außer Mode gekommen ist, vertraut man lieber auf die Klassiker, ohne deren Werke sich an tuen zu wollen und am Ende sogar noch zu verstehen, wovon man spricht.

Freilich gehört dazu unbedingt Nietzsche, der hat immer lustige Sachen gesagt. Das Problem ist nur, dass Nietzsche sehr viele und eben auch widersprüchliche Dinge erzählte. Man muss eben nur lange genug suchen, dann findet man zu allem etwas Passendes. 
In seiner Zeit als Staatenloser, ab 1869, könnte man ihn sogar noch als Pyramidenbasis der Reichsbürger deuten. Sein Hass auf die westliche Welt prädestiniert ihn hingegen für die Antideutschen, Antiamerikaner, Antijuden ... dabei bin ich der festen Überzeugung, das sein Zivilisationshass einfach nur auf seiner Migräne und Magengeschwür basierten. 
1889 wurde zu allem Überfluss eine schwere psychiatrische Störung diagnostiziert, weswegen er nicht mehr geschäftsfähig war. Wer weiß wie lange das schon vorher unerkannt brodelte. Sollte uns das zu denken geben? Nicht doch, immer herein mit ihm und bauen wir uns ein schönes Weltbild mit den Ansichten eines Irren.

Zuerst war er ja von Schopenhauer beeinflusst, den haben Sie ja auch genannt, dann jedoch von der platonistische Metaphysik. Übrigens beim Untertitel ihres Buches ➤Das Pyramidiale Prinzip 2.0 - Die Welt als Wille zur Macht, haben Sie sich bei Nietzsche bedient. Naja, ich will ja nicht meckern, aber wenn ich eine philosophische Weltdeutung unternehme, würde ich diese Pyramide nicht unbedingt auf einem Irren basieren lassen, sonst wird aus Philosophie ganz schnell eine Ideologie. Aber solange kein Triumph des Willens 2.0 bei herauskommt, wobei auch in diesem Film wieder der Irrationalismus erkannt werden kann, bin ich ja schon froh.

Schopenhauer auch wieder von Platon beeinflusst und Anhänger des Irrationalismus. Grob zusammengefasst, glauben die Irrationalisten, dass alles Seiende irrational aufgebaut ist. Wie es dann geschehen konnte das es uns gibt, ja alles um uns herum? Eben, die ganze philosophische Strömung ist irrational. Aber dennoch sehr beliebt bei den Philosophien die versuchen Allmachts-Ideologien zu rechtfertigen, da dem irrationalem Mensch nun einmal gesagt werden muss, was er tuen soll. Nix für Ungut, aber wenn ich was zum Totalitarismus erfahren möchte, dann lese ich lieber Hannah Arendt.

Aber Schwamm drüber, in erster Linie halte ich Philosophen für Tagediebe, die mal ordentlich körperliche Arbeit brauchen... Doch schön, dass Sie auch meinen Lieblingsphilosophen Martin Heidegger ins Spiel bringen. Von den Nazis gefeiert, die nämlich auch diesem Irrationalismus anhingen, darum deren Zwang zum Führerkult, weil der irrationale Mensch ja gelenkt werden muss, damit die Sachen richtig funktionieren. Und wie gut das funktionierte, wissen wir ja. Dann wurde er allerdings verstoßen, weil er selbst denen zu radikal war. Das nenne ich mal Leistung!
Der war auch so ein Feind des Abendlandes, deshalb wurde er auch bei der Frankfurter Schule aufgenommen. Soll das etwa heißen, eine Radikalisierungssteigerung von Nazi ist 68-er, Grüner? Interessante Problemstellung, sollte man mal nachgehen.

Der von Ihnen genutzte Begriff Seinsvergessenheit stammt übrigens aus der Philosophie Heideggers, aus dessen Seinsfrage. Welch erstaunlicher Zufall, dass dies auch die Quelle von Alexander Dugin und der Ideologie des Eurasischen Reiches ist. Erklärt freilich auch die Ähnlichkeit im Antisemitismus, dessen Analyse immer wieder wunderbar geeignet ist Personen mit linkem Weltbild zu entlarven. Ausgerechnet dieser Heidegger entwickelte an der Frankfurter Schule den Eurokommunismus mit und freilich auch die 68-er, denn wie einst wollte der immer noch den Neuen Menschen schaffen. Und mit Verlaub gesagt, Sie schrieben ja nur einige Zeilen, aber offenbar Liebäugeln Sie auch mit so einer Version.

Doch statt weiter auf Philosophen einzugehen, habe ich mir mal Ihr Buch angesehen. Und als ich auf Seite 10 auf Frankfurter Schule, Horkheimer und Adorno stieß, war mir auch sofort klar an welchem linken Weltbild hier schon wieder gebastelt wird. Q.E.D. Da schließt sich schon wieder einmal der Kreis.



Und im übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss!

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