Freitag, 23. September 2016

Friedensprozess in Kolumbien

FARC-EP feiert den Frieden, ein neues Land, überall und aus vollen Rohren. Sie versprühen Enthusiasmus! Doch halt, da stimmt etwas nicht! 
Auch wenn die Waffen schweigen, so startete die FARC-Ep eine großangelegte Medienoffensive. Es wird zwar überall vom Frieden gesprochen, doch trägt man dabei Uniformen und spricht von den Guerilleros, den Soldaten des Friedens und dem Krieg für die Liebe. Da sucht man sich die schönsten Terroristinnen heraus, die der kolumbianische Dschungel zu bieten hat legt ihnen Make Up auf und lässt sie in die Kamera lächeln. Natürlich trägt sie dabei Uniform. Und so sehr sie auch lächelt und der Lippenstift erstrahlt, darf man nicht vergessen, wir haben hier Personen vor uns die ebenso grausam handeln, wie der IS in Syrien und Irak. Psychopathen! Und Psychopathen verstehen es recht gut sich zu verstellen.

Es geht hier nicht um einen Neuanfang. Hier geht es um die Romantisierung von Verbrechern. Vergessen wir nicht, die FARC mag im Friedensgespräch sein, aber die ELN denkt nicht daran.

Es gibt kleine versteckte unterschwellige Nachrichten, die viele nur allzu gerne übersehen in ihrer Emotionswelle einer Hippie-Friedensbewegung.

Am 12. September erschien eine Video Botschaft von Gabriel Pana, dem Kommandanten der Front 57. In dieser nach reichlich Worten über Frieden und was er nun in diesem Neuen Land tun möchte, verweist er darauf, dass er die Korruption fürchtet, mit der die Politiker wohl die Wahl zu Ungunsten der FARC beeinflussen wollen. Das ist ein wichtiger Punkt. Denn sobald eine Wahl, gegen den Wünschen der FARC entschieden werden sollte, wird man sagen: Es war Korruption!
Doch ist das gar nicht nötig, denn die FARC ist unter der Masse der Kolumbianer äußerst unbeliebt. Wohl deshalb auch ihre Charm-Offensive in den Medien.

Und während Gabriel Pana, der auffällig zivil in rotem Hemd, uns seine Sorgen erzählt. Tauchten Flugblätter der FARC auf, die dazu aufrufen, bei der kommenden Volksbefragung im Sinn der FARC zu wählen, sonst würden die Gegenwähler getötet werden. 

Im letzten Teil seiner Videobotschaft erklärt Gabriel Pana seine Sorge darüber, dass die Regierung nicht Wort halten könnte und nur darauf wartet, dass man die Waffen abgibt. Hier werden Entschuldigungen vorbereitet, um die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes zu rechtfertigen. Vorsichtshalber schiebt man schon mal die Schuld auf die Paramilitärs. Doch vergesse man nicht, das die Paramilitärs eine Reaktion auf die FARC waren, nicht umgekehrt. Und wenn die FARC nun fordert, die Regierung müsse etwas gegen den Drogenverkehr der Paramilitärs unternehmen, so fällt doch immer wieder auf, wie konsequent der Drogenverkehr der FARC verschwiegen wird. Man könnte meinen die FARC wolle lediglich die Konkurrenz aus dem Weg räumen.

Es sei angemerkt, dass es keinerlei Fakten darüber gibt, wie groß das Waffenarsenal der FARC eigentlich ist. Bei der Entmilitarisierung könnte man nur die alten Waffen abgeben und die Modernen verstecken. Jedenfalls haben die Chinesen reichlich modernes Kriegsgerät, via Panamakanal durch das Darien Gap zu den Terroristen geschmuggelt, warum das, wenn man doch den Frieden sucht?

Zwischen all den vielen Nachrichten darüber, wie sehr man doch den Frieden wünscht, findet man immer wieder verstreut Beschuldigungen gegen das Militär. Das Militär taucht hier auf, das Militär taucht da auf... Das Militär gefährdet den Friedensprozess. So wird am 10. Juli ein "perverser" Angriff des Militärs auf Ivan Marques in La Uribe berichtet. Und am 28. August die Festnahme zweier FARC-Terroristen durch das Militär. Und immer gefährdet das Militär den Frieden.
Da gibt es nur ein Problem, niemand kann diese Berichte der FARC bestätigen. Und so sieht es danach aus, als wolle die FARC lediglich den Rückzug des Militärs erreichen.

Es gibt auch aus anderen Gründen keinen Zweifel daran, dass die FARC der Welt nur ein Theaterstück vorführt. Es gibt gewisse Personen in der FARC auf deren Festnahme oder Auslieferung die USA nicht verzichten werden. Und die können gar nicht den Untergrund verlassen. Ebenso gilt es die Aktivitäten der FARC in Europa zu beachten. Hier ist keine Auflösung der Strukturen erkennbar, der Drogenhandel geht wie gewohnt weiter und es werden FARC-Kämpfer nach Europa geholt.

Human Rights Watch beschuldigt die FARC mit Angriffen auf medizinisches Personal, der Geiselnahme und Tötung von Zivilisten, der Rekrutierung von Kindern und der Terrorisierung Unbeteiligter.

Was war die Antwort der kommunistischen Rebellen auf diese Vorwürfe?

Die Rebellenführer sagen, „bourgeoise“ Regeln der Kriegsführung repräsentierten „Eliteninteressen“, und dies sei genau, wogegen sie kämpften. Dies ist die Antwort Marxistisch-Leninistischer Revolutionäre, die für den Sturz des Kapitalismus kämpfen. Vergessen Sie internationales Recht oder militärische „Einsatzregeln“. Die kommunistische Einsatzregel besteht darin, den Kampf zu gewinnen. Alles andere ist bedeutungslos.

All das erinnert mich an einen kolumbianischen Marxisten, den ich einst kennenlernte. Er war ein ernsthafter junger Mann, voll von Empörung und Wut. Natürlich gab er niemals zu, ein Marxist zu sein, und wich dieser Frage, wenn sie ihm gestellt wurde, beharrlich aus. Aber das ist typisch.

Am ersten Abend, an dem ich ihm begegnete, bekannte er seine Abscheu gegenüber allem, was amerikanisch ist. Mehr noch, sprach er mit allen Amerikanern, mit denen er in Berührung kam, auf die allerbeleidigendste Weise. Ich erinnere mich nicht seiner genauen Worte, doch sagte er sinngemäß: „Ihr widert mich alle an. Ich hasse es, hier in diesem dummen Land zu sein.“

Seltsamerweise reagierten seine amerikanischen Zuhörer scheinbar mit Sympathie. Ich erinnere mich, wie er eines Tages nach der Vorlesung zu einer Gruppe junger Amerikaner sagte, wie sehr er sie verabscheute. „Warum bist du dann hier an einer amerikanischen Universität?“ fragte ich. Er sah mich verärgert an, als hätte ich eine völlig idiotische Frage gestellt. „Warum gehst du nicht einfach?“ hielt ich ihm vor.

Seine Reaktion war äußerst gereizt.

Ich führte viele Gespräche mit ihm. Eines Abends fuhr ich ihn zu seiner Wohnung. Wir sprachen über Kriminelle. Er dachte, ich wäre naiv zu glauben, dass andere zu töten und auszurauben (für den Täter) irgendwelche negativen psychologischen Auswirkungen haben müsse. „Zuhause in Kolumbien kenne ich persönlich Leute, die sich mit Mord ihren Lebensunterhalt verdienen,“ sagte er mir. „Sie sind glückliche Menschen und keineswegs von Schuldgefühlen geplag
t.“

Er sprach von der FARC.



Und im übrigen bin ich der Meinung, dass die sozialistische Bewegung zerstört werden muss! 


Kommentare:

  1. Wie es der Zufall so will, ohne danach gesucht zu haben, bin ich über diese Hochglanz-PR Kampagne gestolpert: http://www.dw.com/de/alltag-im-farc-dschungelcamp/g-19569771
    Vielleicht hab' ich das überlesen, aber von "Drogenhandel, Angriffen auf medizinisches Personal, der Geiselnahme und Tötung von Zivilisten, der Rekrutierung von Kindern und der Terrorisierung Unbeteiligter" stand nichts bei der Deutschen Welle.

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  2. Es ist tatsächlich so, dass unsere Medien nicht korrekt berichten. Ich, als jemand der Spanisch fließend spricht und auch die Dialekte erkennt, muss sagen, dass die nicht mal richtig übersetzen. Wenn ich mir die Berichterstattung zu Kuba ansehe, dann scheint das Land am aufblühen. Ich war Anfang des Jahres auf Kuba und hatte das Glück einen der beiden einzigen kubanischen Kosmonauten kennengelernt zu haben. Ausgezeichnet als Held des Sozialismus, aber unter Bedingungen dahin vegetieren, dass es einem nur Leid werden kann. Die Berichterstattung zu Venezuela, kein Wort in Deutschland über den gezielt herbeigeführten Massenmord.

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