Dienstag, 3. Mai 2016

Der erste Putsch gegen Kohl scheitert

Helmut Kohl und Heiner Geißler
Helmut Kohl hätte bereits 1989 Opfer eines gegen ihn, aus Reihen der CDU, angezettelten Putsches werden sollen. Zwar hatte Moskau bereits beschlossen, dem Diktat von Erich Honecker ein Ende zusetzen, dennoch war das mit der Wende in der DDR anders geplant gewesen. Das geschickte taktieren von Helmut Kohl verhinderte nicht nur diesen ersten Putsch, sondern durchkreuzte die Pläne des Kreml gehörig. 


Allerdings wurde dieser erste Putsch nicht durch Stasi oder KGB organisiert. Jedoch klinkten diese sich fördernd ein, da es ihrem politischen Ziel für die BRD entsprach, jenes lautete: Kohl muss weg.

Das Verschwörer Quartett bestand aus Heiner Geißler, Lothar Späth, Ernst Albrecht, Rita Süssmuth. Allerdings war deren Versuch, Helmut Kohl abzusägen, wohl derart dilettantisch ausgeführt, dass später die Stasi das selber in die Hand nahm.

Anlass war, dass Geißler sich von Kohl emanzipieren wollte und von dem unabhängige Entscheidungsgewalt wollte. Mit anderen Worten: Er wollte mehr Macht! Die anderen freilich auch und begannen das Fell des Bären zu verteilen, ehe er erlegt wurde. Scheiterte dann jedoch daran, dass die Verschwörer sich beim Zuteilen der Beute untereinander stritten.

Deswegen kam es zum Bruch zwischen Kohl und Geißler, der bis in die Gegenwart andauert. Der Kanzler entzog Geißler das Vertrauen. Erst da versuchte Norbert Blüm das Ruder nochmal im Sinne Moskaus herumzureißen. Blüm beschuldigte Kohl, sich bei Umgang mit Geißler, "einer schweren Verletzung des von Christen abverlangten Umgangs mit Menschen" schuldig gemacht zu haben.

Doch letztlich, als CDU Schatzmeister Walther Leisler Kiep, die Verschwörer im Bonner Adenauer Haus fragte: "Also gibt es hier eine Gegenkandidatur?". Kniffen sie den Schwanz ein. Eine gewaltige Mehrheit befürwortete Kohl's Verhalten, von Blüm als "Urteil" angeprangert, gegen Geißler. Und dann als es ernst wurde wagten sich niemand mehr gegen Kohl zu stellen, nach dem sie zuvor doch so sehr den Mund aufgerissen hatten. Geißler, Späth, Albrecht, Süssmuth waren damit vor der gesamten Partei blamiert. Zuerst wollte es die Basis der CDU nicht wahrhaben, dass Spitzenpolitiker der Partei Helmut Kohl stürzen wollten, doch dann als die Sache offenkundig wurde, manövrierten dieses Verschwörer dilettantisch und sich selbst ins Abseits. 

Geißler hatte wohl spätestens Anfang 1989 gewusst, dass Kohl ihn nicht mehr als Genralsekretär wollte. Kohl hatte ihm einen Ministerposten angeboten, verlangte aber seinen freiwilligen Rücktritt als Generalsekretär und das schnell. Geißler lehnte ab. Umgehend versuchte Geißler Unterstützer für seinen Putsch zu werben und begann beim bayrischen Ministerpräsidenten Max Streibl, CSU. Als Grund gab er an, die verlorene Europawahl und den Verlust von Niedersachsen an die Sozzen von Gerhard Schröder. 

Rita Süssmuth sprach bereits vom Aus der Ära Kohl zu dessen Landsmann Bernhard Vogel, der Kohl prompt unterrichtete. Lothar Späth sprach gegenüber der industriellen Unterstützer von Kohl bereits vom Aufstand in Bonn und prustete stolz zu Max Streibl, in der nächsten CDU-Präsidiumssitzung gäbe es eine klare Mehrheit gegen Kohl.

Helmuth Kohl wurde stets über das Treiben der Putschisten unterrichtet und Streibl war der erste gewesen. Lothar Späth sah sich schon als Kanzler. Doch untereinander stritt sich das Quartett, um die Beute. Da war die Reformfreudige CDU-Linke Süssmuth, die bei dem Rechten Späth auf Abneigung traf.

Als Kohl dann Geißler einfach absägte, womit dieser nicht gerechnet hatte, waren die Putschisten in der Defensive. Geißler berief eiligst eine Pressekonferenz ein und erhob wilde Vorwürfe gegen Kohl. Doch einen Gegenkandidaten für den Vorsitz der Partei konnte er nicht präsentieren, dass Quartett konnte sich nicht einigen ob Späth oder Süssmuth Kandidat sein sollten, und so blieben die Putschisten an die Wand gedrängt.

Geißler suchte um Hilfe bei Norbert Blüm, der CDU-Vorsitzende von Nordrhein-Westfalen. Dafür kam es zu einem Treffen von Blüm mit dem Verschwörer Quartett, im Gästehaus der württembergischen Landesvertretung in der Bonner Argelanderstraße.

Albrecht sah die Sache wohl schon als verloren an. Zwar hatte er dem Blüm noch erklärt, das er nun auch öffentlich sich gegen Kohl stellen würde. Doch eine Woche darauf schwieg Albrecht und kritisierte Kohl nie wieder. In Niedersachsen zeichneten sich Neuwahlen ab und Albrecht befürchtete die CDU-Rechten gegen sich aufzubringen. Blüm hatte zwar gesagt, dass er sich Kohl verbunden fühlte und daher ratlos sei. Doch tatsächlich hatte er sich längst entschieden, die Putschisten zu unterstützen, er wollte diesen nur klar machen, wie sehr sie ihn brauchen. Er wollte sich aber nicht offen beteiligen, denn Kohl hatte ihm in einem Telefongespräch wissen lassen, dass seine politische Zukunft vom Kanzler abhänge.

Es zeigte sich das Kohl die besseren Beziehungen hatte, größere Beliebtheit und das bessere Geschick in der Politik. Der Putsch starb letztlich mit viel heißer Luft. 

Geißler erzählte dann der Süddeutschen Zeitung Lothar Späth sei von der Deutschen Bank zurück gepfiffen worden, und das heißt in letzter Instanz Bertelsmann Stiftung. Die Unterwanderung mit Putinisten erfolgte wohl erst danach.
Das wäre dann aufgrund der danach folgenden Ereignisse äußerst interessant. Denn es müsste dann Alfred Herrhausen gewesen sein, der den Putsch torpedierte, in dem er Späth aufforderte auf seine Kandidatur zu verzichten. Kurz darauf wurde dann Herrhausen von der RAF ermordet. (ermordet: 30. November 1989)


Helmut Kohl und Miklós Németh
Doch Helmut Kohl hatte sich vielfach abgesichert, er plante es ganz groß, zusammen mit Miklós Németh, dem Ministerpräsidenten in Ungarn, auf einem Geheimtreffen am 25. August 1989 auf Schloss Gymnich (Bonn), wurde vereinbart, dass Ungarn die Grenze für DDR-Bürger zur Einreise in die BRD öffnen werde. Ähnlich wie heute, war die DDR auch im Ostblock isoliert, Honecker verweigerte sich der Perestroika von Gorbatschow und bereitete sich darauf vor, die Unruhen in Sachsen, die sich ausbreiteten, gewaltsam nieder zu schlagen. Die Ausreise sollte im September geschehen, genau zum Parteitag am 11./12. in Bremen, bei dem Lothar Späth sich als Helmut Kohl Gegenkandidat präsentieren wollte. Damit war klar, dass Kohls Beliebtheit plötzlich astronomische Ausmaße erreichen würde und seine Kritiker verstummen werden.

Alles war perfekt. Am 10. Sep., um die Mittagszeit informierte der Botschafter Ungarns Kohl darüber, dass genau um Mitternacht die DDR-Bürger ausreisen dürfen. Das war der Paukenschlag der die Eröffnung des CDU-Parteitages dann traf. Und auch den Putschisten war klar was es bedeutete. Kohl war der strahlende Nationalheld und jeder der ihn nun angreift, steht als Landesverräter da.

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