Freitag, 29. April 2016

Die Stasi im Naziterrorismus

Manfred Roeder
Das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) begann 1966 mit dem Bestreben, den Neonazi Manfred Roeder anzuwerben. Weshalb IM-Vorlaufakte (IMV-Akte) über ihn angelegt wurde. Das Motiv war: 
"Die Person steht in Verbindung zu Angehörigen der Französischen Besatzungsmacht einschließlich der Französischen Militärverbindungsmission in Westberlin und wird mit dem Ziel der Werbung bearbeitet." (MfS-Beschluß vom 13.5.1966, BStU MfS 5425/70, Band 1, S. 8f.)
Das Prekäre dabei war, dass Manfred Roeder sogar ein überzeugter Altnazi war, der in der nationalsozialistischen Kaderschmiede NAPOLA geformt worden war. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete Roeder als Referendar an einem Gericht in Westberlin. 
Die Kontaktaufnahme erfolgte über dessen Cousin (IM Werner), der bereits für die Stasi arbeitete. Die Stasiakte beweist auch, dass man in der DDR von Anfang an in Kenntnis war, das Roeder ein überzeugter Nazi war, der Kontakte zur gewaltbereiten Szene hatte und mit seiner Bewegung für Moralische Aufrüstung (MRA) eine antikommunistische Politik betreibt. Auch seine Erziehung "im nationalsozialistischen Sinne" ist vermerkt. (HA VII/6, Bericht, 17.7.1965, BStU MfS 5425/70, Band 1, S. 17.) Auch wird später Vermerkt, dass eine Gefahr für die DDR ausgehe, da Roeder versuchte seine MRA auch in der Ostzone zu etablieren.
Roeder reiste Mitte der 1960er immer wieder in die DDR, wo er sich mit IM Werner traf. Über jedes Treffen folgte eine akribische Dokumentation in der Stasiakte. Bei einer Zusammenkunft in einem Ostberliner Café war die Stasi durch ein Einsatzteam anwesend. Seine Wohnung in Westberlin wurde ebenfalls observiert. 

Anfang der 1970er schließt die Stasi vorerst die Akte Roeder, als dieser seinen Wohnsitz nach Westdeutschland verlegte.

In den 1980er Jahren taucht Roeders Deutsche Aktionsgruppe (DA) in einer Feindobjektakte der Stasi auf. Die Aktivitäten der DA werden als potentielle Gefahr, zumindest "Risikofaktor" für die DDR gewertet. Dennoch werden "terroristischen Handlungen gegen in der BRD wohnhafte und asylsuchende Ausländer" und "Anschläge gegen jüdische Einrichtungen" auf dem Territorium der BRD begrüßt, um die BRD zu diskreditieren. Die Gefahr wurde nur darin gesehen, dass, aufgrund der antikommunistischen Gesinnung der DA, Anschläge gegen die DDR möglich seien. (MfS-Beschluß vom 4.12.1982, BStU MfS AFO 105/89, S. 1.) 
Die Stasiakte lässt zwei Leitlinien in der Stasi Observation erkennen. Zum einen eine Angst vor Terrorismus in der DDR durch die DA, zum anderen jedoch der Versuch die DA im Sinne der Stasi zu instrumentalisieren und wenn möglich die BRD zu diskreditieren und die Propaganda des Nazi-Staates BRD zu untermauern.

Die Stasi erfasste 20 Personen des Inneren Kreises der DA, als auch einige Sympathisanten, als Objekte von Interesse. Die Stasi hatte eine sehr detaillierte (und verdächtig wirkende) Kenntnis von 7 Anschlägen der DA auf jüdische Einrichtungen und Asylanten. Vom Trainingslager Roeders, auf seinem hessischen Grundstück Reichshof, in Westdeutschland hatte die Stasi absolut alle Kenntnisse zu jeder Einzelheit. (Roeders Haus (Reichshof), BStU MfS HA XXII 537/9, S. 21.) In einer Akte zur Deutschen Bürgerinitiative schrieb die Stasi: "Roeder ist eine der Schlüsselfiguren der NS-Bewegung in der BRD." (Entwurf Rechtsanalyse Roeder, 1977, BStU MfS HA XXII 537/9, S. 4.) Allerdings dies Nur, offenbar indirekt, durch die Stasi. 

Obwohl sich Roeder den Anwerbungen der Stasi widersetzte, können die Kenntnisse der Stasi nur mit Insiderinformationen erklärt werden.

Trotz seines Antikommunismus zeigte Roeder Sympathie für die RAF auf einen Treffen an dem Michael Kühnen, einer der einflussreichsten Zentralfiguren der westdeutschen Neonaziszene in den 1980er (Wehrsportgruppe Werwolf WSG-Ableger) teilnahm, teilt er die durch die 68er in Umlaufgesetzte Verschwörungstheorie, vom staatlich Mord an den RAF-Gefangenen in Stammheim, statt der offiziellen Version vom Selbstmord. Gemäß Roeder deutete "alles auf Mord" hin. (Abt. XXII, Information 3/14/81, 26.2.1981, BStU MfS AFO 105/89, S. 29f.) Und selbst das wusste die Stasi.

Der Stasimann der DA war offenbar Odfried Hepp, ohne dass Roeder dies vielleicht gewusst hatte. Und diese Unterstützung benannte die Stasi mit der Bezeichnung: 
Operative Vorgang Deutsche Aktionsgruppe
Diese Operation wurde erst mit dem Fall der Mauer beendet. Zumindest wenn man vom Sachsensumpf absieht.

Es ist bezeugt das Hepp, während des Prozess von Stuttgart-Stammheim von der Stasi der Abteilung XXII/1 gelenkt wurde. Auch war die Stasi detailliert unterrichtet von einem Gespräch eines LKA-Beamten mit Hepp, entweder sie wussten es vom Polizisten oder, und sehr viel wahrscheinlicher, von Hepp. Ebenso war es Hepp der Stasi mit Informationen bezüglich der Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) versorgte. (Abt. XXII, Operativinformation, 28.4.1982, BStU MfS AFO 105/89, S. 31f.)

Die WSG wurde von der Stasi gefördert und entwickelte sich zur größten Neonazi-Kampfeinheit in der BRD. Allerdings wurde sie 1980 verboten. Der Thüringer Heimatschutz basiert auf dieser Bewegung, wo auch die zur NSU verklärten Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe aktiv waren und antisemitische Schriften von Roeder verteilten. Und sie stellten den Saalschutz auf DVU-Veranstaltungen.

Udo Albrecht, Nazi Kader der WSG, arbeitete ebenfalls für die Stasi. Auch die Wiking-Jugend, die Jugendorganisation der Jungen Nationaldemokraten genauso wie ihre NPD-Partei selbst, Michael Kühnen, die Grauen Wölfe, NSDAP/AO waren von der Stasi gelenkt.

Als Roeder und die Neonazis Jürgen Rieger (NPD Vize), Frank Rennicke (Wiking Jugend) und Thorsten Heise mit weiteren Personen ausgerechnet 2007 die Deutsch-Russischen Friedensbewegung Europäischen Geistes e. V. gründeten, geschah dies unter der Schirmherrschaft des Sachsensumpfes. Thorsten Heise ist ein nationalsozialistischer Publizist, der genauso wie Jürgen Elsässer an einer arischen Achse mit Teheran arbeitet und von den Ayatollahs sogar finanziell unterstützt wurde. Er arbeitete eng zusammen mit dem Neonazi Thomas Richter, bekanntgeworden als V-Mann Corelli, und gilt als Federführend im Bezug auf die NSU. Allerdings war er ein Doppelagent und arbeitete auch für den Sachsensumpf.

Bemerkenswert ist es, dass die Stasi selbst über interne Dokumente der Staatsanwaltschaft Frankfurt, des LKA von Hessen und Bayern und des bayrischen Verfassungsschutzes verfügte, die aus selbigen Behörden stammen mussten. (Information G/32249/C7/12/84, undat. (1984), BStU MfS HA XXII 537/9, S. 93f.)

Bezüglich der WSG war die Stasi derart involviert, dass sie sogar wussten das der Neonazi Peter Weinmann ein V-Mann ist und den Verfassungsschutz in Köln informiert. Er wurde aber nicht bloss gestellt, sondern angeworben und fütterte den Verfassungsschutz  mit falschen Informationen. (Regine Igel: Terrorismus Lügen. Wie die Stasi im Untergrund agierte. Herbig, München 2012, S. 287. ISBN 3-7766-2698-4)

Weinmann war aber sogar ein 3-fach Agent, der den Verfassungsschutz nicht nur an die Stasi, sondern auch den KGB verriet. Das auch der KGB in der Förderung der WSG verstrickt war, deutet daraufhin, dass es sich um ein enorm wichtiges Projekt gehandelt wurde. Eine Nazi-Untergrundarmee sollte geschaffen werden. Jedoch fand dies im Rahmen von Gladio Rossa statt. Die Struktur der verbotenen WSG blieb allerdings in Hessen aktiv im Untergrund und verbirgt sich in der Neuheidenszene. Das Unternehmen des KGB und Stasi bezüglich der WSG ist geradezu ein Paradebeispiel dafür, was die Moskauer Internationale und die Tscheka in der Weimarer Republik getrieben hatten. (siehe: Stalin und Hitler, Brüder im Geist)

1994 wurde Weinmann als IM Römer enttarnt. Im Jahr darauf aber lediglich mit 9 Monaten auf Bewährung wegen Landesverrates verurteilt. Offenbar wusste er von delikaten Dingen, die ihn retteten.

Odfried Hepp war ebenfalls in der WSG 1982 wurde ihm von der Stasi eine neue IM Tätikeit und Codename übertragen. Und diente nun vor allen zum Aufbau der Querfront zwischen Palästinensern und Neonazis. 

Nach dem Verbot der WSG im Januar 1980 setzte sich ein beachtlicher Teil in die Palästinenserflüchtlingslager im Libanon ab, dabei auch der Führer der Organisation Karl-Heinz Hoffmann
Der Libanon, einst ein mehrheitlich christliches Land mit beneidenswerter Wirtschaft, öffnete seine Grenzen den Muslimen. Zuerst um dort zu arbeiten, dann nahm man "Flüchtlinge" auf, die bald das Land islamisierten und die Christen vertrieben. Mit der Islamisierung erfolgte aber auch die Nazifizierung und wirtschaftlicher Niedergang. Sowas geht Hand in Hand. Und der Kampf Israels gegen die sogenannten Palästinenser, ist nicht einfach ein Kampf Israel, oder gar eines Apartheit Staates, gegen Araber. Es ist vor allem der Kampf gegen den alten Feind. 

Hoffmann hatte, dank der Stasi, hervorragende Verbindungen zur PLO. Die Plattform dieser Zusammenarbeit war Unified Security Apparatus, die von Abu Ijad (Abu Nidal) geleitet wurde. Dieser ermöglichte es der Rumpf WSG (nun: Wehrsportgruppe-Ausland) im "Flüchtlingscamp" Bir Hassan, südlich von Beirut, ihre Organisation zu restrukturieren. Das Ziel war es, durch einen terroristischen Krieg die BRD zu zerstören und eine nationalsozialistische Diktatur aufzubauen. (Hartmut Brenneisen, Juliane Bohrer, Dirk Staack: 60 Jahre Grundgesetz. Polizei und Sicherheitsmanagement. Bd 6. LIT, Münster 2010, S. 216)

Im Lager wurden jedoch auch (makaber, makaber) immer wieder mal verschiedene Linksterroristen unterrichtet.

Gundolf Köhler wurde in Bir Hassan von der Stasi trainiert und dann in die BRD geschleust, am 26. September 1980 zündete er eine Bombe auf dem Münchener Oktoberfest. Praktischerweise, und dies vor allem für die Stasi, war Köhler unter den Toten. Hätte peinlich werden können, wenn er geredet hätte. Aber, als hätte man schon in den Startlöchern gestanden, lancierte die westdeutsche Linke umgehend die Nachricht heraus, des Verfassungsschutz stecke hinter dem Attentat.
Die Polizei konnte bei WSG-Aktivisten in Deutschland, auf Schloss Ermreuth, Sprengsätze sicherstellen, die der Bombe von Köhler sehr ähnlich waren. 
Auch die Ermordung von Shlomo Levin und Frieda Poeschke ging auf das Konto der WSG.

Aus der Verbotenen WSG bildete sich die Hepp-Kexel Gruppe, der WSG Mitglieder Odfried Hepp und Walter Kexel. 

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