Mittwoch, 19. August 2015

Sozis, Kozi oder Nazi alles Schimpfwörter

Sozialismus oder ein Sozialist zu sein, dass hatte ursprünglich nichts mit Karl Marx zu tun. Im Manifest der Kommunistischen Partei, erschienen 1848, tauch der Begriff überhaupt nicht auf. Marx und Engels verstanden sich als Kommunisten. 

Sozialist bezeichnete eigentlich die Anhänger der Naturrechtsschule von Samuel von Pufendorf. Bis hin zum vor Marxistischen Wirken war es ein Sammelbegriff für verschiedene sozialpolitische Ideen. Und entwickelte sich in diesem Sinne in England. Der erste Beleg findet sich in der in London erscheinenden Zeitschrift Co-operative Magazine and Monthly Herold vom November 1827, ein weiterer in der Zeitschrift Poor Men’s Guardian vom 24. August 1833. 
Der Rechte Publizist und Politiker August Ludwig von Rochau (1810-1873), zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt weil er im Rahmen einer Burschenschaft am Sturm auf die Frankfurter Hauptwache beteiligt war, floh nach Frankreich, wo er um 1840 zum ersten Mal das Wort im Deutschen verwendete. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich, gell? Sozialisten waren ursprünglich Rechte, die deutsche Linke hat sich dessen bemächtigt, durch den Linksruck der SPD in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts.

Von Wilhelm Liebknecht (1826-1900) und August Bebel (1840-1913) wurde, das Wort Sozialdemokraten verwendet. Und darum nannten sich Bismarcks Politik gegen die SPD Sozialistengesetze, Oktober 1878. Das Wort Sozialist hatte aber zuerst nichts mit den Linken zu tun, sondern mit dem rechten Bürgertum. Die Linken kamen in diese Bezeichnung, nachdem der rechte Flügel der SPD verloren ging, durch einen Linksruck, ausgelöst durch die Sozialistengesetze.

Die Bezeichnung Sozi taucht etwa um 1900 auf. Es ist ein Schimpfwort. In den Preußischen Jahrbüchern wurde 1903 ein Wahlaufruf des SPD-Parteivorstandes für die preußischen Landtagswahlen dahingehend analysiert, dass die herrschende Staatsordnung viel zu stark sei, "um sich von den Sozis umstürzen oder auch nur erschüttern zu lassen". In Baden hingegen war eher der Begriff "Sozzen" und "Sozen" im Elsaß gebräuchlich.

Genau in diesem selben Jahr, taucht der Begriff "Nazi" für die Nationalsozialisten um Friedrich Naumann auf. (zur Begrifflichkeit des Wortes Nazi, Kozi und Sozi siehe auch: Antisemitismus politisch korrekt) Diese Verwendung muss aber vom in Bayern gebräuchlichen Nazi unterschieden werde, wo es als Kurzform von Ignatz verwendet wurde. Da es aber in Bayern, Böhmen und Österreich auch eine törichte Person bezeichnete, und in Bayern auch dort lebende Österreicher bezeichnete, verstärkte sich der Gebrauch von Nazi mit dem zunehmenden Bekanntheitsgrad Adolf Hitlers und der NSDAP.


Dann war es wohl Kurt Tucholsky, der 1923 von den Sozis, Nazis und Kozis, in der heutigen Form sprach. Er spottete über alle drei verwandten Strömungen. Schon damals wurde das Kozi für Kommunisten, mit Kotzen in Verbindung gesetzt. Goebbels schrieb dann sein Buch Der Nazi-Sozi. Während die Nazi versuchten das Schimpfwort zu entkräften, verblieben die entsprechenden Gegenstücke für die Sozis und Kozis, ein vorgehaltenes rotes Tuch. 
Die Hochzeit dieser Begriffe und ihrer Verwendung blieb die Weimarer Republik. 

Eine Fundgrube für die antisozialistische Polemik jener Jahre ist der Miesbacher Anzeiger der Jahre 1920 und 1921. Der Heimatschriftsteller Ludwig Thoma (1867–1921) warf mit dem Ausdruck um sich, wenn er seiner Antipathie gegen Berlin und die Preußen freien Lauf ließ: 
"Und wenn die Berliner Sozi glauben, daß wir uns durch den Unitarismus zu schweigenden Knechten einer Sauwirtschaft, bei der sie sich die Taschen füllen, machen lassen, dann irren sie sich. Berlin ist nicht deutsch, ist heute das Gegenteil davon, ist galizisch verhunzt und versaut. Und jeder brave Mann in Preußen weiß heute, wo er den Grundstock eines ehrlichen Deutschtums zu suchen hat – in Bayern."

Nach dem 2. Weltkrieg wehrte sich die SPD dann heftig gegen den Gebrauch von Sozi. Unter dem Hinweis große Verdienste in der Bekämpfung des NS-Staates erlangt zu haben. Um so erstaunlicher war es, dass der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt 1999 im Rahmen einer innerparteilichen Auseinandersetzung sagte: "Ich bleibe ein Sozi!" Allerdings war er früher auch schon mal ein Nazi gewesen. Aber naja, nicht allzusehr wohl denn er bekam ja Probleme mit Nazi-Kadern.

Kommentare:

  1. Die SPD bezeichnete auf Wahlplakaten die Nazis als SOZIS!!!

    https://books.google.de/books?id=_ra08PNvTvIC&pg=PA50&lpg=PA50&dq=nazi+sozis+spd+wahlplakat&source=bl&ots=Na4DFj0w8B&sig=0uVRYODhIfAQUrpxEzMFaerj4hM&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwih-vzixMjMAhUFWywKHXicDZIQ6AEIUjAK#v=onepage&q=nazi%20sozis%20spd%20wahlplakat&f=false

    http://www.politikundunterricht.de/2_3_09/plakate.pdf

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  2. Goebbels bezeichnete die Nazis auch als Sozis.

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