Sonntag, 9. August 2015

Die Deutschland Reihe: III. Übergang zur Weimarer Republick


Die Französische, angelsächsische und deutsche Welt


Absurd scheint für viele der Gedanke, dass der ideologische Gegenpol deutsche Aristokratie und Kommunismus etwas miteinander zu tun haben könnte. Doch soll man sich vor Augen halten das die Idee von Sozialismus und Kommunismus geistiges Kind des Klassenfeindes ist, statt der Arbeiterschaft. Karl Marx entstammte nicht der Arbeiterklasse, auch nicht Friedrich Engels oder Lenin. Der Aufbau der kommunistischen Diktatur war nur durch die deutsche Aristokratie möglich. Deshalb ist dieser Sozialismus und Kommunismus Schwachsinn zwangsläufig ein Rohrkrepierer, er war nie dafür konzipiert Missstände zu beseitigen, sondern war Teil der psychologischen Kriegsführung. Zugegeben entwickelte es sich dann zum Selbstläufer. Doch das ändert nichts an seinem zerstörerischen Grundgedanke. Der Sinn der Utopie des russischen Kommunismus war es Chaos zu schaffen und dadurch der Aristokratie in Deutschland den Arsch zu retten. Als schuldigen nannte man allerdings meist die Juden. Das schien dem Aristokraten passend und den Nationalgedanken zu fördern.
Als Strippenzieher und graue Eminenzen sind die Vertreter des Inzestvereines noch immer gegenwärtig. Man liebt es nicht sich offen zu zeigen bei seinen Intrigen, denn man muss darauf achten nicht erkannt zu werden. Die Juden waren da immer ein geeigneter Prügelknabe. Zwar gab es viele Juden in der kommunistischen Bewegung. Jedoch hatte das spezielle Gründe. Der einflussreichste von diesen war Trotzki gewesen. Wohingegen die Legenden vom Juden Lenin oder Stalin eindeutig falsch sind und diversen Kreisen immer dazu diente eigene Interessen durchzusetzen.
Dazu merke man nur mal welche Säulen stets für die Aufrechterhaltung und Verbreitung der „Protokolle der Weisen von Zion“ verantwortlich sind: deutscher und russischer Adel, deutsche und russische Linke (dazu gehört auch der Nationalsozialismus) und der islamische Kulturbereich. Der Jude wurde für absolut alles verantwortlich gemacht. Doch tatsächlich diente all das der Manipulation und zwar um die Bürgerbewegung zu lenken oder zu zerstören. Dies war nämlich der klassische Feind des Adels, erwachsen über Jahrhunderte und wurde ausgedrückt im Mittelalter, durch die Emanzipationsbestrebungen in den Städten. Diese waren es, die die Macht des Adels in Frage stellten und sich von einem gewählten Bürgermeister und seinem Stadtrat verwalten ließen. Dazu kam, das sie große Reichtümer schufen, während der Adel verarmte. Dienlich war dem Adel dabei immer die untersten Schichten des Volkes, die über sehr geringe Bildung verfügten. Dieses Schemata ist bis heute immer das selbe. Der dumpfe Pöbel wird gelenkt durch einige wenige die verstehen die Schwachmaten zu dirigieren. Man sehe sich dazu nur mal die Antifa an. Die linke Bewegung griff von Anfang an auf dieses Herrschaftsprinzip zurück.
Mit Impulsgebern wie Marx und Engels oder Lenin veränderte sich die frühe linke Bewegung fundamental. Vergleiche mit den Vorstellungen der Kommunen der französischen Revolution etwa machen deutlich, dass man da von verschiedenen Ideologien spricht, deren Gemeinsamkeiten sich auf ein paar Schlagworte reduzieren. Und selbst damals ist zu erkennen, wie schnell diese Revolution von subversiven Elementen korrumpiert wurden. Und sie taten was? Sie lenkten den aufkommenden Unmut auf die Juden. Genau das passiert immer noch.

Die Idee hinter dem Bund Aristokratie und linke ist es die Massen zu lenken, um zu verhindern, womit die französische Revolution begann: Rübe runter! Natürlich wurde diese Revolution auch wieder mit der Einflussnahme eine bösartigen jüdischen Verschwörung begründet. Gerade zu abwegig scheint es anzunehmen, dass die Revolution damit zu tun hatte, das die Leute nicht mehr einen großen Teil ihrer Arbeit für einen Haufen von Parasiten hergeben wollten.
Aber, das Bürgertum machte es möglich, dass selbst dieser Pöbel Zugang zu Bildung erlangen konnte und, war er geschickt genug, ein Vermögen erarbeiten konnte. Sprich, er konnte Sozial aufsteigen. Im Feudalen System aber war das nicht möglich, das Volk war Rechtlos.
Der Kommunismus ist da in soweit gleich, das es eine reine Machthierarchie ist. Reichtum kann man nur durch eine hohe Machtposition erlangen, ansonsten wird man zu Kulaken erklärt und umgebracht. Die Armut wird lediglich gleichmäßig im Volk verteilt, dann halten dies alle für normal. Und, welch Überraschung, der Kommunist sieht seinen Hauptgegner im Bürgertum, nicht – wie es logisch wäre – in den Kreisen der Großindustriellen. Das behaupten sie zwar, aber es gibt zahlreiche Beispiele dafür, wie sich Kommunisten, Sozialisten, Adel und Großindustrielle gegen das Bürgertum verbündeten. Es ist die Regel, keine Ausnahme.
Darauf aufbauend kam es auch zur Formierung der angelsächsischen und französischen Weltanschauung, die zur Erzrivalität mit der deutschen Weltanschauung führten. Sowohl jene der Angelsachsen als auch die französische, obwohl unter einander konkurrierend, sind durch emanzipiertes und starkes Bürgertum zustande gekommen. Die Briten legten die Queen an die Kandare und bei den Franzosen war es eben die Devise: Rübe runter!
In Deutschland war es nicht so. Das Bürgertum war nicht vollständig emanzipiert, aber es war absehbar, das man auf dem Weg dahin war.
Als Napoleon nach Deutschland kam kam er selbstverständlich als Invasor. Und natürlich ernannte er sich zum Kaiser. Aber es war eine neue Art von Monarchie, eine die sich auf das Volk stützte, nicht auf mysteriöse Abstammung von einer Geschichte, die sich seine Familie auf Gern den Großen, Odin oder Hägar dem Schrecklichen zurückführte, worauf irgend ein beklopptes Sendungsbewusstsein und göttliches Privileg angenommen wurde. Napoleon war Kaiser, weil eine Mehrheit des Volkes dies so akzeptierte. Freilich stellt er auch eine Befriedung Frankreichs dar, das unter den Gewaltexzessen der französischen Revolution stark geschwächt worden war. Napoleon erhob das geschundene Frankreich und gab ihm wieder weltweite Bedeutung. Daher war es ein leichtes für den neuen Kaiser sich der Begriffe Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit zu bedienen, die die Ideale der Revolution gegen den Adel gewesen waren. Er söhnte diese beiden Kriegsparteien auch untereinander aus und endete in einer Volksmonarchie mit starkem Bürgertum.
Als Napoleon dann in das Heilige Römische Reich militärisch eindrang und beendete, es lag ja eh im Todeskampf, weil der inzestuöse Abfall mit göttlichen Sendungsbewusstsein nicht auf die Reihe bekam, brachte er die Vorstellungen der neuen französischen Weltsicht mit. Es war dem deutschen Adel daher leicht die Prinzipien von Freiheit als „undeutsch“ und „unpatriotisch“ zu klassifizieren. Wobei jedem gebildeten Menschen das freilich durchschauten. Nur diese Bildung hatte eben das Bürgertum.
Die militärischen Erfolge, ja die Überlegenheit Frankreich, gaben dieser neuen Lebensidee freilich Recht. Frankreich schien unbesiegbar. Die Niederlage in Russland lag an den klimatischen Bedingungen. Die russische Armee beschränkte sich darauf, dem französischen Heer möglichst nicht in die Quere zu kommen. Erst nach dem Siege von General Winter war es Europa möglich die Franzosen zu besiegen. Aber Napoleon ließ ein infiziertes Bürgertum zurück.

Bei den Angelsachsen war es eine etwas andere Situation, die die Konkurrenz zur französischen Weltanschauung ermöglichte. In England war der Adel nicht entmachtet, sondern hatte sich auf einen Status Quo mit dem Bürgertum geeignet und sie an der Regierung beteiligt. In Frankreich hingegen war das Bürgertum vom Adel befreit. Man sehe nur einmal was gegenwärtig das nichtsnutzige englische Königshaus den Steuerzahler kostet. Eine Mehrheit des Volkes sprach sich sogar für deren Abschaffung aus, doch das geschieht nicht, denn der Adel und das heißt eine Minderheit hat zu viel Einfluss auf die Mehrheit. Und daher stand das reaktionäre Deutschland den Briten deutlich näher, als die Franzosen.
Der zementierte Block der Briten mit den USA beruht eigentlich auf wenig mehr als die gemeinsame Sprache. Vorstellungen zum Lebensstil hingegen können weit auseinander gehen. Man möchte meinen, das dieses von mir beschriebene Problem bei der Anwendung auf die US-Gesellschaft versagt, mangels des Adels. Doch das ist ein Trugschluss. Das Problem äußerte sich wie in Frankreich oder Großbritannien in einem Bürgerkrieg, wobei die Rahmenbedingungen natürlich verschieden waren.
Der Sezessionskrieg oder Amerikanische Bürgerkrieg (1861 bis 1865) wurde nicht geführt, um die Sklaverei zu beenden. Sondern es ging um die Durchsetzung ihrer Weltanschauung. Die Nordstaaten hatten ein stark entwickeltes Bürgertum. Zu der Fraktion der Nordstaaten gehörten nämlich auch einige Sklavenhalterstaaten, wo sich das Bürgertum schon zu stark entwickelt hatte.
Die Fraktion der Südstaaten hingegen verteidigte ihren Lebensstil, der reaktionär und feudalistisch war mit aristokratischen Gehabe. Dieser Lebensstil vertrat der Süden in der damals bereits existierenden Partei der Demokraten. Diese Partei, der es kurz nach dem Krieg verboten war politisch sich betätigen, schaffte die Zulassung durch das aufsetzen einer Maske und einer unklaren Sprache, was man nun politisch korrekt nennt. So wie es der deutsche Adel schaffte den Begriff „Freiheit“ als undeutsch zu klassifizieren, damit das Volk die Freiheit bekämpft. Schafften es die Aristokraten der Südstaaten in der Partei der Demokraten, freilich erst nach der Beseitigung der Rassendiskriminierung in den 1960er Jahren, sich das Image des politisch korrekten „Liberalen“ zugeben. Es ist eine Fassade die sogar soweit ging eine Marionette Obama zum Präsidenten zu machen, der nur deshalb die Präsidentschaft gewann, weil er schwarz ist. Doch was tut er? Auf jedenfall setzt er Himmel und Hölle in Bewegung um den IS-Staat nicht bekämpfen zu müssen und hofiert den Islam.
Die Demokraten standen hinter dem Ku Klux Klan. Und im Rahmen der hier erwähnten subversiven Politik der Umdeutung der Begriffe, wurde die mit Makel behaftete Bewegung umbenannt in Withe Power und die Hintermänner in der demokratischen Partei halten sich schön bedeckt. Natürlich brennt man keine Neger mehr ab. Der letzte Mord des Ku Klux Klan war Anfang der 80er Jahre. Doch als geistiger Brandentfacher ist Withe Power nicht minder gefährlicher als der KKK. Andere terroristische Organisationen hatten auch ihre Epochen, wo statt des bewaffneten Kampfes den politischen aufnahm. Doch die Dinge sind dadurch nicht mehr so klar erkennbar.
Das durchsetzen Geschichtsfälschender Meinung durch großartige Finanzierung, politisch korrekt sind alles Waffen im Kampf gegen den Feind im Bürgertum. Sie sind die treibende Kraft hinter dem, was die deutsche Linke ist, doch dazu später mehr, zum Thema 2. Weltkrieg.

Aristokraten und Kommunisten im Bund


Diese Vorgeschichte, unter Umdeutung des Planes von Max von Oppenheim, führte gegen Ende des ersten Weltkrieges zu einem gemeinsamen Interesse zwischen dem adeligen Deutschland und russischen Kommunisten. Über viele Jahre wurden die Bolschewiki mit Geld, Waffen und Logistik gefördert.
Das Prinzip dahinter lässt sich einfach mit der immer wieder gültigen Prämisse ausdrücken: Der Feind meines Feindes, ist mein Freund.
Eine leicht zu begreifende Politik, die eigene Fehler verschleiern sollte. Denn wenn Deutschland nicht der Ansicht gewesen wäre die ganze Welt erobern zu müssen und eben keinen Krieg gegen Russland geführt hätte. Dann wäre Lenin in seinem Schweizer Exil geblieben und es hätte keine UdSSR gegeben, keinen Stalin, keinen Völkermord dort, keinen Kalten Krieg.

Nun aber waren es mindestens 4 Jahre, in der die deutsche Aristokratenmafia, den Grundstein zur kommunistischen Diktatur legte. Und hatte Erfolg mit dem Plan das Zarenreich zu beenden. Das Auswärtige Amt investierte mindestens 26 Millionen Mark, allein in Propagandistischer Unterstützung.
1917 wurde Zar Nikolai durch die Februarrevolution gestürzt. Die Regierung wurde nun vom sehr schwachen Bürgertum übernommen. Der Weltkrieg geht aber auch im Osten weiter. Da plötzlich reiste Lenin von der Schweiz durch den Machtbereich der Mittelmächte nach Russland, aus dem verbannt war.
Lenin Eintritt in Russland geglückt. Er arbeitet völlig nach Wunsch“, meldet der deutsche Geheimdienst aus Stockholm an den Generalstab in Berlin, in einem Telegramm vom 17.4. 1917. Natürlich konnte man keine Bürgerrepublik dulden.
Wenige Monate darauf vernichtet die Kommunistenrevolte die junge Bürgerrepublik. Umgehend schließt er einen Waffenstillstand mit den Mittelmächten. Zur Erklärung warum sagte Lenin: 
„Die Bourgeoisie muss erwürgt werden, und dafür müssen wir beide Hände frei haben.“

Das Deutsche Reich hatte damit seinen Plan erreicht. Dennoch philosophierte Kaiser Wilhelm II über seinen Plan, sogar ein Bündnis mit dem Kommunistischen Staat zu schaffen, als Gegengewicht zu den Angelsachen und Franzosen.
Daran erinnerte sich Stalin später und versuchte einen neuen Anlauf mit Hitler. Und der Plan ist immer noch aktuell, so wurde der Plan in der russischen Duma, in den 90er Jahren diskutiert, unter Einbeziehung Japans. Nur im Bund mit Russland, ist es Japan und Deutschland möglich, komplett Großmacht Gedanken und eine gesellschaftliche Neuordnung in Angriff zu nehmen. Aufgrund der UN-Feindstaatenklausel. Die Verwirklichung des Plans will freilich die Gegenseite nicht erlauben. Das steckt aber in Wahrheit dahinter, gegen der Gegenwärtigen Krise Europas gegen Russland. Und darum wird die deutsche Regierung bespitzelt durch NSA oder Deutschland keine komplette Souveränität gewährt. Mit der Unzufriedenheit im Volk, will die Reaktion eine Revolution erzwingen und ein neues System im Chaos installieren. Die einen freilich denken im Ziel an die Monarchie, die andere an den Kommunismus. Und Putin fördert die nationalistischen Bewegungen ebenso wie die linken. Nicht nur in Deutschland, aber ganz besonders hier. Ziel ist es, die angelsächsische Dominanz in Europa zu Gunsten Russlands zu kippen. Dies führt die seltsamsten Gruppierungen unter einem Dach zusammen, die sich sonst die Schädel einschlagen. Sie denken allerdings nicht soweit, das man nur eine dominante Macht gegen die andere austauscht. Das ist keine Unabhängigkeit. Aber freilich wären diejenigen die sich von den USA lossagen wollen unabhängig vom arabischen Öl.

Das der Plan des Kaiser aber nicht aufging, war Schuld Lenins. Der nämlich benutzte das Deutsche Reich, solange er darauf angewiesen war. Als die Revolution gesiegt hatte, entsann er umgehend den Plan. Eine kommunistische Revolution in Deutschland zu organisieren, unter Verbindung der bereits existierenden geheimen Verbindungen. Die Frage aber ist, ob das die Idee von ihm von Anfang an war oder daran lag das Kaiser Wilhelm auch die Gegner der Kommunisten unterstützte. Die Politik des Teile und Herrsche sollte Russland über lange Sicht Schwach halten und damit unter die Vorherrschaft des Deutschen Reiches bringen. Das ist die Ökonomiewaffe.
Ein kompliziertes Katz und Maus Spiel, welches bis heute fort geführt wird. Erstaunlich wie dieses bis heute brisante Thema im Geschichtsunterricht keine Erwähnung findet und das ist die Informationswaffe. Krieg wird nicht immer mit Soldaten geführt.
Der erste Weltkrieg mit seinen Millionenheeren, Materialschlachten und Kriegsindustrie eröffnete eine neue Art des Krieges. Die klassische Trennung von Front und Heimat existierte in sofern nicht, das man von der Heimatfront sprechend auch dort alles auf den Krieg konzentrierte. All das führte an die Grenzen des physisch möglichen und erforderte neue Wege der Kriegsführung. „Jedes Mittels, das geeignet ist, den Feind zu schädigen“, galt es einzusetzen, notierte Helmuth von Moltke, der Chef des Generalstabes.
Auf Basis des Planes von Max von Oppenheim setzte das Deutsche Reich gewaltige Summen ein um Muslime gegen Frankreich und Großbritannien aufzustacheln, mit bedingtem Erfolg. Und die Briten und Franzosen wiederum taten das gleiche mit den Muslimen im Habsburger Reich und bei den Ottomanen.
Da das Zarenreich industriell Rückständig war, aufgrund seiner Größe und fehlenden Infrastruktur jedoch gewaltigen Materialaufwand erforderte, glaubte man hier am bestens mit subversiver Kriegsführung arbeiten zu müssen. „Zersetzung des Feindlandes von innen", nannte das Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Hunger war ein bekanntes Mittel, um das Volk zu Revolutionen zu zwingen. In den Städten hatte man gerade die 79 Stunden Woche eingeführt. 1905 war eine Revolution vom Zaren niedergeschlagen worden. Die Judenfrage wurde seit längerem diskutiert. Denen gab man die Schuld an der letzten Revolution. Und die große Anzahl an Minderheiten gab gewaltigen Spielraum zum stiften von Unruhen.
Wilhelm II. Sprach von einer Orangenschalen-Strategie: Wie die Schale der Südfrucht vom Fruchtfleisch sollten die nichtrussischen Randgebiete von Kernrussland getrennt werden. Die dann neuentstehenden Staaten wollte der Kaiser unter deutsche Kuratel stellen - ein Schritt auf dem Weg zur Weltmacht.
So ging ein Geldsegen auf die zahlreichen Polit-Abenteurer nieder, die sich nach Kriegsausbruch bei deutschen Stellen meldeten. Vermeintliche und tatsächliche Zarengegner prahlten damit, sie könnten Meutereien auf der russischen Schwarzmeerflotte anstiften, Aufstände etwa in der Ukraine lostreten oder soziale Unruhen schüren.
Unterlagen des Auswärtigen Amtes bezeugen die Zahlung von 2 Mal 50 000 Goldmark im September 1914 für eine „allgemeine Revolution gegen Russland“ an zwei verschiedene Personen von „großem Einfluss“. Wer diese Leute waren konnte nicht mehr festgestellt werden. Man weiß aber das die Zahlung von 2 Mal 2 Millionen Goldmark folgen sollte. Die Summen stiegen immer weiter an, je ungünstiger der Krieg verlief. Der Blitzsieg der deutschen Generäle war in weite Ferne gerückt und Deutschland stand einem zwei Fronten Krieg gegenüber. Da auch der Feldzug gegen Frankreich keinen Erfolg brachte, sollte das Zarenreich durch Unruhen destabilisiert werden, allerdings dachte man noch nicht an eine Beseitigung der Monarchie.

Geheimdienstliche Tätigkeit


Im Herbst 1914 wurde der deutsche Geheimdienst auf den Juristen Lenin aufmerksam, der seit Anfang des Jahrhunderts im Exil lebte, viel in Westeuropa meist aber in Österreich. Trotzki tat es ihm gleich. Dort lebte auch seit 1912 Josef Wissarionowitsch (Stalin), aber unter dem Pseudonym Stavros Papadopoulos und behauptete Kaukasus-Grieche zu sein. Lenin ernannte ihn als Mitglied des Zentralkomitees der Bolschewiki. Er stand in ständigen Kontakt mit Lenin, in dessen Auftrag er 1913 nach Russland zurück ging, aber verhaftet wurde. Bis 1917 war er daraufhin in sibirischer Verbannung. Was aber nicht viel bedeutete. Stalin war schon etwa ein Dutzend mal zuvor in die Verbannung geschickt wurden. Die in der Verbannung lebenden bekamen eine Wohnung und Kostgeld vom Stadt. Viele Boschewiki taten es freiwillig, um finanzielle Engpässe zu überwinden. Das er diesmal Jahre lang in der Verbannung verbrachte, lag daran, das der erste Weltkrieg ausbrach. Stalin wollte nicht in die Armee eingezogen werden.
Stalin kannte Lenin seit 1905 persönlich. In deren Sinne er Banküberfälle beging, um die Parteikasse der Kommunisten aufzubessern. 1907 überfiel er die Bank von Tiflis, wobei 40 Menschen getötet wurden.

Als der Krieg ausbrach ging Lenin in die Schweiz nach Bern. Er Kannte Deutschland sehr gut und sprach die Sprache perfekt. Das schien der geeignete Mann zum Erfolg. Lenin war ein wenig erfolgreicher Marxist der nur über eine winzige Gruppe von Anhängern die sich jedoch Mehrheitler (Bolschewiki) nannten. Doch sie waren in der Duma vertreten. Darauf legte Lenin aber gar keinen Wert, gemäß der Idee von Marx, wollte er die Macht durch Revolution erlangen. Das war der Punkt warum sich der deutsche Geheimdienst für ihn interessierte. Aber auch weil er nicht die Idee des Nationalismus teilte. Denn bei vielen Sozialisten war das geschehen beim Ausbruch des Krieges, national Sozialisten, die darauf abzielten alles (ihrer Meinung nach) gute am Sozialismus, nur dem eigenen Volk zukommen zu lassen. Lenin glaubte, das der Sturz des Zaren durch die russische Revolution, automatisch zu einer Weltrevolution führen würde. Das Klang in deutschen Ohren nach der Möglichkeit Russland auch als Waffenbruder zu bekommen. Ohne zu bedenken, dass Lenins Idee dieses Schicksal für das Deutsche Reich mit einschloss. Oder man vertraute auf die wirtschaftliche Überlegenheit, vielleicht das man mit einen Lenin allein schon fertig werden würde.
Wenn man erst siegreich aus dem Weltkrieg hervorgegangen sei, notierte vielmehr der Gesandte in Kopenhagen, Graf Ulrich von Brockdorff-Rantzau mit Blick auf die Arbeiterschaft, könne man auch solche "Elemente zur Mitarbeit heranziehen und um den Thron scharen", die bislang abseitsgestanden hätten. Er wurde später Außenminister der Weimarer Republik und arbeitet sehr an dessen Destabilisierung und Aufrüstung der Schwarzen Reichswehr mit.

Während Deutschland 1915 und 1916 vorsichtige Gespräche über einen Friedensschluß führten, die später ergebnislos blieben, da man zu keinen von beiden Seiten zu akzeptierenden Punkten sich einigen konnte. Sondierte Guisbert vom Romberg bereits 1914 erste Gespräche mit subversiven russischen Elementen.
Den Kontakt zum deutschen Geheimdienst hatte Alexander Eduard Kesküla hergestellt, ein typischer Krimineller und Bolschewiki aus Estland, der schon länger für den deutschen Geheimdienst gearbeitet hatte. Allerdings auch für die Bolschewiki im Untergrund von Estland. Sein Tarnname war Kiwi. 1908, mit 27 Jahren, emigrierte er und studierte in Berlin und Leipzig. 1910 ging er in die Schweiz. Er wendete sich unerwartet an den deutschen Gesandten von Romberg, der selbst aus dem Baltikum stammte und russisch sprach, in Bern irgendwann im Herbst des Jahres 1914. Im Frühjahr 1915 bekam er deutsche Papiere und eine neue Identiät unter dem Namen Alexander Stein. Er lässt Lenin-Doppelgänger ausbilden, die der bolschewistischen Partei – unterstützt mit deutschem Geld – den Weg zur Macht in Russland ebnen sollen. Ein Double erweist sich als so geeignet, dass es auch im privaten Leben die Rolle Lenins einnimmt. Im Gegensatz zu Lenin, der als egozentrischer Fanatiker beschrieben wird, ist dieser ein sympathischer Charakter, der auch bei den Frauen bald das Original ersetzt. Kesküla allerdings hatte den Plan, das seine Heimat Estland aus der russischen Machtsphäre ausschied und Schweden zukam. Doch das interessierte die Deutschen wenig, die das Baltikum als deutsches Interessengebiet betrachteten.

Nichtsdestotrotz bleibt von Romberg in Kontakt mit Kesküla und empfängt Nachrichten von ihm, über alles was die russischen revolutionären Exilanten in der Schweiz betraf. In einer dieser Nachrichten vom 25. März 1915 berichtet er von „russischen Sozialisten Leninistischer Prägung“ und deren Plan bezüglich revolutionärer Zellen in Russland, zur Umwandlung des imperialistischen Krieges in einen Bürgerkrieg. Der Diplomat sendet das eilends an Reichskanzler Bethmann-Hollweg.

Kesküla allerdings war kein absoluter Befürworter Lenins. Immer wieder beklagte er sich über dessen Zögerlichkeit, beim umsetzen der Revolution. Dennoch betrieb er Propaganda für ihn. Er beschrieb Lenin gegenüber deutschen Diplomaten, die Lenin in Bern aufsuchen sollten, als „gewissenlos“ und das er über „brutalste und rücksichtsloseste Energie“ verfüge. Er erhielt von Deutschland 250 000 Goldmark um die Bolschewiki zu fördern. Das meiste davon landete allerdings in seinen eigenen Taschen.
Aus britischen Unterlagen geht hervor, das Kesküla, als er Begriff das die deutschen Pläne für das Baltikum hatten, die den seinigen entgegen liefen Kontakt zur Entente aufnahm und den Plan der Deutschen mit Lenin aufdeckte. Sehr wohl aber hatte er zuvor einen Agentenring aufgebaut für Deutschland, der von Stockholm aus arbeitete.

Dass die Deutschen nicht Keskülas selbst für die Revolution nutzten, erklären die Unterlagen des deutschen Geheimdienstes damit, das man ihn trotz seiner Vergangenheit für einen Theoretiker hielt.
Einen Macher hingegen glaubten sie in Alexander Parvus-Helphand gefunden zu haben, mit dem sie im Januar 1915 in Kontakt traten. Er war ein wohlhabender Geschäftsmann der in Konstantinopel lebte. Er war ein typischer Kriegsgewinnler, der sich am Osmanischen Reich gesund gestoßen hatte. Seit November 1914 gehörte das Reich der Türken zu den Mittelmächten. Helphand gehörte von 1910 bis 1914 den Jungtürken an und beteiligte sich der Revolution in Konstantinopel.
Er hatte eine lange militante und revolutionäre Vergangenheit, aber auch Stil. Schon 1867, als junger Sozialist, hatte zum Sturz des Zaren aufgerufen. Denn gebürtig war er aus Minsk. Aber das war wegen der Judenunterdrückung des Zaren. Denn Helphand, und das machte ihn gerade zu perfekt, war selbst Jude. Niemand würde das Deutsche Reich verdächtigen. Sie würden einfach den Juden die Schuld geben, das war es was man in Russland ohnehin annehmen würde, niemand würde daran zweifeln. Zum Marxisten wurde er in der Schweiz während des Studium, so wie es vielen russischen Oppositionellen erging. 1891 kam er nach Deutschland und trat in die SPD ein. Die deutsche SPD war damals weltweit geachtet für ihre erfolgreiche Sozialpolitik. Damals war die wichtigste Verständigungssprache der Anhänger der Weltrevolution in den verschiedenen Ländern Deutsch.
Er verfasste viele radikale und mitreißende Artikel, so dass ihm nachgesagt wurde, ein neuer Marx zu werden. Damals wurde er von der deutschen Polizei beobachtet, er wurde aus mehreren Bundesstaaten expulsiert. Er traf sich wiederholt mit Lenin, mit Beginn des neuen Jahrhunderts und Rosa Luxemburg besuchte ihn wiederholt in seiner Wohnung, beide hatten gemeinsam studiert. In seiner Wohnung druckte er auch zeitweise die Parteizeitung für Lenin. Allerdings war er nicht dieser kommunistische Fanatiker, der nur seine eigene Meinung akzeptierte, wie Lenin. Daher hielt er sich mehr an Leo Trotzki, der eigentlich Bronstein hieß. Der erwies sich auch als genialer Organisator und er war es der die Revolution zum Sieg führte, wohingegen Lenin ein unflexibler Berufsrevolutionär war.
Mit der Revolution 1905 reisten beide zusammen zurück nach Russland. In Russland in ihrem Sinne aktiv war Josef Wissarionowitsch, der später Stalin wurde. Er war Teil des Agentennetzwerkes der deutschen und Bolschewiki. Das interessante ist, dass er schon seit 1897 Anhänger von Lenin war, aber auch von Plechanow, der alles aufbieten wollte um das Deutsche Reich zu vernichten.
Trotzki führte den Sowjet von St. Petersburg und Helphand leitete die Presse. Beide hatten sich nach 1902, als Trotzki mit Lenin in einer Londoner Wohnung lebte, kennegelernt. Das war wohl um 1904, als Trotzki in München lebte. Lenin hatte die beiden bekannt gemacht. 1902 verbrachte er allerdings auch viel Zeit in Paris. Beide landeten im Gefängnis, als die Revolution scheiterte. Es folgte für Helphand die Verbannung nach Sibirien. Floh jedoch und war im Winter 1906/07 erneut in Deutschland.
Doch er hatte Probleme, nicht nur mit der Polizei. In der SPD störte man sich an seinem Lebenswandel. Seine Ansichten von der Revolution waren den Sozialdemokraten zu radikal. Auch war er ein Frauenheld, mit mehreren Kindern, für die er nicht sorgte. Er musste sich einem Parteiverfahren stellen, als Maxim Gorki ihm vorwarf sich auf seine Kosten zu bereichern. Er verließ daher Deutschland und ging ins Osmanische Reich, um „die Polygamie an bester Quelle studieren“ zu können.
Obwohl er in Deutschland eine unerwünschte Person war, bezog er, der Kommunist, Position für die Mittelmächte. Was übrigens viele Sozialisten und Kommunisten taten. Er näherte sich dem deutschen Botschafter Freiherr Hans von Wangenheim, der bereits 1915 von Paul Wolff Graf Metternich, dem Gönner von Max von Oppenheim, ersetzt wurde. Der Botschafter sorgte für ein Gespräch im Auswärtigen Amt in Berlin. Helphand versicherte den Deutschen „Die Interessen der deutschen Regierung sind mit denen der russischen Revolutionäre identisch.“

Dieser Termin war Ende Februar 1915, zwar ist im Einzelnen darüber nichts bekannt, jedoch tauchte daraufhin ein 23-seitiger Plan zur Organisierung von Massenstreiks in Russland auf, die zum Sturz des Zaren führen sollte. Dieser Plan war von Helphand selbst.
Der Plan war gut durchdacht und schloss auch Punkte mit ein, wie die Agitation innerhalb der Arbeiterklasse, Organisation der Streikkomitees, Aufwiegeln nationaler Minderheiten, insbesondere Muslime, Sabotage und Terroranschläge. Auch Befreiung der politischen Gefangenen, Brandsätze für die Ölquellen von Baku, Propaganda in den Medien. Flugblätter und Zeitungen sollten in Deutschland gedruckt werden und er hatte auch schon den Transport organisiert.
Der Plan endet damit, das der vorrangige Punkt die Finanzierung der Bolschewiki seien, deren Führung in der Schweiz sei. Kurz darauf erhielt er Sprengstoff, deutsche Papiere und eine Million Mark.
Im Mai 1915 traf er sich deswegen in Bern mit Lenin, in einem russischen Restaurant. Dannach gingen sie in die Wohnung von Lenin. Beide allerdings berichten später gegenüber anderen, das es bei diesem Gespräch zu keiner Einigung kam. Lenin wollte nicht von der deutschen Monarchie finanziert werden. Und Helphand klassierfizierte das Bild eines untauglichen Spinners von Lenin, der statt die Revolution zu beginnen, die Herausgabe einer kommunistischen Zeitung plante, deren Artikel die Arbeiter Europas umgehend zur Revolution erheben werde.
Lenin behauptete, das er Helphand einen Sozialchauvinisten nannte und aus seiner Wohnung warf.
Doch das war nicht wahr. Beide versucht die geheindienstliche Tätigkeit der Deutschen zu decken. Freilich wäre es schwer gewesen diese Allianz den Genossen zu erklären. Und Helphand hatte keinen guten Ruf. Die deutschen Kommunisten sahen ihn als Betrüger und Spekulant. Deswegen hatten Rosa Luxemburg und Trotzki ihm die Freundschaft inzwischen gekündigt. Ohnehin wurde inzwischen gemunkelt, er sei ein deutscher Agent. Wie auch sonst war er an deutsche Papiere und soviel Geld gekommen? Eine solche Reputation konnte sich Lenin nicht leisten.
Auf der anderen Seite änderte sich für Lenin nach diesem Gespräch erstmal nichts. Er lebte weiterhin sehr bescheiden. Allerdings belegen die Unterlagen des deutschen Geheimdienstes, dass es durchaus eine Bereitschaft Lenins zur Kooperation gibt, sofern sich persönliche Spannungen zwischen ihm und Helphand beseitigen ließen.
Ein Teil des deutschen Geldes hatte Helphand nachweislich unterschlagen, dass zeigen Wertpapiere in einem Schweizer Konto, diese wurden von der Schweizer Polizei 1919 beschlagnahmt.
Es gibt allerdings auch Belege dafür, dass mehrere Bolschewiki von Helphand Geld erhielten. Allerdings handelt es sich da nur um einige Tausend Franken. Und es gibt Dokumente des deutschen Geheimdienstes, die Informationen über das zaristische Russland enthielten, die als Quelle sich auf Lenin beziehen. Außerdem wird von Agentennetzwerk gesprochen das Helphand umgehend nach dem Gespräch mit Lenin aufbaute. Dies ist ein sehr deutlicher Hinweis, denn die sensiblen Punkte dieses Netzwerkes wurden mit Bolschewiki besetzt, die Lenin sehr nahe standen. Da findet sich zum Beispiel Moissej Urizki, der wurde später Chef der Tscheka in St. Petersburg, der berüchtigten Geheimpolizei der Kommunisten. Jakob Fürstenberg wird genannt Chef der sowjetischen Nationalbank. Der Anwalt Mieczyslaw Koslowski gehörte dazu, ein weiterer Mitbegründer der Tscheka. Er verbrachte das Exil mit Lenin in der Schweiz. Viele dieser Personen war untereinander verwandt.

Die Operation beginnt


Zentrale des Netzwerkes war in Kopenhagen, doch operierte man manchmal von Stockholm aus, wohl weil es an Russland grenzte. Denn Finnland war besetzt.
Schon im August 1915 schwärmte ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes von der "genialen Weise", in der Helphand seine Aufgabe anging.
Graf Brockdorff-Rantzau und Freiherr Lucius von Stoedten sind die Kontaktleute des Auswärtigen Amtes für die Revolutionäre in Dänemark und Schweden. Am 2. August schrieb der Graf einen Bericht an Berlin. Er berichtet über den Erfolg bezüglich der zunehmenden Beunruhigung im russischen Heer, die durch Helphand erzeugt werde. Er spricht da von Alexander Parvus-Helphand einem russischen Revolutionär, der zeitweise auch den Menschewiki (Sozialdemokraten) angehörte. Seit 1918 dann war er bei der SPD. Allerdings als Agent der Internationale von Moskau. Konrad Haenisch bezeichnete ihn als den „hellsten Kopf der II. Internationale“. Aber auch ein Kriegsgewinnler.
Am 11. September 1915 charakterisierte von Stoedten die drei Hauptrichtungen im Zarenreich. Es gab die Gruppe um Plechanow, der das Ziel der Vernichtung der deutschen Vormachtstellung verfolgte, sein Gegenpol war Lenin, dem die Vernichtung des Zaren wichtiger war und in aller Öffentlichkeit eine Niederlage Russland herbeiwünschte. Und es gab Axelrod, der das Bürgertum repräsentierte.

In Absprache mit den Diplomaten gründete er ein Exportunternehmen, das sich den Zusammenbruch des Osthandels infolge des Krieges zunutze machen sollte: die "Handels- og Exportkompaniet A/S". Helphands Teilhaber wurde ein Berliner Kaufmann, der im Sold des deutschen Nachrichtendienstes stand; und Lenins Vertrauter Fürstenberg, ein polyglotter Finanzakrobat von hoher Verschwiegenheit, übernahm die Geschäftsführung.
Am 30. September 1915 aber war es Kesküla der der Berner Gesandtschaft Lenins "Friedensbedingungen" im Fall eines Sieges der Revolution in seinem Heimatland übermittelte. Es ist gut möglich das beide Nachrichtenorganisationen zusammengelegt wurden. Vielleicht war es da der Moment das Kesküla begriff, das die Deutschen andere Pläne mit Estland hatten als er. Jedenfalls wendete er sich von den Bolschewiki ab. Doch zu diesem Zeitpunkt arbeitete er noch mit. Von Romberg beschließt das Leninische Program „zur Verwertung im feindlichen Auslande“ zu benutzen. In erster Linie dachte er dabei an Frankreich. Doch es müsse „geheimnisvoll lanciert“ den dortigen Kommunisten zugespielt werden, damit die französische Linke glaube es gäbe bereits ein Einvernehmen zwischen Lenin und mächtigen Kreisen in Russland.

Der deutsche Plan war von Lenin beeinflusst, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Man glaubte das, nach einem Sieg der Bolschewiki, sich die europäische Arbeiterschaft erheben werde und ganz Europa daraufhin in Chaos versinken werde. Es stand außer Zweifel, das der Kommunismus nicht funktionieren werde. Und in diesem Punkt sah die deutsche Machtelite ihre Chance gekommen.
Tatsächlich arbeitete Lenin auch an der Internationale, die später von Moskau aus die Weltrevolution organisieren wollte. Deshalb organisierte Lenin auch die deutsche Arbeiterschaft durch Liebknecht und Luxemburg. Lenin erkannte seine Chance zum kommunistischen Brückenkopf in Russland, wie er selbst bemerkt, im doppelten Spiel der Deutschen. Und was die konnten, dass vermochte auch er zu treiben. Das Problem war, der deutsche Geheimdienst kannte seinen Plan. Nur ist es unklar, wann dieser davon erfuhr. Gewiss als man mit den Plan zu weit fortgeschritten war. Doch man glaubte diesen Mann Lenin schon kontrollieren zu können. Ein Irrtum der später mit Hitler wiederholt wurde, bei dem nämlich alles sehr ähnlich verlief.

Für die deutschen Revolutionsexperten war das kein ungewöhnliches Arrangement. Sie verbargen häufig Parteispenden hinter kommerziellen Aktivitäten. Einem anderen Genossen kaufte man das Patent für einen Sterilisierungsapparat ab, damit er seinen plötzlichen Wohlstand erklären konnte, den er für die Sache des Sozialismus einsetzte.
Höchste Erwartungen waren mit Helphands Unternehmungen verbunden, wie in Kopenhagen der Gesandte Brockdorff-Rantzau notierte: "Der Sieg und als Preis der erste Platz in der Welt ist unser, wenn es gelingt, Russland rechtzeitig zu revolutionieren und dadurch die Koalition zu sprengen." Nun setzte Berlin nicht mehr nur darauf, den Zaren durch Unruhen unter Druck zu setzen, sondern nahm auch dessen Sturz in Kauf.
Helphand knüpfte Verbindungen in die USA, die Niederlande, nach Großbritannien und natürlich Russland. Teils legal, teils mit Hilfe falscher Deklarierungen und durch Schmuggel im- und exportierte er ins oder aus dem Zarenreich Buntmetalle und Chemikalien, gebrauchte Autos und Fischereifahrzeuge, Medikamente, Kondome, Kognak, Kaviar, Bleistifte, Getreide, Walöl und vieles mehr.
Und überall stößt man auf Bolschewiki: Das Unternehmen, welches die Waren jenseits der russischen Grenze auf dem Schwarzmarkt verkaufte, beschäftigte als Justitiar den Rechtsanwalt Koslowski. Die Buchhalterin, welche die Erlöse nach Kopenhagen beziehungsweise Stockholm transferierte, war mit Fürstenberg verwandt. In den Bankhäusern, über welche die finanziellen Transaktionen liefen, saßen in hohen Positionen Bolschewiki.
Bezeichnenderweise fand sich später die Firmenadresse des Helphandschen Unternehmens in Lenins schmalem Adressbuch. Und Geschäftsführer Fürstenberg, das geht aus schwedischen Ermittlungsakten hervor, reiste regelmäßig nach Russland.


Sicher ist: Für die Revolutionsarbeit brauchten die Bolschewiki Geld. Wie eine hässliche Narbe zog sich damals die Ostfront vom Baltikum quer durch Europa bis ans Mittelmeer. Gut 1000 Kilometer mussten die Revolutionäre von Stockholm nach Norden fahren, bis nach Haparanda, einen kleinen Ort an der schwedisch-russischen Grenze, nahe am Polarkreis.
Das heute langweilige Nest war während des Ersten Weltkrieges ein Dorado für Schmuggler und Agenten, der einzig offene Verbindungsweg Russlands in den Westen und Hauptumschlagsplatz für Waren und Nachrichten.
Eine gutbewachte, nur tagsüber freigegebene Holzbrücke für Fußgänger führte über den zeitweise reißenden Grenzfluss Torneälv, den auch Fährschiffe überquerten. Die russischen Beamten mussten geschmiert, mit falschen Papieren überlistet oder auf andere Weise geleimt werden. Briefe Lenins wurden in eigens präparierten Schuhen oder im Korsett versteckt. Größere Mengen Propagandaliteratur vertrauten die Bolschewiki einem Schuhmacher in Haparanda an, der gemeinsam mit einheimischen Genossen die Bücher und Zeitschriften durch das Flussdelta schmuggelte. Im Winter brachten Schlitten die revolutionäre Fracht über das Eis. "Ich bringe Grüße von Olga" lautete das Kennwort unter Eingeweihten.
Jenseits der Grenze führte die Route dann weitere 1000 Kilometer durch Russisch-Finnland Richtung Süden nach Petrograd.
Später verklärte die sowjetische Propaganda die Bolschewiki zu Superrevolutionären, was kalte Krieger im Westen gern glaubten. Doch ideologisch unverdächtige Beobachter berichten von Korruption unter den Genossen. Lieferungen mit Flugblättern und Büchern gingen verloren; einer der Kuriere nahm auf eigene Faust alles heraus, was er für militärische Geheimnisse hielt, um unbedarfte Parteifreunde auf der finnisch-russischen Seite nicht zu gefährden.
Auch zeigte sich die zaristische Geheimpolizei erstaunlich gut informiert, wie aus Dokumenten hervorgeht, die von der Publizistin Elisabeth Heresch in Moskau entdeckt und unter dem Titel "Geheimakte Parvus. Die gekaufte Revolution" publiziert wurden.


Selbst Helphand erlitt Rückschläge. Der dicke Großkaufmann, mittlerweile Ende vierzig und schon etwas kurzatmig, hatte seinen Geldgebern angekündigt, im Januar 1916 werde der Sturm losbrechen, denn dann jährte sich der Ausbruch der Revolution von 1905. Seine revolutionäre Organisation sei in der Lage, in Petrograd "binnen 24 Stunden mindestens 100 000 Arbeiter" mobilzumachen. Für eine komplette Revolution veranschlagte er 20 Millionen Rubel (umgerechnet etwa 134 Millionen Euro) und ließ sich zunächst einmal von Feldjägern eine Million in bar nach Kopenhagen bringen. Das Datum verstrich, und die große Rebellion blieb immer noch aus.
Doch als der Zar schließlich abgedankt hatte, nach der Februarrevolution 1917, lobte der Gesandte Brockdorff-Rantzau, Helphand habe "als einer der Ersten für den Erfolg gearbeitet, der jetzt erzielt ist". Dies führte zu einem engeren Zusammenschluss der deutschen Regierung und den Kommunisten. Und der Kanzler bemerkt, das sich die Lage zu Gunsten Deutschlands verschoben habe. General Graf von Ludendorff drückte sich noch enthusiastischer aus.
Die provisorische Regierung unter Fürst Lvov, Miljukov, Kerenskij und Gučkov machte schnell deutlich, dass man die zaristischen Verpflichtungen und die Bündnispflicht zur Entente nicht vernachlässigen werde. Ein Frieden mit Deutschland war nich akzeptabel. Das war die Katastrophe, denn der Eintritt der USA in den Krieg war nur noch eine reine Formalität. Deshalb musste das russische Unternehmen schnell zu ende gebracht werden. Doch Parvus-Helphand ist sich sicher das Lenin ein Mensch sei, rabiat genug um die Provisorische Regierung schnell zu beseitigen.

Den bedeutendsten deutschen Beitrag zum Ende Nikolais II. lieferten allerdings nicht Agenten, sondern die Militärs. Im Herbst 1916 stand das deutsche Heer tief auf dem Territorium des Zarenreichs. Hunderttausende russische Soldaten waren gefallen. Und unter dem andauernden Druck des Kriegs brach die russische Wirtschaft zusammen.
Ende 1916 mussten Betriebe die Produktion einstellen, weil es an Rohstoffen mangelte. Auf dem Land fehlte es an Bauern und Pferden. In Petrograd und Moskau wurden die Mehlvorräte knapp.
Zunächst demonstrierten die Arbeiter; am 8. März 1917 - dem Internationalen Frauentag - schlossen sich in Petrograd Tausende Frauen an, die vor Lebensmittelläden Schlange standen. Das war, so der Historiker Heiko Haumann, "der Durchbruch zur Revolution". Einem Steppenbrand gleich griff der Protest auf das ganze Reich über. Der völlig überforderte Zar musste den Thron aufgeben.
An die Stelle der Romanows trat die Doppelherrschaft; mit der gemäßigt konservativen Provisorischen Regierung, welche über den Staatsapparat verfügte, und dem linken Petrograder Rat (=Sowjet) der Arbeiter und Soldatendeputierten. In ihm spielten die Bolschewiki zunächst nur eine Nebenrolle.
Damals tauchte Stalin aus der Verbannung auf und arbeitete zunächst für die Prawda, als vertrauter Lenins. Seit Juni 1917 gehörte er zum Allrussischen Sowjetkongress. Am 7. November machte ihn dieser Sowjet, nun als vorläufige Regierung, Stalin zum Volkskommissars für Nationalitätenfragen. Dieser Titel ist aber irreführend. Die ware Aufgabe seines Postens war es das zusammenbrechende russische Reich zu vereinen. Denn aufgrund des Chaos, erklärten sich viel Ethnien für Selbstständig. Stalin erreichte sein Ziel durch brutale Gewalt.
Die neuen Machthaber etablierten das bis dahin liberalste Regime der russischen Geschichte: mit Koalitions-, Versammlungs-, Pressefreiheit. Das Reich befand sich "auf dem besten Wege zu einer demokratischen Regierungsform", urteilt der Historiker Manfred Hildermeier. Den Krieg allerdings wollte man nicht beenden, solange der Preis dafür die deutsche Hegemonie in Osteuropa war.
Für Lenin kam die ganze Entwicklung überraschend. Anfang 1917 hatte der 46-Jährige noch erklärt, seine Generation werde vermutlich die Revolution nicht mehr erleben. Nun - nach dem Sturz des Zaren - saß er in der Schweiz fest, "eingepfropft wie in einer Flasche" (Helphand).
Eine Rückkehr über Frankreich oder England blieb ausgeschlossen; die Entente-Mächte hatten kein Interesse daran, ausgerechnet Lenin nach Russland zu lassen, der ein sofortiges Ausscheiden seines Landes aus dem Krieg verlangte. Davon abgesehen fürchteten Lenin und Genossen, bei einer Fahrt über Nord- und Ostsee versehentlich von deutschen U-Booten torpediert zu werden.
Mal erwog Lenin, sich als taubstummer Schwede auszugeben und incognito durch Deutschland zu reisen, mal mit einem Flugzeug heimlich über die Ostfront zu fliegen. Am Ende schloss er sich dem Vorschlag anderer linker Emigranten aus Russland und Polen an, die für die Fahrt mit der Eisenbahn durch Deutschland und Skandinavien plädierten. Ein riskantes Unterfangen, denn dieser Schritt konnte nur mit Zustimmung der kaiserlichen Behörden erfolgen, und Lenin und die anderen fürchteten, sich zu kompromittieren.

Mit 560 Revolutionären machte sich Lenin auf den Weg, darunter auch mehrere Mitglieder anderer linker Splittergruppen und dazu Familienangehörige.
Eigentlich sollte die Abfahrt ohne Aufsehen erfolgen, aber auf dem Zürcher Bahnhof ging es dann munter zu, wie der deutsche Militärattaché beobachtete. Etwa hundert Russen hatten sich versammelt, die einen "schimpften wie die Rohrspatzen, sie brüllten, die Reisenden seien alle deutsche Spitzel und Provokateure oder 'man wird euch alle aufhängen, ihr Judenhetzer'". Ja, denn die Bolschewiki waren berüchtigt für ihren Antisemitismus. Ein junger Russe tat sich besonders hervor und rief immer wieder "Provokateure, Lumpen, Schweine". Als der Zug ausfuhr, sangen jedoch die Parteifreunde Lenins auf dem Bahnsteig die "Internationale"

Über Berlin führte der Weg dann nach Sassnitz auf Rügen, wo die Fähre nach Trelleborg, der schwedischen Hafenstadt, ablegte. Zwei Tage dauerte die Reise bis zur Ostsee-Insel.
Später hieß es, der wohl berühmteste Zug der Weltgeschichte sei plombiert gewesen, was Winston Churchill spotten ließ, Lenin wäre "wie ein Pest-Bazillus" transportiert worden. Doch das stimmt nicht. Wohl waren drei Türen des Waggons plombiert, aber die vierte nutzten Platten und die beiden begleitenden deutschen Offiziere, um Milch für die Kinder entgegenzunehmen oder Zeitungen zu kaufen. Ein Kreidestrich auf dem Boden markierte die Trennung zwischen den "exterritorialen" Abteilen der Russen und denen der Deutschen. Jedoch bestand bereits Vorsicht im Handeln mit den russischen Revolutionären. Der Geheimdienst war informiert übers Lenins Absicht die russische Revolution nach Deutschland zu bringen. Der Informant war Parvus-Helphand selbst gewesen.
Als Lenin hört, dass seine Fahrt durch Deutschland von Robert Grimm organisiert werden soll, willigt er zunächst ein. Dann weigert er sich plötzlich. Er hatte in Erfahrung gebracht, das die Möglichkeit zu einem Attentat bestehe, da Grimm die Kommunisten hasste und nichts auf den derzeitigen Bund gab.

Die Reisenden vertrieben sich die Langeweile mit dem Absingen französischer Revolutionslieder, was Platten schließlich untersagte, weil er Ärger mit den Deutschen fürchtete. Lenin übte sich derweil in der Planwirtschaft. Da die Raucher unter den Reisenden immer wieder die Toilette blockierten, schnitt er Bezugskarten zu. Nur mit einer Raucherkarte durfte man im Kabuff qualmen.
Dass die Regierung Seiner Majestät Wilhelms II. den Transport ermöglichte, ist immer wieder kritisiert worden. Bereits Fritz Fischer wies 1961 in seinem Klassiker "Griff nach der Weltmacht" darauf hin, dass die Deutschen einen Frieden auch mit der Provisorischen Regierung hätten schließen können.
Schon aus wohlerwogenem Eigeninteresse: Der Kriegseintritt der USA stand unmittelbar bevor; ein Frieden an der Ostfront wurde sofort gebraucht. Und zwar ein Frieden, den man nicht noch militärisch sichern musste, weil er den Deutschen fast ganz Osteuropa zusprach. Für einen solchen Frieden - ohne Annexionen - hätte die deutsche Führung allerdings den Traum von der Weltmacht aufgeben müssen, und dazu war sie nicht bereit. Stattdessen wählte Berlin weiterhin den bequemen Weg: das Bündnis mit dem Feind des Feindes.

Jakob Fürstenberg - der Geschäftspartner Helphands und Vertraute Lenins - nahm die Gruppe in Trelleborg in Empfang. Nach einigen Tagen in Stockholm ging die Reise mit der Bahn über den Grenzort Haparanda nach Russland; entgegen allen Befürchtungen ließ die Provisorische Regierung das zu. Am Abend des 16. April gegen 23 Uhr traf Lenin in Petrograd ein.
Der Petrograder Arbeiter- und Soldatenrat und Lenins Parteifreunde bereiteten ihm einen großen Empfang: rote Fahnen, Musikkapellen, ein Spalier aus Arbeitern und Soldaten auf dem geschmückten Bahnsteig.
Während der Reise hatte Lenin aus der Parteizeitung "Prawda" erfahren, dass die Petrograder Bolschewiki den Krieg fortsetzen und die Provisorische Regierung stützen wollten, weil sie Russland noch nicht reif für den Sozialismus hielten.
Noch in der gleichen Nacht verkündete Lenin einen neuen Kurs: Die Verteidigung des Vaterlandes sei "kleinbürgerlich" und ein "Betrug der Bourgeoisie an den Massen". Nein zum Krieg, nein zur Provisorischen Regierung, Fortsetzung der Revolution. War in Russland erst die Diktatur des Proletariats errichtet, so glaubte Lenin, würde die Weltrevolution folgen. Einen Monat später hatte er seine Partei auf Kurs gebracht.
Für Helphand muss der Richtungswechsel ein später Triumph gewesen sein, denn mit der Forderung, die Macht sofort "in die Hände des Proletariats" zu legen, übernahm Lenin eine Position, die Helphand einst Trotzki nahegebracht hatte.

Aus deutscher Sicht erwies sich der Transfer Lenins als die wohl wichtigste Revolutionsmaßnahme. Schon sie allein rechtfertigt die These, dass die Bolschewiki ohne deutsche Hilfe nicht im Herbst 1917 an die Macht gelangt wären. Denn der Parteiführer begriff schneller als alle Rivalen, dass sich die Auflösung der russischen Gesellschaft nicht stoppen ließ, wenn man die großen Fragen hinausschob: die Bodenreform, die Regelung der Nationalitätenproblematik, die Friedensfrage.
Anzeichen von Anarchie waren bereits unübersehbar. In Depeschen des Auswärtigen Amts häuften sich Berichte über erschlagene Gutsbesitzer und grausige Fälle von Lynchjustiz. Anfang Juli notierten deutsche Diplomaten in Stockholm, was sie über die Lage in Petrograd erfahren hatten: 
"Die Geschäfte sind in sehr schlimmer Verfassung, und die Stadt steht vor dem Bankrott. Die Lebensmittelverhältnisse haben sich immer mehr verschlechtert, die Ansammlungen vor den Läden werden immer größer."

Die Brotration betrug 200 Gramm pro Tag; gleichzeitig brach die Industrieproduktion ein, und die Preise explodierten. An der Front nahmen die Soldaten, meist Bauern, zunehmend ihr Schicksal selbst in die Hand. Zermürbt vom Hunger und dem Grabenkrieg desertierten Hunderttausende, oft gelockt von der Nachricht, dass in der Heimat das Land aufgeteilt werde.

Die Berliner Regierung registrierte erfreut, dass Lenins Forderungen nach Frieden und Landverteilung großen Zulauf fanden. "Lenins Propaganda ist von der Art, welche sich bei der großen Masse am wirkungsvollsten erweist", heißt es in einem Lagebericht vom 5. Juli 1917. Einige Tage später notierte der Gesandte in Stockholm, aus Russland eingehenden Berichten zufolge sei "die Zeit nicht mehr fern, wo die Lenin-Gruppe ans Ruder kommt und damit der Friede ... da wäre".
Noch kurz vor Lenins Rückkehr hatte das Reichsschatzamt dem Auswärtigen Amt weitere fünf Millionen Mark bewilligt. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Richard von Kühlmann prahlte gegenüber Hindenburg und dem Kaiser, dass die bolschewistische Bewegung ohne die "stetige weitgehende Unterstützung" des Auswärtigen Amtes nie hätte "den Umfang annehmen und sich den Einfluss erringen können, den sie heute besitzt".

In der Nacht zum 7. November - nach altem russischen Kalender der 25. Oktober - besetzten die Garnisonsregimenter und die Roten Garden, alles in allem nicht mehr als 20 000 Mann, morgens um zwei Uhr die strategisch wichtigen Punkte; die Gegenwehr war gering und die Machtfrage entschieden. Mit der Verhaftung der Minister der Provisorischen Regierung im Winterpalais am folgenden Tag endete die sogenannte Oktoberrevolution.
Lenin trat an die Spitze einer Regierung, die sich "Rat der Volkskommissare" nannte.

Nach der Revolution


Unter Historikern herrscht weitgehend Einigkeit, dass es für die Bolschewiki leichter war, die morsche Provisorische Regierung zu stürzen, als anschließend die Macht zu behaupten und in ganz Russland durchzusetzen. Die staatliche Verwaltung brach nach der Oktoberrevolution zusammen, überall fehlte es am Nötigsten: Getreide, Kohle, Kleidung. Im Norden Russlands, auch in Sibirien und in den südlichen Teilen des ehemaligen Zarenreichs sammelten sich Gegner des neuen Regimes. Schon bald versank die einstige Großmacht in Anarchie und Bürgerkrieg.
Das Kaiserreich unter Wilhelm II. trug einerseits zu dem Chaos bei, denn deutsche Truppen hielten beträchtliche Teile des ehemaligen Zarenreiches besetzt. Aber zugleich investierten die Diplomaten Seiner Majestät Millionen, um die Bolschewiki in Zentralrussland an der Macht zu halten, weil nur diese bereit waren, einen deutschen Siegfrieden zu akzeptieren - und weil niemand in Berlin glaubte, dass ein real existierender Sozialismus auf die Beine kommen würde.
"Die Bolschewiki sind großartige Kerle und haben alles bisher sehr schön und brav gemacht", notierte Anfang Dezember 1917 der Diplomat Kurt Riezler, der damals die deutsche Russland-Politik maßgeblich bestimmte.

Es wird vermutlich nie zu klären sein, welche Summen das kaiserliche Deutschland Ende 1917 den Bolschewiki zuleitete. Dass es erhebliche Beträge waren, steht außer Zweifel. Im Archiv des Auswärtigen Amtes findet sich dazu ein erstaunliches Dokument. Am 25. November 1917 telegrafierte der Verbindungsmann des Auswärtigen Amtes im Hauptquartier in Bad Kreuznach nach Berlin:
"Jetzige Petersburger Regierung hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Banken verweigern ihr jegliche finanzielle Unterstützung, deren Regierung zur Beschaffung der Lebensmittel für Volk und Heer dringend bedarf ... Gelingt es ihr durch dringend benötigtes Geld der Schwierigkeiten Herr zu werden und ihre Losung in Volk und Heer durchzusetzen, so wird sie sich halten können, bis Waffenstillstand geschlossen ist. Dies hat Lenin erkannt, deshalb wendet er sich an uns ... Oberste Heeresleitung hält es für sehr erwünscht, wenn es gelänge, der Leninschen Regierung Geld zuzuführen."
Das Auswärtige Amt drahtete zurück: "wegen Geldunterstützung für Bolschewiki wird weiteres veranlasst". Wenige Tage später hielt Riezler fest, dass die Bolschewiki "nunmehr Geld haben".

Zugleich verfolgten die Deutschen ihre Interessen aber auf eine Weise, die für die Bolschewiki äußerst schmerzhaft war: Bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk nahmen sie Lenins Proklamation vom Selbstbestimmungsrecht der Völker beim Wort und schlugen vor, auch Polen und das Baltikum abzuspalten. De facto sollten diese Gebiete der deutschen Einflusssphäre zugeschlagen werden.
Die russische Delegation war wie vor den Kopf geschlagen und bat um eine Auszeit. Trotzki schlug den Genossen vor, den Krieg einfach für beendet zu erklären und sich ansonsten zu weigern, einen "annexionistischen Frieden zu unterschreiben". Und so geschah es zunächst.
Mitte Dezember 1917 wird Trotzki von Lenin zum Leiter der sowjetischen Delegation in Brest-Litowsk ernannt. Spezialauftrag: Er soll mit seinem exzellenten Deutsch und seiner glänzenden Rhetorik die Verhandlungen so lang wie möglich verschleppen - in der Hoffnung auf eine Meuterei der mit bolschewistischer Propaganda überschütteten deutschen Soldaten. Gewieft nutzt der Dialektiker Trotzki die Schwäche des deutschen Verhandlungsleiters Kühlmann für ein philosophierendes Räsonnieren im Geiste Hegels und reizt so alle Chancen zum Verschleppen aus.
Von einem Bündnis mit Lenin, der nun immer radikaler wurde, wollte der Kaiser nichts mehr hören. "Bolschewikis wollen Revolution, wollen großen Arbeiterbrei machen", schimpfte Wilhelm und plädierte für "totschlagen".

Am 18. Februar 1918 begann Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg mit der "Operation Faustschlag". In nicht einmal zwei Wochen stießen die deutschen Truppen in einem riesigen Bogen vor, der vom Baltikum im Norden über Weißrussland und die Ukraine bis an den Don reichte. Die Operation band zwar rund eine Million Soldaten, die an der Westfront dringend benötigt wurden. Aber Hindenburg erreichte sein Ziel. Am 3. März unterzeichneten die Bolschewiki dann doch das Friedensdiktat von Brest-Litowsk.
Russland musste ein Gebiet fast so groß wie Argentinien abtreten; ein Drittel der Einwohner, beinahe die gesamte Kohle- und Erdölförderung und die Hälfte der Industrie gingen verloren. Und trotz des Friedens ließ Hindenburg seine Truppen bis auf die Krim und zum Donez-Becken marschieren, um sich Rohstoffe zu sichern.
Doch aus Lenins Sicht gab es keine Alternative, wie er den widerstrebenden Genossen einhämmerte: 
"Ihr müsst diesen Schandfrieden unterschreiben, um die Weltrevolution zu retten, um ... ihren einzigen Brückenkopf zu erhalten - die Republik der Sowjets."

Nach dem Friedensschluss eröffnete das Reich eine Botschaft in Moskau, das seit März 1918 Hauptstadt war.
Deutsche Diplomaten konnten sich nun vor Ort informieren. Sie registrierten mit Sorge, dass sich im Mai 1918 Lenins Lage zuspitzte. Noch verfügte der Regierungschef nicht über die uneingeschränkte Macht der späteren Jahre. Es gab noch linke Oppositionsparteien wie die Sozialrevolutionäre. Empört über den Friedensvertrag von Brest-Litowsk und den Vormarsch des deutschen Heeres, verlangten diese eine Wiederaufnahme der Kämpfe an der Seite der Entente oder zumindest einen Partisanenkrieg gegen die kaiserlichen Soldaten.
Den deutschen Akten zufolge haben Bestechungsgelder aus der Kasse des Reiches maßgeblich dazu beigetragen, dass alles blieb, wie es war. Es sei gelungen, "die Bolschewisten davon abzuhalten, in das Entente-Fahrwasser hinüberzuschwenken", berichtete Staatssekretär Kühlmann am 5. Juni 1918 in Berlin. Man habe dafür allerdings "größere Summen aufwenden" müssen.
Der deutsche Botschafter in Moskau, Wilhelm Graf von Mirbach, war ein Aristokrat alter Schule. Ihm entging nicht, dass auch die Alliierten Millionen an diverse Dunkelmänner verteilten, um Russland wieder in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen. Er bezifferte seinen monatlichen Bestechungsbedarf auf etwa drei Millionen Mark: "Nie war das käufliche Russland käuflicher als jetzt."

Am 6. Juli sprachen zwei Sozialrevolutionäre in der Botschaft vor, verlangten den Adligen in einer persönlichen Angelegenheit zu sprechen und zeigten ein Empfehlungsschreiben. Mirbach begab sich mit den Besuchern in sein Arbeitszimmer und setzte sich an den breiten Marmortisch. Nach einigen Sätzen über einen angeblichen entfernten Verwandten des Botschafters zogen die Männer auf einmal Pistolen aus ihren Aktentaschen. Der Diplomat sprang auf und stürzte los, aber nach wenigen Metern traf ihn ein Schuss in den Hinterkopf.
Noch am Tag des Attentats erschien Lenin am Tatort. Sein Beileid wirkte auf die Deutschen "kalt wie eine Hundeschnauze".

Sowjetrussland glich inzwischen einer "belagerten Festung": Im Norden bei Murmansk waren Briten und Amerikaner gelandet, im Süden wehrte sich die Rote Armee gegen konterrevolutionäre Kosaken, in Samara an der Wolga hatte sich eine Gegenregierung etabliert und Truppen in Marsch gesetzt, und gegen Baku stießen die Türken vor.
Kaiser Wilhelm trommelte nun für einen Kurswechsel: "Es ist gefährlich, unser Los noch ferner mit den sterbenden Bolschewiki zu vereinen!" Selbst im Auswärtigen Amt wuchs die Skepsis, ob sich die Bolschewiki würden halten können. In dieser Zeit erhielten auch ihre Gegner, etwa die Don-Kosaken oder monarchistische Kreise Millionen aus deutschen Kassen, wie der Historiker Winfried Baumgart schon vor Jahrzehnten in einer spektakulären Studie nachgewiesen hat. Berlin wollte sich potentielle Nachfolger Lenins gewogen und Alternativen offenhalten.
Am Ende setzten sich aber die Befürworter einer Fortführung der taktischen Allianz mit dem bolschewistischen Russland durch. Die Deutschen gaben Lenin eine Zusage, nicht auf Petrograd zu marschieren, was es diesem ermöglichte, in höchst bedrängter Lage Truppen abzuziehen und an seiner Ostfront einzusetzen.

Dass die scheinbar vor dem Fall stehenden Bolschewiki das Land nach einem Attentat auf Lenin dann mit grausigem Terror überzogen, entging ihren deutschen Verbündeten nicht. Am 13. September 1918 etwa meldete ein deutscher Hauptmann Eylers aus Petrograd:
"Die Zustände in Petersburg und im übrigen Russland spotten jeder Beschreibung ... Die Leute werden ohne jedes gerichtliche Verfahren in denkbar rohester Weise hingeschlachtet." Betrunkene Rotgardisten würden Gefangene "als Zielscheiben zum Revolverschiessen" verwenden und nicht einmal Frauen und Kinder schonen.
Dem roten Terror des Sommers 1918 fielen auch der ehemalige Zar und seine Familie in ihrem Exilort Jekaterinburg, 1700 Kilometer entfernt von Moskau, zum Opfer. Lenin wollte nicht, dass sie im Falle seines Sturzes von seinen Gegnern befreit würden. Ein Kommando Tschekisten hatte daher schon im Juli Nikolai II., die Zarin, die fünf Kinder sowie den Hausarzt und drei Bedienstete erschossen - im Keller eines Wohnhauses.

Bis heute streiten Experten, ob Wilhelm II. seinen Cousin hätte retten können. Dass die beiden füreinander nie viel übrig hatten, ist kein Geheimnis. Dennoch hatte Wilhelm im März 1917 dem Ministerpräsidenten der Provisorischen Regierung gedroht, er werde ihn persönlich dafür verantwortlich machen, sollte der Zarenfamilie ein Haar gekrümmt werden.
Gegenüber den Bolschewiki zeigte sich Wilhelm dann nicht so entschlossen. Die an ihn herangetragene Bitte, dem Zaren Asyl zu gewähren, lehnte Wilhelm mit dem Argument ab, die Russen könnten darin einen Versuch sehen, die Monarchie in Russland wieder einzuführen. Er ließ nur "eindringliche Mahnungen" an die Bolschewiki übermitteln, den Zaren nicht zu töten. Von nachhaltigen Forderungen, gar einem Junktim, also einer Verknüpfung mit anderen politischen Fragen, ist nichts bekannt.
Bezeichnenderweise kommentierte Wilhelm die Nachricht vom Mord an seinem Verwandten allein mit kaltem Blick auf die politische Lage, wie aus einem Bericht des Legationsrates Werner Freiherr von Grünau aus dem Sonderzug Wilhelms hervorgeht:
"Seine Majestät haben bemerkt, dass ... wir nun dem übrigen Russland gegenüber in schwieriger Lage seien. Es müsse dafür gesorgt werden, dass Entente uns nicht für Ermordung verantwortlich mache; der Versuch werde sicher gemacht werden."
Nur für die Zarin Alexandra, geborene Alice von Hessen-Darmstadt, und ihre Schwester verwandten sich deutsche Diplomaten mit Nachdruck. Sie verlangten von den Bolschewiki, den Damen "mit aller möglichster Rücksichtnahme zu begegnen". Da die deutschen Stellen über keine eigenen Informationsquellen verfügten, blieb ihnen allerdings nichts anderes übrig, als den Auskünften der Bolschewiki zu glauben, alles sei in bester Ordnung.
Diese hielten noch Jahre nach dem Mord die Mär aufrecht, der Zar sei zwar tot, die Familie Nikolais hingegen am Leben. Lenins Unterhändler besaßen sogar die Chuzpe und erklärten den Deutschen, man könne über ein Freilassung der Zarin und ihrer Kinder sprechen, wenn im Gegenzug die Deutschen eine "gleiche russische Verwendung" für "unbequeme Persönlichkeiten in Deutschland zuließen". Lenin zielte damit auf Leute wie Karl Liebknecht ab, später Mitbegründer der KPD, der wegen Hochverrats in Luckau in der Lausitz einsaß.
Das war im September 1918, die Zarin seit zwei Monaten tot, und so langsam dämmerte es den deutschen Strategen, dass sie am Ende die Verlierer des Zweckbündnisses zwischen Lenin und dem Hohenzollernreich sein würden.
Zum Schluss trauten sich Wilhelms Generäle nicht einmal mehr, Soldaten aus der Ukraine oder dem Baltikum an die Westfront zu verlegen, weil die Männer inzwischen als unzuverlässig galten: Sie sympathisierten mit Lenins Revolution. Eine Anfrage der Bolschewiki, ob sie 20 000 Maschinengewehre, 200 000 Gewehre und 500 Millionen Patronen haben könnten, lehnte die Oberste Heeresleitung mit dem Hinweis ab, es bestehe die Gefahr, dass die Waffen "vielleicht später auch gegen uns verwendet werden könnten".
Denn so kühl wie das Auswärtige Amt kalkulierte auch Lenin, und während er den Sommer über in Moskau mit dem Kaiserreich kooperierte, scheute er zugleich weder Geld noch Aufwand, jene Genossen im Reich zu unterstützen, die eine deutsche Sowjetrepublik anstrebten.

Die Deutschen hätten gewarnt sein müssen - es war die gleiche Revolutionierungspolitik, die sie in den Jahren zuvor unterstützt hatten, als es gegen den Zaren ging. 
"Es ist so gekommen, dass jetzt gerade der Deutsche neben dem bestialischen Imperialismus das Prinzip der Organisation ... der strengsten Rechnungsführung, der Kontrolle verkörpert ... Lernt von den Deutschen, ihr verlausten russischen kommunistischen Faulenzer!"
Lenin über die Vorzüge der Deutschen

Am 5. November 1918 brach Wilhelm II. die Beziehungen zu Sowjetrussland ab, das nicht mehr gebraucht wurde. Sechs Tage später unterzeichnete eine deutsche Delegation die Waffenstillstandsbedingungen der Alliierten, mit denen der Frieden von Brest-Litowsk annulliert wurde. Statt Territorium zu gewinnen, verlor Deutschland im Frieden von Versailles ein Siebtel seines Gebietes. Und auch Wilhelm war nicht mehr zu halten und flüchtete ins Exil nach Doorn in die Niederlande. Dort lebte Wilhelm der Letzte bis 1941.
Von Moskau aus höhnte Lenin, der deutsche Imperialismus habe sich unglaublich aufgebläht und sei "unter Zurücklassung eines fürchterlichen Gestanks geplatzt".
Es mag als Form historischer Gerechtigkeit angesehen werden, dass sich über die Implosion des von Lenin gegründeten Sowjetimperiums Gleiches sagen lässt. Es geschah allerdings erst etliche Jahrzehnte später.

Das wohl am besten gehütete Geheimnis des Ersten Weltkriegs endet am 4. November 1918 mit einer Farce. Auf Anweisung von ganz oben schmuggeln Berliner Polizisten revolutionäre Flugblätter in eine Kiste des sowjetischen Diplomatengepäcks. Als ein Kurier im Bahnhof Friedrichstraße die Utensilien mit dem Lift befördern will, zerbricht das manipulierte Behältnis. Eine Flut von Propagandamaterial mit Überschriften wie "Schlagt die Junker tot!" ergießt sich auf den Bahnsteig.
Unverzüglich protestiert Moskaus Botschafter Adolf Abramowitsch Joffe im Auswärtigen Amt gegen die inszenierte Provokation. Vergebens - kühl eröffnet ihm der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, wie der deutsche Außenminister damals genannt wird, dass Joffe und seine Mitarbeiter Deutschland spätestens am nächsten Abend verlassen müssen. Die Sowjets trifft das "wie ein Blitz aus heiterem Himmel", so ein Mitarbeiter.
Zwei Tage nach dem Zwischenfall wird die Residenz "Unter den Linden" der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), dem Vorläufer der Sowjetunion, geschlossen.
Die Weltöffentlichkeit überraschte der Abbruch der diplomatischen Beziehungen wenig. Seit der Oktoberrevolution im Vorjahr regierte in Russland Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin. Und der radikale Parteiführer der Bolschewiki ließ keinen Zweifel daran, dass er die Weltrevolution anstrebte und dafür Kaiser Wilhelm II. vom Thron zu stoßen gedachte.
Insgeheim freilich - und das wusste nur eine Handvoll Eingeweihter - endete mit dem Abbruch der Beziehungen auch das wohl eigenartigste politische Zweckbündnis des 20. Jahrhunderts: zwischen den russischen Revolutionären um Lenin und den deutschen Imperialisten um Wilhelm aus dem Hause Hohenzollern.
Es war die Komplizenschaft ideologischer Todfeinde, betrieben voller Hinterlist und intriganter Raffinesse. Mit Folgen von welthistorischer Bedeutung: Ohne die Hilfe Wilhelms II. für Lenin hätte es die Oktoberrevolution vor nunmehr 90 Jahren so nicht gegeben. Mehr noch: Ohne deutsche Unterstützung hätten Lenins Bolschewiki das erste Jahr an der Macht wohl kaum überstanden.

Vermutlich wäre keine Sowjetunion entstanden, den Aufstieg des Kommunismus hätte es dann nicht gegeben, keine Millionen Gulag-Tote.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen