Dienstag, 5. Mai 2015

Wenn der Linke vom Zionisten spricht oder: Mythos von der entnazifizierten DDR.

Aus der Reihe: Dem Sozi muss man es in Bildern erklären, damit er versteht!
Die reale Welt
Bild: Antisemitische Klischees wurden von den 
Kommunisten eins zu eins von den 
Nationalsozialisten übernommen: Links eine 
Karikatur aus dem Stürmer in den 1939er-
Jahren, rechts dieselbe Darstellung in einer 
sowjetischen Zeitschrift von Mitte 1970


Die stalinistischen Säuberungen fanden ihr Echo auf deutschem Boden genauso wieder, wie Glasnost und Perestroika. 
Den Juden gegenüber hielten sich im wesentlichen die bekannten Positionen: Was das Dritte Reich betraf, so war für die DDR das Thema auf ihrem Territorium erledigt, weil der BRD die alleinige Nachfolge zugewiesen wurde. Unter dem Verweis auf die Eingliederung von Nazikadern ins System. 

Das Bipolare dabei war, dass die DDR es genauso tat. (vgl.: Als die SED um NSDAP-Mitglieder warb

Vielen Nazis viel es leicht, den kleinen Schritt, auf die SED zu zumachen. Antisemitische Ausschreitungen in Westdeutschland wurden mit Entrüstung angeprangert. Die Entnazifizierung war in der sowjetischen Besatzungszone „entschlossener und konsequenter als in den Westzonen umgesetzt“ worden. 
Allerdings: „Die Entfernung ehemaliger NSDAP-Mitglieder aus allen wichtigen Stellungen diente … nicht nur der Abrechnung mit dem Nationalsozialismus, sondern sollte zugleich den kommunistischen Führungsanspruch im Zuge der ‘antifaschistisch-demokratischen Umwälzung’ durchsetzen.“ 

Mit den Reparationszahlungen an die Sowjetunion betrachtete die DDR ihren Beitrag zur Wiedergutmachung vor der Geschichte als geleistet. 

Die Juden in der DDR genossen dieselbe Freiheit wie die Christen: Ihre Religion wurde als Relikt aus einer unvollkommenen Welt gesehen. 

Der Umgang mit den außerhalb der DDR lebenden Juden war von den geopolitischen Interessen des Ostblocks geprägt. 
Amerika war der Hauptgegner im Kalten Krieg und außerdem der Sitz des internationalen Finanzkapitals. Deshalb reden Sahra Wagenknecht und Jürgen Elsässer noch immer von USrael. STASI Erbe!

In der Nahostpolitik bekämpfte die DDR Israel mit den schärfsten rhetorischen Waffen, unterstützte die arabischen Feinde des jüdischen Staates und gewährte Terroristen Unterschlupf, Finanzierung und Ausbildung. 
Dass sich die Haltung der DDR gegenüber den jüdischen Gemeinden etwa ab 1985 zu entspannen schien, war außenpolitische Taktik: Die SED suchte, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, eine Annäherung an die USA. Weil sie ihren eigenen Klischees stets aufgesessen war, glaubte sie, durch Hofieren der jüdischen Gemeinden und der internationalen jüdischen Organisationen in den USA Eindruck schinden zu können. (Ulrike Offenberg, Seid vorsichtig gegen die Machthaber. Die jüdischen Gemeinden in der SBZ und der DDR 1945 bis 1990, Berlin 1998, S. 208.)

Wie sehr antisemitische Stereotypen in der Gesellschaft der DDR vorhanden waren, zeigt der Fall Paul Merker. (Ausführlich dargestellt, in: Illichmann, ebd. S. 82 ff.)

Merker vertrat als führendes Mitglied der Partei eine Moderne Haltung zum Judentum, weil er als Emigrant in Mexiko eine klarere Sicht gewonnen hatte als jene, die innerhalb Deutschlands von einem System ins andere wechselten oder aber auch jenen, die ausschließlich in Moskau geschult worden waren, um in der DDR führende Funktionen zu übernehmen. 
Merkers Positionen deckten sich im wesentlichen mit denen jener Intellektuellen, die durch die Erfahrung des Nationalsozialismus dem Kommunismus grundsätzlich sympathisierend gegenüberstanden. (Vgl. etwa Lion Feuchtwangers Ansichten, in: „Exil“, Berlin 1963, S. 684 ff.)

Merker musste, in die DDR zurückgekehrt und in den Sog der antisemitischen Welle der sogenannten Moskauer Ärzte Prozesse geraten, am eigenen Leib erfahren, dass es nicht mehr der theoretisch-humanistische Ansatz war, der die politische Gestalt der DDR prägte, sondern eine diktatorische Bürokratie, eingebunden in den unzweideutigen Frontverlauf des Kalten Krieges. Die Führung der SED wählte, als ihren Beitrag zu Stalins antisemitischem Säuberungsprogramm keinen Juden:

„Die Ursachen mögen in einem zweifellos bei DDR-Offiziellen vorhandenen deutschen Schuldkomplex gegenüber Juden zu suchen sein. Ein offen zur Schau getragener Antisemitismus hätte zudem das ohnehin geringe internationale Prestige des ostdeutschen Staates und seiner Führung enorm beeinträchtigt.“
(Angelika Timm, Israel in den Medien der DDR, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung, Bd. 2 (Hrsg.) Wolfgang Benz, Frankfurt/Main 1993, S. 159)

So entschied man sich für eine andere Strategie als die tschechoslowakische KP, die 1952 im „Prozess gegen die Leitung des staatsfeindlichen Verschwörungszentrums mit Rudolf Slánsky an der Spitze“ unmissverständlich die jüdische Herkunft der vermeintlichen Staatsgegner hervorhob: 
„Das Bild einer ‘jüdischen Weltverschwörung’, von Hitler nur sieben Jahre früher gezeichnet, lebte im Prager Prozesssaal wieder auf … Der Slánsky-Prozess hatte für Stalin einen ähnlichen Stellenwert wie die Reichspogromnacht vom 9. November 1938: Die Reaktion des Auslandes, aber auch der Bevölkerung, sollten zeigen, ob bei den weiterreichenden Repressalien mit irgendeinem manifesten Widerstand zu rechnen war.“ (Keßler, ebd. S. 86)

Es war identisch mit der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei ist anzumerken, dass der Pogrom von 1938 bei der Bevölkerung keineswegs zu jenem durchschlagenden Erfolg geworden war, den sich die Nazis gewünscht hatten: 
„… Der Kristallnacht-Pogrom hat gezeigt, dass die deutsche Öffentlichkeit alles andere als enthusiastisch auf die Plünderung des (jüdischen) Eigentums und die Niederbrennung der Synagogen reagierte. Der Pogrom war nicht ‘spontan’, sondern zentral vom Regime koordiniert, welches über die Vorbehalte in der Bevölkerung durch die Geheimdienstberichte genau informiert war. In der Konsequenz wurde Gewalt gegen die Juden künftig geheim und in einer ‘ordentlicheren’ Weise durchgeführt.“ (Wistrich, ebd. S. 74)

Zwar kann nicht angenommen werden, dass die DDR-Führung in bewusstem Rekurs auf die nationalsozialistischen Erfahrungen ein derart strategisches Kalkül verfolgte, als sie mit Merker einen Nicht-Juden als Hauptopfer in einem antisemitischen Prozess wählen würde – bemerkenswert ist die Parallele offensichtlicher Skrupel jedenfalls. 

Allerdings dürften andere Gründe den Ausschlag für die Wahl Merkers zum „Hauptangeklagten“ gegeben haben: 
„… In Deutschland selbst schien jede Regierung, die auch nur den leisesten Versuch machte, den Juden zu schaden, politisch und moralisch für immer geächtet. Am wenigsten war denkbar, dass der offizielle Kommunismus, die SED-Führung, die Solidarität mit den Juden aufkündigen könnte … Nach der Barbarei des Nazismus schien es unmöglich, dass eine antijüdische Politik in dem Land, von dem der Holocaust ausgegangen war, mehrheitsfähig werden könnte.“ (Keßler, ebd. S. 88)

Wie wir aber gerade in der Gegenwart bemerken, ist die Entwicklung bezüglich eines neuen Holocaust - denn ich sehr wohl befürchte - eben nicht so unmöglich, wie Keßler meinte.

Neben diesen Bedenken dürften auch Machttaktische Erwägungen, innerhalb des Ostblock-Gefüges, eine Rolle gespielt haben. Zumal Stalin Ulbricht stets zu schwächen suchte und durchaus politischen Nutzen darin gesehen hätte, Ulbricht mit dem „Odium des Antisemitismus zu belasten“: (Keßler, ebd. S. 89)


„Ulbricht und seine Anhänger durften im Interesse des eigenen Überlebens Stalins Weg der offenen Judenverfolgung nicht mitgehen … Es erschien ihnen opportuner, ‘zionistische Abweichungen’ von der Parteilinie im Kontext ihrer Kampagne gegen ‘Westemigranten’ zu bestrafen. Ein Jude wie Abusch (Alexander Abusch, Vertrauter Paul Merkers in der Emigration und Mitglied des Parteivorstandes der SED, 1950 aller Parteifunktionen enthoben; zu seiner Person, vgl. Illichmann, ebd. S. 86 ff.) hätte als ‘deutscher Slánsky’ Ulbricht weit mehr geschadet als genutzt. Auch in einem Schauprozess mit antisemitischer Komponente schien ein Nichtjude als Hauptangeklagter besonders prädestiniert. Dann fiel es gegebenenfalls leichter, den Vorwurf des Antisemitismus zurückzuweisen.“ (Keßler, ebd. S. 89) 

Dessen ungeachtet präsentierte die SED mit den am 4. Januar 1953 im Neuen Deutschland die „Lehren aus dem Prozess gegen das Verschwörerzentrum Slánsky“, in welchen etliche antisemitische Klischees eingesetzt wurden. (Lehren aus dem Prozess gegen das Verschwörerzentrum Slánsky, in: Einheit. Zeitschrift für Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus. (Hrsg.) ZK der SED, 8. Jg., Heft 2, Februar 1953, S. 205)

Paul Merker hatte allerdings doppeltes Pech. Auch seine jüdischen Mitstreiter distanzierten sich von ihm, nicht zuletzt, um selbst der Verfolgung zu entgehen. (Siehe etwa die Aussagen Leo Zuckermanns, in: Gen. Zuckermann, 10.11.1950 (Befragungsprotokoll der ZPKK), in: SAPMO-BArch, DY 30/IV 2/4/112, B1. 419 ff., zit. n. Illichmann, ebd. S. 91)

Die Vernehmungen von Paul Merker sind aufschlussreich. In der DDR-Bürokratie eigenen Sachlichkeit lassen sich die bekannten Schemata wie etwa jenes der jüdischen Weltverschwörung erkennen. (Etwa in: Vernehmungsprotokoll des Häftlings Merker, Paul, 16.1.1953, in: BStU, 192/56, Bd. 2, B1. 52 f., zit. n. Illichmann ebd. S. 97) 
Ein in die Zelle Merkers eingeschleuster Stasi-Spitzel mit dem Decknamen „Erich“ berichtet: 
„Am 29.1.53, als Merker von der Vernehmung kam, erzählte er folgendes: ‘Es ist ja wie bei den Faschisten. Heute wurde mir vorgeworfen, ein ‘Judenknecht’ zu sein, weil ich 1942 einen illegalen Artikel gegen den Antisemitismus in Deutschland geschrieben und verbreitet habe.“ 
(Bericht, 31.1.1953, in: BStU, 192/56, Bd. 3, B1 167, zit. n. Illichmann, ebd. S. 97)

Von einem Verhör am 9. Februar zitiert der Stasi-Mann, Merker mit den Worten: 
„Am Abend waren wieder alle drei Halunken über mich hergefallen und haben auf mich eingeredet … Man nennt mich einen König der Juden, weil ich einen Artikel in allen Auslandszeitungen, welcher für die Juden war, geschrieben habe.“ 
(Bericht, 11.2.1953, in: BStU, 192/56, Bd. 3, B l 387, zit. n. Illichmann, ebd. S. 97 f.) 
Und an anderer Stelle berichtet „Erich“ über Merkers Erzählung von einem Verhör: 
„In sachlicher Form wurde ich gefragt, ob ich zionistischen Organisationen angehöre, man möchte gerne, dass ich ein Jude bin.“ 
(Bericht, 6.3.1953, in: BStU, 192/56, Bd. 3, B1 342, zit. n. Illichmann, ebd. S. 99)

Auch wenn die DDR also auf die unmittelbare Verfolgung von Juden verzichtete, zeigt der Umgang mit Paul Merker dennoch Bemerkenswertes. Der Antisemitismus war für die SED-Führung eine Option. Er blieb im Repertoire und wurde, wie jede andere politische Maßnahme, ins Kalkül gezogen. Aus taktischen Erwägungen kam es jedoch nicht zu einer direkten Umsetzung. 
Zugleich war, wie die Vernehmungen Paul Merkers zeigen, das ganze Repertoire antisemitischer Stereotypen bei den meist schlichten Fragestellern und Stasi-Spitzeln mit Händen zu greifen: Bilder wie „Judenknecht“ oder „König der Juden“ sind in einem Staat ohne Antisemitismus schwer denkbar und entsprechen erschreckend dem Vokabular der Nazis.

Die Merker-Affäre führt jedenfalls vor Augen, dass es mit einer echten Läuterung in der DDR nicht weit her und ein reines Lippenbekenntnis war. Wenn die Juden nicht unmittelbar verfolgt wurden, so verdanken sie dies nicht der neuen Gesinnung, sondern dem Zufall der Geschichte und der Berechnung der Machthaber, die aus der Verschonung der Juden einen größeren eigenen Vorteil zu ziehen suchten. Das Damoklesschwert über den Juden blieb jedoch. 
Die latente Bedrohung entkräftet ein weiteres Argument, welches zur „Ehrenrettung“ der DDR gerne angeführt wird. Anders als in der Nazi-Zeit hätte es unter kommunistischen Vorzeichen keinen Zustand der Unentrinnbarkeit gegeben; ein sicheres Leben sei, im Falle der Aufgabe des Judentums, stets möglich gewesen. 
Diese Theorie ist angesichts der Willkürherrschaft nicht aufrechtzuerhalten: Wie hätten sich Juden existenziell schützen sollen, wenn das Regime sogar dazu bereit war, aus Nichtjuden wie Merker eine Symbolfigur der Judenverfolgung zu machen? 
Im Gegenteil: Die Ereignisse nach der Veröffentlichung der „Lehren aus dem Prozess gegen das Verschwörerzentrum Slánsky“ führten zu einer nachhaltigen Verunsicherung bei den Juden und zu einer breiten Fluchtwelle: 
„… Nachdem am 14. Januar 1953 die ‘Prawda’, tags darauf das ‘Neue Deutschland’ eine erste Meldung über die Verhaftung jüdischer Ärzte in Moskau veröffentlichte, die als Agenten des JOINT, ‘der internationalen jüdischen bürgerlich-nationalistischen Terrororganisation’ angeblich bereits mehrere sowjetische Partei- und Staatsfunktionäre ermordet hätten und planten, auch Stalin umzubringen, wurde allen Juden in der DDR bewusst, wie gefährlich die Situation für sie war.“ 
(Ulrike Offenberg, ebd. S. 84) 
Die Russen setzten darin, wie zuvor in der Herkunft des linken Antisemitismus erwähnt, den Juden, als Rechter mit dem verhasst Bürgertum gleich. Genau das hatte Goebbels getan.

Es ist dann beinahe eine logische Schlussfolgerung, Judenverfolgung als Kampf gegen Rechts zu verkaufen, sobald die Öffentlichkeit akzeptieren würde, dass Juden eigentlich nicht Semiten sind, sondern die Araber.

Die SED-Funktionäre wussten, dass sie in eine heikle Lage geraten könnten. Hermann Matern, der Leiter der Zentralen Partei Kontrolle Kommission (ZPKK), zur Strategie: 
„Der RIAS trommelt, dass wir plötzlich Anti-Semiten geworden sind, weil bei den Gaunern auch Juden sind. Uns ist Religion und Hautfarbe gleich, aber das, was jetzt ist, ist eine Klassenfrage und keine Rassenfrage. Wir reden auch nicht von Semiten, sondern von ‘Zionisten’.“ 
(Matern über die Aufgaben der Parteikontrollkommissionen nach dem ZK-Beschluss über Lehren aus dem Prozess gegen das Verschwörerzentrum Slánsky. SAPMO-BA, DY 30/IV 2/4/445, B1. 33, zit. n. Offenberg, ebd. S. 84 f.)

Offenbergs Bewertung dieser Aussage ist treffend: 
„Das kam eher einer Legitimation der antisemitischen Motive als einem Dementi gleich.“ 
(Offenberg, ebd. S. 85)

Die Szene offenbart uns den tatsächlichen und naturellen Antisemitismus der Sozialisten, ebenso das man vom Zionisten nur spricht um den Vorwurf des Antisemitismus zu entgegen und abstreiten zu können. Dass die Geschichte mit dem Tod Stalins eine Wendung nahm, kam den Juden in der DDR zu Hilfe. Der Preis war jedoch hoch.

Die meisten jüdischen Gemeinden waren durch die Flucht nicht zuletzt der Vorstände enorm geschwächt; den einzelnen Juden war die Unberechenbarkeit des Systems vor Augen geführt: 
„Der Bericht eines Beobachters des Jüdischen Weltkongresses in Berlin vom 27. Februar 1952, kommt zum Schluss: Obwohl es nicht zutrifft, dass rassische Gesetze in der Sowjetischen Republik erlassen wurden, wurde mir bestätigt, dass ‘streng vertrauliche’ Rundschreiben an Partei- und Regierungsinstitutionen gesandt wurden mit der Aufforderung, die Namen von Juden und gemischter Herkunft, die in politischen und administrativen Organisationen aktiv sind, bekanntzugeben.“ 
(Greta Beigel, Recent Events in Eastern Germany, New York 1953, S. 17) 
Dies kommt den Nazirassengesetzen defacto sehr nahe. Welche Gefühle solche Gerüchte bei den Juden in der DDR auslösen mussten, liegt auf der Hand, war doch klar: 
„Die Juden, als Juden, werden zumindest der Illoyalität verdächtigt; sie gelten als Sicherheitsrisiko, mit all den Konsequenzen, die sich aus solch einer Klassifizierung in einem totalitären System ergeben.“ 
(Beigel, ebd. S. 19)

In den Medien kam es zu „Säuberungen“, die vielleicht nicht spektakulär, deswegen jedoch nicht minder brutal erfolgten: 
„Prominente jüdische Opfer dieser Kampagne waren der Chefredakteur des Neuen Deutschlands, Lex Ende, und der Chefredakteur des Deutschlandsenders, Bruno Goldhammer … Erich Jungmann, wie Merker während der Zeit des Nationalsozialismus im mexikanischen Exil und dann Mitglied des Zentralkomitees der SED, wurde im März 1953 aller seiner Funktionen – er war Herausgeber der Berliner Zeitung und der Geraer Volkswacht – enthoben.“ 
(Vgl. Angaben bei Jerry E. Thompson, Jews, Zionism and Israel. The Story of the Jews in the German Democratic Republic since 1945, Ann Arbor/Mich. 1978, S. 126, zit. n. Timm ebd. S. 158 f.) 
So hatte die Entwicklung die Hardliner gestärkt; die Juden in exponierter Stellung waren jedenfalls beschädigt worden. 

Auch Albert Norden und Hermann Axen bekamen die Folgen zu spüren. Axen wurde aus dem Sekretariat des Zentralkomitees der SED ausgeschlossen, Norden verlor seine Funktion als Leiter der Presseabteilung des Amtes für Information der DDR-Regierung.

Der Schriftsteller und Literaturhistoriker Alfred Kantorowicz kommentierte am 30. November 1952 in seinem Tagebuch die Berichterstattung über den Slánsky-Prozess im Neuen Deutschland: 
„Das ist die Sprache Streichers, die Gesinnung Himmlers, die Atmosphäre der Gestapoverhöre und der Volksgerichtshof-Verhandlungen unter Freislers Vorsitz, der ‘Moral’ der Menschenschlächter von Dachau und Buchenwald, der Vergaser von Auschwitz und Maidanek. Hitler, du hast Schule gemacht – nicht nur im Westen … , sondern auch im Osten.“

Dies ist auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich die DDR trotz einer nach außen sorgfältigen erscheinenden Entnazifizierung tatsächlich in vielen Bereichen noch der Tätergeneration aus dem Dritten Reich bediente. Darüber können auch die antifaschistischen Kampfparolen und die immer wieder an den Tag gelegte „Moral des Abscheus“ gegenüber antisemitischen Auswüchsen in der BRD nicht hinwegtäuschen.

Antisemitische Aktionen in der BRD waren erwünscht, um die BRD in Mißkredit zu bringen. Die Stasi förderte Neonazis, um die BRD als Nazistaat dastehen zulassen. Die Linken der Szenen bedienten sich dessen und erregten sich in einem kultischen Kampf gegen Neonazis, in einer von Nazistrukturen durchzogenen kapitalistischen Gesellschaft. Was letztlich zur fixen Idee wurde.

Jede Aktion wurde vom Kampf gegen Neonazis gerechtfertigt. Nahm groteske Züge an, führte von Rudi Dutschke getragen, bis zur Gründung der Terroristen wie Rote Zora und RAF.

Die Stasi mit linken Zellen in der BRD unterhielt auch Beziehungen zu den Neonazis von Peine, die ein rechtsradikales Attentat auf Dutschke inzenierte.

Im Jahre 1988 erzählt Isaac Neumann, der ein halbes Jahr lang Rabbiner der jüdischen Gemeinde in der DDR war, das er sehr besorgt sei, da die Sozialistische Regierung den Antisemitismus "nicht entwurzelt " hätte. (AP-Meldung vom 3.5.1988)

Ein Beispiel ist der Berliner Rundfunk, in der Masurenallee, der schon in der Nazi-Zeit existierte und von der DDR übernommen wurde. Der Neuanfang bestand aus sechs ausgewählten Deutschen, einem Major der Besatzer, und den 600 Angestellten, die dort schon für die Nazis arbeiteten. Neben den tatsächlich durchgeführten Entnazifizierung, wurde ein ungleich größerer Teil einfach reintegriert. Für wem das zu traf, entschied die unfassbare Richtlinie, von wer sich besonders in der Produktion verdient gemacht hat. (Vgl. dazu Kappelt, ebd. S. 321 ff.) Heißt also die aktivsten Nazis wurden reintegriert, in dieselben, oder ähnliche Positionen, in denen sie während des Dritten Reiches arbeiteten. Die verbliebene Gesinnung schien kein Hindernis für den sozialistischen Staat. In vielen gesellschaftlichen Milieus lassen sich daher bemerkenswerte Kontinuitäten erkennen.

Dies gilt ganz besonders und erschreckenderweise zum Beispiel für die Staatssicherheit: 
„Ehemalige Gestapo-Informanten, welche bereit waren sich als Informanten für den neuen Ostdeutschen Staatssicherheitsdienst (Stasi) zu betätigen, wurden großzügig belohnt.“ 
(Mary Fulbrook, German National Identity after the Holocaust, Cambridge 1999, S. 56)

Für das Medienwesen machte Simon Wiesenthal in einer Pressekonferenz am 6. September 1968 in Wien erstmals auf den Umstand aufmerksam, dass es sich nicht um bedauerliche Einzelfälle, sondern eine politisch gewollte Tendenz handele. 
Wiesenthal diagnostizierte, dass die Sprache der DDR-Propagandisten erheblich aggressiver sei als jene des Journalisten in anderen Ländern des Ostblocks. (Simon Wiesenthal auf einer Pressekonferenz am 6. September 1968 in Wien, in: „Die gleiche Sprache. Erst für Hitler – jetzt für Ulbricht“, Eine Dokumentation der Deutschlandberichte, Wien 1968)

Anlass für die Untersuchung des „Dokumentationszentrums des Bundes jüdischer Verfolgter des Naziregimes“, war die Berichterstattung über den Sechs-Tage-Krieg gewesen. Dabei schränkte Wiesenthal die Bedeutung der Presse in kommunistischen Ländern zwar grundsätzlich ein: 
„Wir müssen verstehen, dass die Presse und Propaganda in einem totalitären Staat eine besondere Rolle spielt. Sie wirkt nicht meinungsbildend oder willensbildend unter der Bevölkerung, sondern vermittelt Befehle von oben, um richtungsweisend zu sein, denn es gibt keine öffentliche Meinung, nur, die eben von oben kommt …“ 
(Wiesenthal, ebd. S. 6) 

Allerdings: 
„Diese Überlegungen erklärten aber noch nicht den großen Unterschied zwischen dem Ton in der DDR und den übrigen Ostblockstaaten; der Verwandtschaftsgrad zum Nationalsozialismus musste im Pressewesen ein höherer sein. Ein kleines Experiment bei der Analyse der Texte führte zu einem verblüffendem Ergebnis: Wenn man in den Kommentaren der DDR-Blätter das Wort ‘Israeli’ durch ‘Jude’ sowie ‘fortschrittliche Kräfte’ durch ‘Nationalsozialismus’ ersetzte, glaubte man plötzlich eine Vorlage aus Goebbels’ Propagandaministerium vor sich zu haben. Die Ähnlichkeit der Gedanken und Begriffe ergab sich aber auch, wenn man den umgekehrten Weg ging und probeweise Artikel aus der NS-Zeit mit Vokabeln aus dem DDR-Wortschatz ausstattete.“ 
(Wiesenthal, ebd. S. 15)

Wiesenthal sieht die Ursache für dieses Phänomen in einer über weite Strecken nachzuprüfenden Identität der Täter, wobei er auf die Schwierigkeit der Recherche hinweist, „da sich unsere Untersuchungen gegen fest im Sattel sitzende Funktionäre des Propagandaapparats, gegen anerkannte Autoren und Redakteure in leitender Stellung richteten … Das Ergebnis hat alle Erwartungen – oder Befürchtungen – übertroffen.“ (Wiesenthal, ebd. S. 16)

Wiesenthal sprach von 39 Fällen als Beispiel, in welchen nach den Recherchen seines Dokumentationszentrums ehemalige hochrangige Nationalsozialisten mehr oder weniger übergangslos in den Propagandaapparat der DDR übergewechselt hatten: 
„Da gibt es ehemalige Parteigenossen, SS-Männer, SA-Führer, Vertrauensleute der Gestapo, Angehörige von Propagandakompanien, Mitarbeiter des NS-Rundfunks, des ‘Völkischen Beobachters’, des ‘Schwarzen Korps“, Beamte des Propagandaministeriums, Mitglieder des SS-Rasse- und Siedlungs-Hauptamts, Angehörige der berüchtigten ‘Legion Condor’. Sie tragen heute Orden der DDR, bekleiden in vielen Fällen die Stellung eines stellvertretenden Chefredakteurs (der wenige Repräsentationspflichten zu erfüllen hat), bilden in einigen Blättern – wie in der Redaktion des ‘Neuen Deutschland’ und der ‘Deutschen Außenpolitik’ – eigene Nazi-Cliquen.“ 
(Hella Pick, Simon Wiesenthal. A Life in Search of Justice, London 1996, S. 213)

In den folgenden Wochen enttarnte Wiesenthal weitere 244 ehemalige nationalsozialistische Parteimitglieder in der Hierarchie der DDR.

Wiesenthals Untersuchung ist eine Momentaufnahme. Aber sie erfolgte zu einem Zeitpunkt (1968), als die DDR in ihrer „Blüte“ stand. 
Für die Frage, inwieweit antisemitisches Gedankengut für die Berichterstattung von Relevanz gewesen sein könnte, sind einzelne Biografien höchst aufschlussreich. 
So diente unter dem ehemaligen NSDAP-Mitglied Karl Blecha als dem Pressechef der DDR-Regierung Hans Walter Aust als Chefredakteur des DDR-Organs Deutsche Außenpolitik. Aust hatte unter anderem für das SS-Organ Schwarzes Korps gearbeitet. Dr. Richard Arnold, Chefredakteur des NDP-Blattes Der nationale Demokrat hatte in seinem für die Personalakte der NSDAP verfassten Lebenslauf geschrieben, er sei „zuständig für die vollständige Entjudung des deutschen Geisteslebens. Diese Entjudung ist nicht nur personell durchzuführen – durch Beseitigung aller Juden und Judenknechte aus Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung. Es geht um die Tilgung jeglicher Spur Judengeistes aus der deutschen Kultur.“

Die Wortwahl Judenknechte ist interessant. Sie stammt aus der NS-Zeit, wurde aber von der Stasi gegen Paul Merker verwendet.

Die Bücher Kurt Hertwart Balls, Mitarbeiter des Propagandaamtes der DDR, waren vom Reichssender Leipzig 1936 als „Kampfschriften des nordischen Geistes“ empfohlen worden. Ball wirkte außerdem von 1932 bis 1935 als Hauptschriftleiter der antisemitischen Zeitschrift Hammer. (Ehemalige Nationalsozialisten in Pankows Diensten, 5. ergänzte Ausgabe, Berlin 1965, S. 12, zit. n. Kappelt, ebd. S. 89)

Johannes Caspar, Redakteur der Mitteldeutschen Neuesten Nachrichten, hatte im Waldheimer Tagblatt die Nürnberger Rassengesetze als „notwendiges chirurgisches Heilverfahren“ bezeichnet. 
Horst Dreßler-Andreß, Regisseur, Oberspielleiter und Mitarbeiter des Agitprop, war Präsident der NS-Reichsrundfunkkammer gewesen und galt als solcher Begründer der gesamten NS-Rundfunkpolitik. 
Lieselotte Otting, im Zentralvorstand der LDP verantwortlich für das Referat Kultur und Publizistik, war in der NS-Zeit Förderungsmitglied des berüchtigten Lebensborn e.V. gewesen, einer Einrichtung, die nach Himmlers Definition der „Förderung des rassebewussten Geschlechtsverkehrs der SS und zur Aufnordung des deutschen Volkes“ diente.

Reimund Schnabel, Redakteur der Neuen Zeit und Mitarbeiter des Deutschland-Senders war 1938 vom Reichsjugendführer belobigt worden, weil er „in vier Fällen jüdische Elemente, die sich in die HJ-Führerschaft eingeschlichen hatten, entlarvte und pflichtgemäß der Bestrafung zuführte.“

Heinz Thiel, Redakteur der SED-Zeitung Freiheit, hatte 1940 in einem Bericht über eine Säuberungsaktion gegen sowjetische Heckenschützen geschrieben, „es sei ein Symbol, wie die asiatischen Untermenschen von den Tigern unserer tapferen Waffen-SS wie Wanzen zerquetscht werden.“

Max Hartwig wurde nach dem Krieg persönlicher Referent des Vorsitzenden der Ost-CDU, Otto Nuschke. In seinen Aufgabenkreis fiel die Publikationspolitik der Partei. Er hatte der SS angehört. 1939 arbeitete er in der Kommandatur des KZ Oranienburg, später in Buchenwald und Mörder von Ernst Röhm. Der berüchtigte SS-Obergruppenführer Theodor Eicke übernahm Hartwig in die Totenkopf-Division.

Ein besonders bemerkenswerter Fall ist Dr. Karl-Heinz Gerstner. Er war einer der Stars der DDR-Medienwelt: Seine Tätigkeit als Chefreporter bei der Berliner Zeitung, eine sonntägliche Wirtschaftsbetrachtung im Radio und schließlich die TV-Sendung Prisma verhalfen Gerstner zu landesweiter Bekanntheit. Simon Wiesenthal nennt ihn einen „Günstling von Kriegsverbrechern zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilte Otto Albertz und führt an, dass er für die Wehrmacht eine Broschüre mit dem Titel Verniggertes Frankreich verfasst hat." 
Als Gerster 1999 unter dem Titel Sachlich, kritisch, optimistisch seine Memoiren herausbrachte, schien er schon zu ahnen, dass es Diskussionen geben könnte. Jedenfalls fällt bei seinem Buch auf, dass er über weite Strecken in großer Selbstgefälligkeit seine Märtyrerrolle während des Krieges betont. (Karl-Heinz Gerstner, Sachlich, kritisch, optimistisch. Sonntägliche Lebensbetrachtung Berlin, 1999)

Götz Aly, der das Buch rezensierte, ging mit Gerstner hart ins Gericht: 
„Seinen Eintritt in die NSDAP am 1. Mai 1933 will er nur aus ‘Hass gegen Hitler’ vollzogen haben, ‘um etwas gegen die Nazis’ zu tun. In den zeitgenössischen Dokumenten des Auswärtigen Amts liest sich das anders. Zum Beispiel meldete Gerstner 1942 seinem Chef: ‘Eine sehr erfreuliche Erscheinung ist der junge rumänische Wirtschaftsjournalist Matresco, der von den nationalsozialistischen Wirtschaftsauffassungen und der deutschen Mission in Europa überzeugt ist. Im Übrigen ziehen wir Matresco näher an die Botschaft heran.’ Im Spätsommer 1944, als Frankreich schon halb befreit war, regte Gerstner an: ‘Die Widerstandsbewegung ist gegen die alten politischen Routiniers aufzuhetzen. Die radikalen wirtschaftlichen und politischen Erwartungen der Widerstandsbewegung sind gegen die von den Engländern und Amerikanern unterstützte kapitalistische Reaktion auszuspielen und umgekehrt.’“ 
(Götz Aly, Kritisch, optimistisch, verlogen, in: Berliner Zeitung, 26.2.2000) 

Simon Wiesenthal hatte den Verdacht geäußert, Gerstner habe sich als Agent provocateur betätigt. (Wiesenthal, ebd. S. 29, unter Berufung auf die Widerstandsgruppen Pierre Reval und Jacques Robinet.) 
Aly sieht Gerstners Verhalten in Paris aber eindeutig: 
„… Wenig widerstandsfreundlich hatte sich (Gerstner) am 27. November 1941 in Paris um 14 Uhr verhalten: Auf einem markierten Fußgängerübergang herrschte lebhafter Passantenverkehr. Gerstner hielt mit seinem Dienstwagen angeblich vorschriftsmäßig an, um, ‘als die Fußgänger nicht zur Seite gingen, mehrmals zu hupen’. Weiter heißt es in dem Bericht: ‘Ein Franzose, der sich hierüber offenbar ärgerte, trat daraufhin mit seinem Stiefel heftig an den Kühlerschutz des haltenden Wagens’ und versuchte dann, in der Menge zu verschwinden. Aber Gerstner setzte ihm nach, nahm ihn fest und ließ den ‘Täter’ (Herrn Aubrie, Carte d Identité No 129 6219, Serie B) durch die Deutsche Botschaft dem Wehrmachtskommandanten von Groß-Paris melden, mit der ‘Bitte um entsprechende Veranlassung’ zwecks Ahnung dieser ‘eindeutig deutsch-feindlichen Kundgebung‘."
 (Aly, ebd.) 
Außerdem belegt Aly Gerstners Spitzel-Tätigkeit für die Staatssicherheit als Informeller Mitarbeiter (IM) mit Feindberührung, wofür Gerstner ein Zusatzgehalt bezogen haben soll. (Aly, ebd.)

Einer der dominanten Begriffe der DDR-Propagandasprache war jener des Zionismus bzw. Antizionismus. Wir finden den Begriff im Jargon der gegenwärtigen heutigen Linken, und bei dem was man intellektuelle Muslime bezeichnet, die Wind gegen Israel in Deutschland machen wollen. 
Der Begriff wurde meist als Gegenstück zum Antisemitismus verwendet. Dies ermöglichte das moralische Wohlbefinden, weil immer darauf verwiesen werden konnte, dass man sich ja explizit gegen den Antisemitismus ausgesprochen hatte. Diejenigen, die gegen die Zionisten wetterten, waren ebenso „politisch korrekt“ wie die Zuhörer oder Leser. Also ein "politisch korrekter" Antisemit.

Für sich betrachtet, wohnt der Idee eine gewisse Logik inne; erschließt es sich doch dem gesunden Menschenverstand sehr leicht, dass es gute und böse Juden gibt. Wenn nicht bräuchte Israel keine Polizei. 
Mit der Rede von den Zionisten waren immer zugleich die guten Juden ausgenommen. So wurde suggeriert, das es niemals ein rassistischer Ansatz war, sondern eine wissenschaftlich-objektive Analyse, deren Parameter unstreitig vom sozialistischen Erklärungsmodell rührten. Dies sei im Interesse der Verbesserung der Welt nicht nur zulässig, sondern gefordert. Der Zuhörer dieser Linken-Propaganda fühlt sich als intellektuell und gut informiert.

Wie sehr jedoch unter dem Stichwort Zionismus Stereotypen konserviert wurden, die als antisemitisch zu qualifizieren sind, belegt die exemplarische Analyse zweier Texte: 
In der Diskussion mit dem Leser erläutert der stellvertretende Chefredakteur der Neuen Zeit, worum es geht. (Vitali Tschernjawski, Diskussion mit dem Leser, Neue Zeit (Moskau), deutsche Ausgabe, Nr. 37/Sept. 1977) 
Ein Leser Jean Pierre Jolly aus Paris stellt die Frage: 
„In Ihrer Zeitschrift wie in anderen sowjetischen Presseorganen stößt man oft auf Artikel, die den Zionismus und die Zionisten scharf kritisieren. Aber ist das richtig? Können doch Attacken gegen den Zionismus objektiv dazu beitragen, dass der Antisemitismus auflodert.“
(Tschernjawski, ebd.) 

In der Antwort wird der Antisemitismus als Werk der Juden dargestellt. Es wird behauptet, „dass der Antisemitismus für die Zionisten von Vorteil ist … In Wirklichkeit, so paradox das auch zuerst scheinen mag, können sich gerade die Zionisten eine Verwirklichung ihrer Pläne ohne den Antisemitismus nicht vorstellen. Nicht von ungefähr lehrte einer der Begründer des Zionismus schon Ende des 19. Jahrhunderts: ‘ … Der Antisemitismus als starke und eher unterbewusste Macht wird den Juden nicht schaden. Ich halte ihn für eine Bewegung, die der jüdischen Individualität nützlich ist.‘ Ein anderer Führer des Zionismus, Ben Gurion, viele Jahre israelischer Regierungschef, sagte, das beste Mittel, die Juden im Ausland zur Emigration nach Israel zu veranlassen, sei es, die schlimmsten Formen des Antisemitismus zu verbreiten … Unwiderlegbare Beweise wurden publik, dass gerade Agenten zionistischer Geheimdienste Synagogen anzündeten.“ (Tschernjawski, ebd.)

In der Jungen Welt werden weitere Facetten geliefert. Auch hier handelt es sich, um einen Artikel in didaktischer Form. Ein Leser Gert Schuchard, diesmal kein Internationalist, sondern einer aus Brandenburg, fragt: 
„Was verstehen wir unter zionistischer Lobby?“ 
(Martin Robbe, Was versteht man unter zionistischer Lobby?, in: Junge Welt, 27.2.1975) 
Die Antwort des Redakteurs erweitert die Definition der grundsätzlich perversen Juden, die ihre Verfolgung selbst inszenieren, um die Dimension des kapitalistischen Ausbeuters: 
„Maßgebliche Kreise der jüdischen Bourgeoisie und Großbourgeoisie machten sich diese zionistische Idee zu eigen. Doch nur wenige ihrer Angehörigen waren bereit, Bürger des gewünschten Staates zu werden. Sie setzten sich in ihren Heimatländern für seine Gründung bzw. Unterstützung ein. Dadurch wollten sie ihre Position im internationalen Konkurrenzkampf stärken … Der Begriff ‘Lobby’ ist hier dem Sprachgebrauch des bürgerlichen Parlamentarismus entlehnt … wo er Einflussnahme außerparlamentarischer… Interessengruppen auf das Parlament meint … Die zionistische Lobby ist in den USA besonders stark. Dort leben etwa 6 Millionen Juden, also doppelt soviel wie in Israel. Sie sind in einigen Bundesstaaten konzentriert … Das erlaubt es dem … Zionismus, die Anhänger … wirksam zu mobilisieren. Zugleich stehen finanzkräftige Kreise hinter ihm … Der Einfluss der zionistischen Lobby in imperialistischen Staaten – insbesondere in den USA – ist noch groß.“

Die Juden werden in diesen Beschreibungen als besonders heimtückisch beschrieben. Sie zünden ihre eigenen Synagogen an, sie selbst schüren den Antisemitismus. Sie bilden die Weltverschwörung der Hochfinanz und sind zugleich zu feige, selbst nach Israel zu gehen. Sie saugen das Volk aus, um ihre Machenschaften zu finanzieren. Sie sind außerhalb des Volkes, weil sie nicht im Parlament, sondern in einer dubiosen Lobby agieren, dunkle anonyme Gestalten also, derer habhaft zu werden schwer ist. 
Sogar ein Präsident der USA wird als Zeuge bemüht: 
„’Noch nie ist auf das Weiße Haus so heftiger Druck ausgeübt worden’, stellte der damalige Präsident Truman rückschauend fest.“ 
Gegenwärtig sind es auch die dt. Linken und besonders Die Grünen, die Israelische Zionisten oder Mossad beschuldigten die wahren Urheber der IS zu sein. Das alles habe nämlich nichts mit dem Islam zu tun, sondern ist eine jüdische Verschwörung. Es ist als habe Goebbels die linke Polemik geschrieben. (Eines der Hauptargumente der Unterscheidung internationaler und nationaler Sozialisten ist, das die Nazis ja auf das Nationale fixiert war, während den internationalen vorgeworfen wurde, Deutschland kaputtmachen zu wollen. Das ist einfach nicht richtig, oder oberflächlich gesehen. Die DDR war sehr wohl ein Nationalstaat. Beide nationale wie internationale Sozialisten wollten ein neues Deutschland und einen neuen Menschen schaffen. Auch die Nazis konservieren das Deutsche nicht, sondern wollten ein Neues schaffen. Und das ist eben ein großer Unterschied zwischen dem Ostdeutschen Linken und der von den Neoliberalen beeinflussten westdeutschen Linken.)

Damit wird gesagt, dass die Juden sogar schlimmer sind als die amerikanischen Imperialisten, zu denen der Präsident der Vereinigten Staaten in der sozialistischen Lesart ohne Fragen an führender Stelle zählte; was müssen also das für Juden sein, wenn nicht einmal der mächtigste Feind des Kommunismus mit ihnen fertig wird? Schließlich geht es um viel: 
„Mit Hilfe des großen Netzes seiner Organisationen in verschiedenen Ländern, um mit finanzieller Unterstützung des Monopolkapitals wirkt der Zionismus heute als direktes Werkzeug des Imperialismus und der gesamten internationalen Reaktion in deren globalem Kampf gegen die Kräfte des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus.“
 (Ali Ashour, Ein Werkzeug der internationalen Reaktion, in: Probleme des Friedens und des Sozialismus, Berlin 1986, 150, 3/86, S. 428)

Besonders heftige Definitionen:
„Unter Zionismus verstehen wir heute die chauvinistische Ideologie und reaktionäre Praxis der jüdischen Großbourgeoisie, ihrer Finanz-Industrie-Oligarchie mit ihren Machtzentren in den USA, in Westeuropa und in Israel … Der zionistische ‘Philosoph’ (Anführungszeichen sic!) Buber schuf die rassistische ‘Bluttheorie’ nach der alle Juden der Welt aufgrund ihrer angeblich ‘rassischen Bestimmung’ als ‘auserwählt’ zu gelten hätten, was in der Praxis bedeutet, dass Juden unter allen Völkern der Welt – gemäß göttlicher Vorsehung – eine Vormachtstellung einnehmen müssten.“
(J.C., Vormachtstreben – auch mit der „eisernen Faust“, in: Ostseezeitung, 9.1.1985) werden im Nachsatz („Es muss jedoch betont werden, dass nicht alle Juden zugleich auch Zionisten sind.“) wieder eingeschränkt.

Gerade diese Relativierung hat es in sich: „Nicht alle“ bedeutet im Kontext eindeutig, dass die Mehrheit der Juden die internationalen Blutsauger sind; „zugleich“ muss wohl so gelesen werden, dass es eine Veranlagung des Juden zum Zionisten und also zum weltweiten Ausbeuter gibt. 

Natürlich bedienen sich die Zionisten aller denkbar schlechten Methoden gemäß der Intellektuellen Aufklärung der fortschrittlichen linken Kräfte („Hetze der Zionisten entlarvt“, (Neues Deutschland, 21.2.1971) „Zionisten säen Völkerzwist“, (Neues Deutschland, 25.2.1971) „Zionistische Schläger und Mafia-Gangster“, (Berliner Zeitung, 10.11.1972) „Es begann mit einem Lynchmord“, (horizont, 18. April 1971) „Die zionistischen Hexenköche“, (Unsere Zeit, 20.2.1971) „Sie drillen eine neue Herrenrasse“, (Presse der Sowjetunion, Hefte 45, 17.2.1971) „Hintermänner des Zionismus: Gangsterbosse und Börsenmagnaten“), (Presse der Sowjetunion, Hefte 45, 1.2.1971) natürlich wird diese Art der "Berichterstattung“ verteidigt („Untaugliche Versuche, Antizionismus als Antisemitismus zu diffamieren“), (Die Wahrheit, 1.3.1984) natürlich werden Juden herangezogen (So etwa in „Die Wahrheit“, 9.12.1975, Wie ist das mit dem jüdischen Problem? In dem Beitrag schreibt eine anonyme Jüdin, eine angebliche „Leserin unserer Zeitung“
„Wie wesensnah der Zionismus dem Rassismus und Faschismus ist, beweist, dass der Staat Israel zu Südafrika und zu Chile beste Beziehungen unterhält.“ 
Und jüdische Kommunisten („Kampf des Zionismus ist Klassenkampf“) (Meier Vilner, Chef der israelischen KP, in: Probleme des Friedens und des Sozialismus, 1/76, S. 61 ff.) oder verlässliche Vorzeige-Juden, werden als Zeugen für die gute Sache bemüht. 

Selbst Jahre nach dem Fall der Mauer treten solche immer noch auf. Sie alle können jedoch , schon rein quantitativ, den Eindruck nicht verwischen, dass unter einem neuen "Fachbegriff“ altbekannte Feindbilder verwendet wurden. 

Die Selbstdarstellung der DDR als völlig neue, von der deutschen Geschichte losgelöste Einheit, führte in mehrerer Hinsicht in die Irre: Trotz der ideologisch motivierten Entnazifizierung war es für viele "gelernte“ Antisemiten möglich, in der DDR wieder tätig zu werden. Bipolares Wesensmerkmal der Rote Faden in all der linken Bewegung. Sie schrieben, analysierten und kommentierten für eine Publikum, welches durch die nationalsozialistische Schule des Hasses gegangen waren. 
Für die Politik, die den Medien übergeordnet war und unmittelbar steuernd tätig wurde, gilt Ähnliches. Antisemitische Denkmuster aus marxistischer Tradition und Lehre kamen in der DDR zum Tragen, indem vor allem das Bild des „unrechtmäßig reichen Juden“ neu interpretiert wurde. 

Das Zerrbild ist bei den frühen Sozialisten des 19. Jahrhunderts begründet und wird durch die verkürzte Faschismus-Definition von Dimitroff dekretiert, weil diese die Unterordnung der Juden unter den Begriff des Finanzkapitals ermöglicht. 

Im Kontext mit dem kapitalistischen Imperialismus bedroht das Judentum in Gestalt des Zionismus den Deutschen unmittelbar und aggressiv. Der Jude ist außerdem – so erweitert die DDR-Berichterstattung die Darstellung – bösartig und pervers, er schreckt vor nichts zurück. Er zündet seine eigenen Synagogen an, um seine Feinde zu diskreditieren. In Israel hat sich die Bösartigkeit des Juden sogar soweit entwickelt, dass es keine Unterschiede mehr zwischen den Nationalsozialisten und den Juden gibt. Der Jude saugt Deutschland aus, indem er von der BRD Wiedergutmachung kassiert, um dieses Geld für Waffen zu verwenden, mit denen er dann seine Feinde heimtückisch töten kann und dies auch mit unangemessener Brutalität tut. Die Geschichte ist damit an ihren Anfang zurückgekehrt. 

Oder: Wer dreimal links abbiegt, läuft rechts herum! 

Über die Verwendung zahlreicher bekannter Stereotypen hinaus kann sich der Deutsche der DDR sogar als entlastet sehen, was seine Vergangenheit anbelangt. Schließlich hat man es, wie die Lage im Nahen Osten zeigt, mit einem Feind zu tun, der sich selbst der nationalsozialistischen Methoden bedient. Daran ändert auch die militante Anti-Faschismus-Maschinerie nichts, die in der DDR unablässig wirksam war. In ihrer hölzernen Abstraktheit, ihn ihrem hohlen Pathos und nicht zuletzt aufgrund der maßlosen Überzogenheit hat die Propaganda in dieser Hinsicht versagt. Der diskrete Unterton, der den Juden verteufelte, war wirkungsvoller als die bombastischen Moralpredigten gegen den Antisemitismus.

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